Festumzug

Festumzug in Weißenfels: Wie für eine der wichtigsten Figuren nun ein Nachfolger gefunden wurde

Weißenfels - Weißenfels bereitet den traditionellen Umzug im August vor. Wie für eine der wichtigsten Figuren nun ein Nachfolger gefunden wurde.

Von Andreas Richter 25.07.2018, 07:00

Schütz ist wieder da. Der Barockkomponist wird auch in diesem Jahr beim Schlossfest im historischen Umzug dabei sein. Johannes Kreis, der 15 Jahre lang den Heinrich Schütz (1585-1672) bei den verschiedensten Gelegenheiten in Weißenfels verkörpert hat, hat sein Kostüm jetzt an Veit Richter, Sprecher der Autobahnpolizei in Weißenfels, weitergegeben.

„Ich hab’ in der MZ gelesen, dass der Schütz in diesem Jahr womöglich im Umzug fehlen könnte“, erzählt Richter bei der Übergabe der historischen Kluft. Kurzerhand griff er zum Telefonhörer und rief Gudrun Schulze an, die seit vielen Jahren die organisatorischen Fäden für den Schlossfest-Umzug in der Hand hält: Seine Botschaft: „Ich mach’s“. „Das ist doch eine tolle Sache. Es wäre wirklich traurig gewesen, wenn Heinrich Schütz in diesem Jahr gefehlt hätte“, sagt Gudrun Schulze.

Johannes Kreis hatte sein „Amt“ als Schütz abgegeben

Der 79-jährige Johannes Kreis hatte sein „Amt“ als Schütz vom Dienst im vergangenen Jahr aus Altersgründen abgegeben. Seitdem war guter Rat teuer. Nun also hat Kreis sein Kostüm, das ihm einst vor 15 Jahren auf den Leib geschneidert worden war, an seinen 43-jährigen Nachfolger übergeben. Mehr noch: Er hat ihm das historische Gewand geschenkt. Samt schwarzen Strümpfen, Schnallen - und natürlich markantem Spitzbart.

Obwohl, den künstlichen Kinnschmuck braucht der Neue wahrscheinlich gar nicht. „Er hat doch schon einen brauchbaren Bart. Wenn er den richtig in Form bringt, dann reicht das vielleicht schon“, meint Johannes Kreis. Ganz im Sinne von Veit Richter: „Ich lass’ mir bis zum Schlossfest einen ordentlichen Schütz-Bart stehen.“

Festumzug am 26. August in Weißenfels

Dabei will er künftig nicht nur beim Festumzug am Sonntag, 26. August in die Rolle des Komponisten schlüpfen, der einst seinen Alterssitz im Haus in der Weißenfelser Nikolaistraße hatte. Auch beim alljährlichen Wandelkonzert zu den Heinrich-Schütz-Musiktagen im Oktober wird er den Schütz geben.

Gudrun Schulze indes ist froh, dass sie einen Monat vor dem Umzug nach der Neubesetzung der Schütz-Rolle eine Baustelle weniger hat. Eine weitere Herausforderung: Sie braucht noch einen Pferdewagen, auf dem im Bild zum Dreißigjährigen Krieg der Sarg von Schwedenkönig Gustav Adolf II. transportiert werden kann. Darüber hinaus ist die 76-Jährige auf der Suche nach einer Kutsche für den Weißenfelser Herzog Johann Adolf I.

Mehr als 800 Teilnehmer werden den historischen Umzug beim Schlossfest gestalten, das in diesem Jahr vom 23. bis 26. August stattfindet. „Wir haben viele Mitwirkende, die das Bild des Umzugs seit Jahren prägen“, berichtet Gudrun Schulze, die wie Veit Richter auch im Weißenfelser Stadtrat mitarbeitet. Ein Schwerpunkt wird diesmal der Dreißigjährige Krieg sein, dessen Beginn sich in diesem Jahr zum 400. Male jährt. Besonders gewürdigt wird zudem der Orgelbauer Friedrich Ladegast (1818-1905), der vor 200 Jahren geboren wurde. (mz)