„Einige Decken sind schon eingestürzt“

„Einige Decken sind schon eingestürzt“: Warum Wohnraum am Weißenfelser Markt verfällt

Weissenfels - Helles Pflaster, neue Bänke - und dahinter bröckelnde Fassaden. Ein Anblick, der bei vielen Passanten auf dem frisch sanierten Weißenfelser Marktplatz Kopfschütteln hervorruft. Objekte in Bestlage, die in anderen Städten heiß begehrt wären, verfallen hier vor den Augen der Bürger. Eins davon ist das ehemalige „Kinderland.“ Der Schriftzug an der maroden Frontseite ist noch heute gut lesbar und zeugt davon, wie viel Leben in dem ehemaligen Spielzeugladen einst herrschte. Nun steht das Objekt seit vielen Jahren ...

Von Meike Ruppe-Schmidt 18.07.2019, 05:00

Helles Pflaster, neue Bänke - und dahinter bröckelnde Fassaden. Ein Anblick, der bei vielen Passanten auf dem frisch sanierten Weißenfelser Marktplatz Kopfschütteln hervorruft. Objekte in Bestlage, die in anderen Städten heiß begehrt wären, verfallen hier vor den Augen der Bürger. Eins davon ist das ehemalige „Kinderland.“ Der Schriftzug an der maroden Frontseite ist noch heute gut lesbar und zeugt davon, wie viel Leben in dem ehemaligen Spielzeugladen einst herrschte. Nun steht das Objekt seit vielen Jahren leer.

Verfallener Wohnraum: Kontaktwege langwierig und fehlende Unterlagen

„Vor allem nach der Sanierung des Marktes wirkt es wie aus der Zeit gefallen“, findet Helga Feller. Die Weißenfelserin kommt oft in die Stadt zum Einkaufen. Über die Gründe für den Verfall kann sie nur spekulieren: „Entweder interessieren sich die Eigentümer nicht für ihren Besitz, oder sie haben kein Geld, die Häuser in Stand zu setzen.“ Dass das Gebäude am Markt 23/24 in einem sehr schlechten Zustand ist, bemängelt man auch von Seiten der Stadt. „Einige Decken sind schon eingestürzt“, sagt Stadtsprecherin Katharina Vokoun. „Der Eigentümer hat einen Antrag auf Notsicherung des Dachstuhls gestellt. Allerdings kann der Antrag zur Zeit nicht bearbeitet werden, weil noch Unterlagen fehlen.“

Bei dem Besitzer handelt es sich um einen arabischen Eigentümer. „Die Kontaktwege sind teilweise sehr langwierig. Da es in Deutschland einen Bevollmächtigten gibt, ist die Kontaktaufnahme derzeit aber möglich.“ In der Stadtverwaltung hofft man nun darauf, dass die Unterlagen schnellstmöglich nachgereicht werden. „Dann könnte der Eigentümer die Notsicherung vornehmen.“ Doch das ehemalige „Kinderland“ ist nicht die einzige Baustelle am Markt.

Finden Eigentümer keine Handwerksfirmen?

Auch das benachbarte Eckhaus ist marode und steht bis auf zwei Läden im Erdgeschoss leer. „Ich spreche den Vermieter jede Woche auf die Zustände hier an“, sagt Shabaz Ahmad, der hier den Laden „Taschen Mode“ betreibt. „Hier muss nicht nur die Fassade gestrichen werden. Der Inhaber wohnt aber in München und sagt, dass er keine Handwerksfirmen findet, die Aufträge annehmen.“

Als „katastrophal vom Dach bis zum Boden“ beschreibt Imbissbesitzer Thomas Liebe das Haus Nummer 16, eins der ältesten am Markt. „Ich war viele Jahre selbst Eigentümer des Objekts“, so der Imbiss-Besitzer. „Doch die nötigen Sanierungen in Millionenhöhe konnte ich nicht leisten.“ Deshalb verkaufte er das Objekt. Passiert ist seitdem nichts. Initiative ergriffen hat dagegen die Stadt bei Haus Nummer 19/20 - zumindest auf der Vorderseite. „Das Haus wurde hergerichtet, damit es ansehnlich ist und keine Gefahr mehr ausgeht für Passanten“, so Vokoun. „Hofseitig ist das Gebäude allerdings zusammengestürzt. Die Statik ist also nicht mehr gegeben.

Wohnraum am Weißenfelser Markt in verfällt

Die Fenster sind kaputt, der Putz lose, im Bauwerk sind Löcher und Stromkabel hängen lose herunter.“ Der Eigentümer mache seit 2003 nichts an dem Haus. Es gab bereits eine bauaufsichtliche Verfügung und die Androhung einer Ersatzmaßnahme. „Inzwischen hat der Eigentümer verkauft“, so Vokoun. „Wir werden die Ersatzmaßnahmen vornehmen. Da der neue Eigentümer noch nicht im Grundbuch steht, würde die Rechnung an den uns bekannten Eigentümer gehen.“

All diese Maßnahmen verhindern jedoch lediglich, dass von den maroden Gebäuden Gefahren für die Allgemeinheit ausgehen. Vokoun: „Die Stadt kann von den Eigentümern nicht verlangen, die Gebäude ,schön’ herzu-richtet.“ Die erhofften Impulse konnte die Marktsanierung zumindest bei den Immobilienbesitzern noch nicht auslösen. (mz)