Immer mehr Einsätze

Feuerwehr Weißenfels schlägt Alarm: Immer mehr Einsätze bringen Helfer an Belastungsgrenze

Weißenfels - Die Feuerwehr in Weißenfels steht unter immer höherer Belastung. Welche Forderungen die Helfer an die Stadt stellen.

Von Jan Iven 21.03.2018, 07:00

Es war ein dramatischer Appell, den der Weißenfelser Ortswehrleiter Steve Homberg an Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) richtete. „Ich habe den Eindruck, dass die Stadtverwaltung den Ernst der Lage noch nicht richtig verstanden hat“, sagte Homberg bei der Jahreshauptversammlung der Ortswehr.

Demnach nehme die Belastungen der Feuerwehr immer weiter zu. So hat sich die Zahl der Einsätze 2017 um 18 Prozent auf 531 gesteigert. Das sind 84 Einsätze mehr als im Vorjahr. Allein die freiwilligen Kräfte wurden 181 Mal alarmiert. Das entspricht im Durchschnitt 3,5 Einsätzen in der Woche, also jeden zweiten Tag.

Vor allem Unwetter sorgten für mehr Feuerwehreinsätze

Ursache für die starke Erhöhung sei unter anderem das Wetter. „Wir hatten im vergangenen Jahr zahlreiche Unwetterlagen mit vielen Einsätzen“, sagte Steve Homberg, der auch stellvertretender Stadtwehrleiter in Weißenfels ist.

So musste die Feuerwehr 39 Mal zur Beseitigung von Sturmschäden ausrücken. Im Jahre zuvor waren es nur sieben Unwettereinsätze. Auch im Bereich technische Hilfeleistung gab es Zuwächse. Zudem waren im vergangenen Jahr mehrfach Mülltonnen im Stadtgebiet in Brand gesteckt worden.

Allein Sturm „Friederike“ löste 178 Einsätze aus

Die Zahl der Großbrände ging von neun auf sechs zurück. Dafür verdoppelten sich die Mittelbrände von zehn auf 20. Auch die Zahl der Einsätze aufgrund defekter Brandschutzanlagen erhöhte sich von 57 im Vorjahr auf 68. Das neue Jahr 2018 verspricht keine Besserung: Mit dem Sturm „Friederike“ gab es bereits nach einem Quartal insgesamt 178 Einsätze. Hochgerechnet auf das Jahr wären das mehr als 700 Einsätze.

Aufgrund der starken Zunahme der Einsätze forderte der Ortswehrleiter Konsequenzen von der Stadt. „Eigentlich bräuchten wir zusätzliche hauptamtliche Feuerwehrleute“, sagte Steve Homberg. Derzeit sind 16 Einsatzkräfte hauptberuflich bei der Stadt angestellt. Hinzu kommen 59 ehrenamtliche Kräfte.

Feuerwehrleute hoffen auf Helfer der Stadt

Den Feuerwehrleuten brennt zudem das Thema kommunale Einsatzkräfte auf den Nägeln. Dabei handelt es sich um städtische Mitarbeiter, die als Mitglieder der Feuerwehr mit ausrücken. So waren die kommunalen Einsatzkräfte im vergangenen Jahr bei 109 Einsätzen dabei. „Die Stadt sollte bei Einstellungen darauf achten, dass die neuen Mitarbeiter bei der Feuerwehr sind“, sagte Homberg. So hätten sich mehrere Kameraden erfolglos bei der Stadt beworben.

Oberbürgermeister Risch machte den Feuerwehr jedoch keine Hoffnung auf zusätzliche hauptamtliche Kräfte. „In Zeiten der Konsolidierung und einer überzogenen Kreisumlage sieht es da schlecht aus“, sagte Risch. Beim Thema kommunale Einsatzkräfte räumte er hingegen Handlungsbedarf ein: „Wir müssen da unserer Verantwortung als Arbeitgeber gerecht werden und die Bereitschaft zur Ausbildung von Bewerbern einfordern.“

Der Rathauschef sparte auch nicht mit Lob für die Feuerwehrleute. „Ich möchte ihnen persönlich und im Namen der Bevölkerung ein großes Dankeschön für ihren Einsatz aussprechen“, sagte Risch bei der Versammlung. Wobei der Dank auch ausdrücklich an die Familienangehörigen gerichtet sei, die das Engagement der Einsatzkräfte unterstützen. (mz)