„Entspannt kann ich jedenfalls nicht“

„Entspannt kann ich jedenfalls nicht“: Die Wächterin im Schwimmbad

Weißenfels - 22-Jährige sorgt im Langendorfer Schwimmbad für die Sicherheit der Badegäste. Warum sie stets in Alarmbereitschaft ist.

Von Meike Ruppe-Schmidt 06.07.2019, 13:00

Sommer, Sonne, Strandbikini - Bademeistern wird oft ein lockerer Job nachgesagt. Dazu hat vermutlich auch die TV-Serie „Baywatch“ beigetragen. Doch mit den Rettungsschwimmern von Malibu hat der Job von Jacobine Schlag wenig zu tun. „Eigentlich bin ich auch keine Bademeisterin“, sagt die 22-Jährige und lacht. „Die korrekte Bezeichnung lautet Fachangestellte für Bäderbetriebe, aber ich sehe das nicht so eng.“

Seit Oktober ist die Prittitzerin im Weißenfelser Bäderbetrieb angestellt, sorgt im Langendorfer Schwimmbad für die Sicherheit der Gäste. Doch nur mit dem Beobachten der Becken ist es nicht getan. Der Job erfordert auch technisches Verständnis und handwerkliches Geschick. „Der Tag beginnt hier jeden morgen mit dem Reinigen der Becken per Sauggerät“, erklärt sie.

„Zudem werden täglich die Filter gespült und die Technik überprüft.“

Eine dreistündige Prozedur angesichts des vielen Staubs, der durch Bauarbeiten und Trockenheit entstanden ist. „Zudem werden täglich die Filter gespült und die Technik überprüft.“ Und wenn die Gäste das Bad am Abend verlassen, reinigen Schlag und ihr Team die Durchschreitebecken, prüfen die Wasserwerte und leeren die Mülleimer.

Während der Öffnungszeit liegt der Hauptfokus dann auf dem Wasser. „Ertrinkende rufen nicht laut um Hilfe oder gestikulieren wild“, so Schlag. „Das geschieht ganz still.“ Deshalb sollten Eltern ihre Kinder trotz Anwesenheit der Bademeister niemals unbeaufsichtigt im Wasser lassen. „Außerdem leisten wir Erste Hilfe bei Insektenstichen oder Stürzen.“ Gelernt hat Schlag den Beruf übrigens in einer dreijährigen Ausbildung an der berufsbildenden Schule in Wittenberg. Was sie selbst an der Arbeit reizt?

„Natürlich ist es schön, an der frischen Luft zu sein.“

„Natürlich ist es schön, an der frischen Luft zu sein. Mein Herz hängt aber auch besonders an diesem Schwimmbad, weil ich hier groß geworden bin.“ Schon als Vierjährige lernte Schlag von den Eltern das Schwimmen. Mit sechs trat sie dem Weißenfelser Schwimmverein bei, wo sie zehn Jahre lang aktiv war. „Meine halben Ferien habe ich in dem Freibad verbracht“, erinnert sie sich. „Später habe ich als Rettungsschwimmerin am Mondsee gearbeitet.“

Da lag der Wunsch einfach nahe, nach dem Abitur auch beruflich im Bäderbetrieb einzusteigen. Dass sie nun ausgerechnet im Langendorfer Schwimmbad arbeitet, freut sie besonders. „Ich finde, das Bad ist wunderschön geworden und bin sicher, dass es eine gute Saison wird.“ Schließlich seien die Leute nach zwei Jahren Schließung nun hungrig aufs Baden. „Allein am ersten Wochenende suchten 3.200 Besucher Erfrischung in unserem Bad.“

Und was machen Bademeister, wenn sie frei haben? „Entspannt am See oder im Schwimmbad sitzen, kann ich jedenfalls nicht“, lacht Schlag. „Man ist auch in der Freizeit stets in Alarmbereitschaft, wenn man am Wasser ist. Das steckt einfach in einem drin.“ (mz)