Fährbrücke

Fährbrücke: Warum die Liebeschlösser entfernt wurden

Leissling/Lobitzsch - Es ist nicht so, dass die Stadt Weißenfels etwas gegen Romantik hat. „Liebesbeweise sind etwas Schönes“, versichert Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Doch in Leißling und Lobitzsch setzt sich gerade ein Phänomen durch, das im Rathaus mit Sorge beobachtet wird. Es sind die Liebesschlösser, die allmählich zu Problemschlössern ...

Von Jan Iven 29.01.2017, 10:42

Es ist nicht so, dass die Stadt Weißenfels etwas gegen Romantik hat. „Liebesbeweise sind etwas Schönes“, versichert Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Doch in Leißling und Lobitzsch setzt sich gerade ein Phänomen durch, das im Rathaus mit Sorge beobachtet wird. Es sind die Liebesschlösser, die allmählich zu Problemschlössern werden.

16 Liebesschlösser in zwei Monaten

Weltweit befestigen verliebte Pärchen Vorhängeschlösser mit ihren eingravierten Initialen an Brücken. In Köln, Hamburg oder Venedig sieht man so manches Bauwerk vor lauter Liebesschlössern nicht mehr. Mittlerweile haben die Verliebten auch an der Saale zugeschlagen. Innerhalb der knapp zwei Monate seit ihrer Eröffnung sammelten sich 16 Liebeschlösser an der neuen Fährbrücke an. Die Stadt sah sich nun zum Handeln gezwungen und ließ die Schlösser mit der Brechstange entfernen.

Das habe aber nichts damit zu tun, dass die Schlösser möglicherweise zu schwer wären, wie es gerüchteweise bereits in Weißenfels hieß. „Die Brücke kann natürlich noch viel größere Gewichte tragen. Das haben wir ja bereits zu ihrer Eröffnung gesehen, als so viele Menschen drübergelaufen sind“, sagte Katharina Vokoun. Dennoch würden die Schlösser der Brücke nicht gut tun. Was auf den ersten Blick den Charme „kitschig-romantischer Dekoration“ versprühe, sei in Wirklichkeit eine ernstzunehmende Gefahr für das Bauwerk, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme der Stadt.

Rost kann Brücke angreifen

„Denn an den Stellen, wo die Schlösser am Geländer aufliegen, kann sich Rost bilden“, so die Stadtsprecherin. Die Brücke sei neu und habe viel gekostet, deshalb soll sie auch gut gepflegt werden. So wurden rund 2,5 Millionen Euro investiert. Viele Bürger hätten daher sicher kein Verständnis, wenn das Bauwerk bald dem Rost anheim fallen würde. Und so musste die Stadt intervenieren.

Neben ihren Initialen lassen viele Verliebte offenbar auch ein Datum von einem Jahrestag in die Schlösser eingravieren. Gravuren, wie sie unter anderem Wolfgang Lehmann von Messer-Lehmann in der Innenstadt anbietet. „Vor allem zum Valentinstag kommen immer viele Leute, um sich ein Liebesschloss gravieren zu lassen“, erzählt Wolfgang Lehmann. Dafür hat er extra rote herzförmige Vorhängeschlösser im Angebot. Werbung müsse er jedoch nicht machen. Die Leute wüssten schon, wo sie Liebesschlösser kaufen können. Wobei er betont, dass er nichts Illegales anbieten würde. Auch wenn er natürlich wisse, was die Kunden mit den Schlössern machen würden. Was er davon hält, behält er allerdings lieber für sich.

Sonderschichten zum Valentinstag?

Im Rathaus wird nun auch davon ausgegangen, dass zum Valentinstag erneut zahlreiche Schlösser an der Fährbrücke angebracht werden. „Dann werden die Mitarbeiter vom Bauhof wohl Sonderschichten einlegen müssen“, sagte Stadtsprecherin Katharina Vokoun offenbar nicht ganz ernst gemeint. Sie betonte allerdings, dass das Befestigen von Liebesschlössern an der Fährbrücke nicht gestattet sei. Auch wenn die Stadt wohl niemanden daran hindern könne. „Wir werden jetzt nicht das Ordnungsamt losschicken, um herauszufinden, wer hinter den Initialen steckt“, sagte Sprecherin Vokoun.

Allerdings werde die Stadt die Brücke nun einmal im Monat kontrollieren und gegebenenfalls alle neuen Schlösser entfernen und entsorgen. „Alle Paare sollten wissen, dass die Schlösser nicht lange hängenbleiben. Daher sollten sie sich ihre Liebe besser auf andere Weise bestätigen“, so Stadtsprecherin Vokoun. Es bleibe zu hoffen, dass die Beziehungen der Liebespaare langlebiger sind als ihre Schlösser, heißt es in der Stellungnahme der Stadt abschließend. (mz)