Einzigartige Fällaktion

Einzigartige Fällaktion: Bäume drohen auf Straße zu stürzen

Leißling - In Leißling müssen 238 Bäume gefällt werden, weil sie auf die Straße zu fallen drohen. Rund 100 Eigentümer sind in der Pflicht.

Von Klaus-Dieter Kunick 09.12.2016, 06:00

Eigentum verpflichtet. Dieser Grundsatz wurde am Mittwoch etlichen Eigentümern von Waldgrundstücken entlang der Winterlaite, die sich von der „Schönen Aussicht“ bis nach Leißling erstreckt, sozusagen behördlich vor Augen geführt. Denn: 238 Bäume, die entlang dieser Straße stehen, müssen gefällt und weitere 105 ausgeästet werden. Bei einem Vor-Ort-Termin standen Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei, der Kreisverwaltung aus den Abteilungen Bauamt und Untere Naturschutzbehörde sowie aus dem Ordnungsamt der Stadtverwaltung Weißenfels den rund 20 anwesenden Eigentümern Rede und Antwort.

Die Verwaltungsmitarbeiter erklärten, warum sich die Fällung notwendig macht - immer wieder stürzen Bäume und Äste auf die Straße und werden zu einer Gefahr für die Verkehrsteilnehmer. In dem Fall muss die Feuerwehr ausrücken, um die Gefahr zu bannen und die Straße freizuhalten. Allein im vergangenen Jahr waren die Kameraden fünf Mal vor Ort. „Die Wurzeln der Bäume im Randbereich sind teilweise freigespült. Es besteht die Gefahr, dass weitere Bäume auf die Straße stürzen und es dadurch zu Verkehrsunfällen kommt“, informierte Katharina Vokoun. Die Pressesprecherin der Stadtverwaltung Weißenfels fügte hinzu, dass der Burgenlandkreis die Sicherheit auf seinen Straßen gewährleisten müsse und werde deshalb vor Ort aktiv.

Stadtverwaltung Weißenfels schreibt Eigentümer an

Bis jetzt seien durch die Stadtverwaltung Weißenfels rund 100 Eigentümer angeschrieben worden. Dass denen eine Reihe von Fragen auf den Nägeln brannten, war verständlich. Aus dem Grund liefen die Teilnehmer vom Ortseingang Leißling beginnend die Straße ab, bis hoch zur „Schönen Aussicht“, um allen die Möglichkeit einzuräumen, ihre individuellen Fragen loszuwerden. Rolf Altwein brachte die Aktion schon hinter sich: Er habe von einer Firma acht Bäume fällen lassen, berichtete der 69-Jährige. Das sei notwendig, da gebe es überhaupt keine Frage, so der Senior.

„Weiter oben liegt noch ein Baum an der Seite, der stürzte erst vor wenigen Tagen über die Straße“, so der Leißlinger. Ein anderer Mann befürchtete hingegen, dass er Ärger bekommen könnte, wenn er Bäume fällt, die dann aber auf die Straße fallen und diese beschädigen. Er wollte wissen: „Wer haftet in dem Fall?“ Und wieder ein anderer Eigentümer hinterfragte, wie hoch denn die Kosten für eine Vollsperrung seien. Denn die mache sich auf alle Fälle erforderlich. Genau darauf machte ebenfalls ein Beteiligter aufmerksam, der eine Firma herangezogen hatte. „Die Feuerwehr könnte doch eingeschaltet werden“, äußerte ein weiterer. „Ich habe allein 80 Bäume, die weg müssen. Das ist doch gar nicht in einer Woche zu schaffen“, sprach ein Eigentümer.

Wer trägt Kosten für die Schilder auf der Umleitungsstrecke?

Überhaupt tauchte irgendwann die Frage auf, ob denn jeder Eigentümer allein den Antrag auf eine Vollsperrung stellen sollte oder ob es zu einer koordinierten Vorgehensweise kommen könnte. Gut wäre es natürlich, wenn sich so viel Betroffene wie möglich zu einem konkreten Termin einigen könnten, so ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Dadurch würden sich auch die Kosten reduzieren, die bei einer Vollsperrung anfallen, einschließlich der Kosten für die Schilder auf der Umleitungsstrecke. Man werde den Eigentümern in dieser Frage finanziell entgegenkommen, bestätigte Thomas Hähnel, Leiter des Bauamtes in der Kreisverwaltung.

Ortsbürgermeister Bernd Ringmayer (CDU) fügte hinzu, dass wahrscheinlich noch im Dezember oder Anfang Januar alle Beteiligten an einen Tisch gebeten werden, um sich auf einen Termin zu einigen. Gut möglich, dass in einer Woche nicht alles zu schaffen sei, dann müsse man eben zwei Wochen veranschlagen, ergänzte er.

Doch damit nicht genug. Denn es kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu: Die Fällung könne nur bis zum 28. Februar des nächsten Jahres erfolgen, wies eine Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde hin. „Das ist doch gar kein Vogelschutzgebiet?“, rief einer in die Runde. Das habe damit nichts zu tun, so die Behördenmitarbeiterin. Artenschutz treffe auf alle Tiere zu. Aus dem Grund mache es sich erforderlich, die Bäume noch einmal anzuschauen, ob die von Tieren bewohnt werden. Sollte das der Fall sein, müsse eine Lösung gefunden werden. Der Lebensraum der Tiere sei geschützt. Sie riet zudem allen Eigentümern, das Forstamt zu fragen, ob denn für den gefällten Baum ein neuer gepflanzt werden müsse. (mz)