Engagierter Goldschmied

Engagierter Goldschmied: Weißenfelser Marktplatz soll herzoglich werden

Weißenfels - Die Sanierung des Weißenfelser Marktes läuft auf Hochtouren. Ein Goldschmied hat eine besondere Idee für den zentralen Platz..

Von Andreas Richter 13.03.2018, 06:00

Man stelle sich vor: Eine Stadt hatte einst fünf Herzöge - Jahrhunderte später kennt sie kaum noch jemand. Für den Weißenfelser Jens Fischer ist das eine unerträgliche Vorstellung. Und deshalb hat der Goldschmied eine Idee, für die er jetzt auch die Räte seiner Heimatstadt begeistern konnte: In der Mitte des neuen Marktplatzes sollen fünf kreisförmig angeordnete Granitplatten an die Herrscher der einstigen Herzogtums Sachsen-Weißenfels (1656/57-1746) erinnern. Auf jeder der 70 mal 70 Zentimeter großen Platten werden die Monogramme der Herzöge, deren Lebens- und Regierungszeit eingraviert.

Herzöge auf dem Marktplatz in Weißenfels: Idee brauchte länger, um zu fruchten

Der Goldschmied ist überzeugt: „Die Zeit der Herzöge war die prägendste Epoche in der Weißenfelser Geschichte.“ Und deshalb ließ er auch nicht locker, als er im Herbst 2016 mit seiner Idee das erste Mal zart bei der Stadt anklopfte.

Schließlich war die Gelegenheit günstig, denn die Planungen für die groß angelegte Sanierung des zentralen Platzes der Stadt liefen auf Hochtouren. Als zunächst kein Echo zurückkam, konnte das den gebürtigen Weißenfelser nicht erschüttern. „In Weißenfels muss man ein bisschen hartnäckiger sein“, weiß Fischer.

Herzöge auf dem Marktplatz in Weißenfels: Goldschmied will Kosten über Sponsoren stemmen

Und er betätigte sich als Netzwerker, knüpfte Kontakte zu einem Architekten, erwärmte Stadträte wie Manfred Rauner, Chef der CDU/FDP-Fraktion, für eine Idee, die noch dazu einen besonderen Charme hat: Die Kosten für die Gravur der fünf Platten will Fischer selbst übernehmen, über Unterstützer und Sponsoren bestreiten. Die Granitplatten an sich wären ohnehin verlegt worden, sind also in der Finanzierung des Markt-Projekts enthalten.

Jens Fischers Hartnäckigkeit sollte sich jedenfalls auszahlen. Erleichtert darüber, dass das Millionen-Projekt Markt nicht noch um 2.500 Euro teurer wird, fiel es dem Stadtrat nicht mehr sonderlich schwer, den fünf Platten zur Erinnerung an fürstliche Zeiten einstimmig den Segen zu geben. Zudem konnte sich der Geschäftsmann allenthalben ein dickes Lob für sein Stehvermögen abholen. „Solche Symbole sind für unsere Stadt ganz wichtig“, meinte etwa Manfred Rauner.

Im Sommer soll der Weißenfelser Markt herzoglich werden

Der Rückenwind vom Stadtrat ist für Fischer nun neuer Ansporn, die Sache bis zum Ende durchzuziehen. „Ich drängle jetzt weiter“, sagt er. In den nächsten Wochen müsse noch die genaue Ausrichtung der Platten besprochen werden. Spätestens im Sommer sollen die Monogramme der Weißenfelser Herzöge auf dem neuen Markt zu sehen sein und Passanten neugierig machen.

Wie wichtig es ist, an diese glanzvolle Epoche der Heimatgeschichte zu erinnern, macht Fischer an einer Episode deutlich. Irgendwann sammelte eine 10. Klasse in der Innenstadt Geld für ihre Abschlussfeier. Dabei kamen sie auch in der Goldschmiede am Markt 10 vorbei. Fischers Idee: Wenn die Schüler drei Fragen zur Heimatgeschichte richtig beantworten, dann bekommen sie 20 Euro.

Die Jugendlichen allerdings gingen leer aus. „Die wussten überhaupt nichts“, erzählt der 54-Jährige und befürchtet, dass die Zeit der Herzöge bald völlig aus dem Bewusstsein vieler Weißenfelser verschwunden sein könnte. Schließlich gebe es auch weder eine Straße noch einen Platz, die an diese Zeit erinnern.

Immerhin wird es nun bald die fünf Platten auf dem Markt geben. Für Jens Fischer wird es die Krönung einer schwierigen Geschichte sein, die er an jedem Tag live vor seinem traditionsreichen Geschäft erleben durfte. „Ja, man hat es schon am Umsatz gemerkt“, sagt er zu den Auswirkungen der Bauarbeiten im Zentrum. Zum Glück sei das Ganze nie Existenz bedrohend geworden. Nun aber sehnt er das Ende herbei, freut sich auf einen schicken Markt, mit Wasserspiel und Lichtteppich - und einem Gruß von den Weißenfelser Herzögen. (mz)