Einbruch im Bismarck-Turm

Einbruch im Bismarck-Turm : Sogar die Klinke wurde gestohlen

Weißenfels - Der Schock sitzt nach dem Einbruch in den Weißenfelser Bismarck-Turm tief bei Falk Ritzmann, dem Vorsitzenden des gleichnamigen Vereins. Zwischenzeitlich war er von Hannelore Degenkolb und Matthias Gauk informiert worden, so dass am Sonntag nach und nach die ganze Vorgehensweise bruchstückweise ans Licht kam. Demnach muss das Ganze in der Nacht zuvor passiert sein. Bei der ersten Inaugenscheinnahme schien es so, als hätte jemand nur die Türen der zwei Hütten und des Weinfasses auf dem Außengelände gewaltsam ...

Von Holger Zimmer 30.03.2016, 12:00

Der Schock sitzt nach dem Einbruch in den Weißenfelser Bismarck-Turm tief bei Falk Ritzmann, dem Vorsitzenden des gleichnamigen Vereins. Zwischenzeitlich war er von Hannelore Degenkolb und Matthias Gauk informiert worden, so dass am Sonntag nach und nach die ganze Vorgehensweise bruchstückweise ans Licht kam. Demnach muss das Ganze in der Nacht zuvor passiert sein. Bei der ersten Inaugenscheinnahme schien es so, als hätte jemand nur die Türen der zwei Hütten und des Weinfasses auf dem Außengelände gewaltsam geöffnet.

Dann öffnete Ritzmann die Tür zum Turm. Auch da fiel nicht gleich auf, dass aus den beiden Vitrinen etliches fehlte. Das hat er erst beim zweiten Hinschauen bemerkt. Es sind unwiederbringliche Dinge von ideellem Wert verschwunden. So war dem Verein eine Türklinke übergeben worden, die vor 109 Jahren zur Erstausstattung gehörte. Eine Postkarte mit Bismarckturm fehlt ebenso, die 1911 mit Grüßen auf der Rückseite auf Reisen gegangen war. Und es sind Sachen, die nur in geringer Stückzahl angefertigt worden sind, wie eine Münze der Sparkasse mit dem Turm und ein Schusterjunge, der das Kleinod vom Klemmberg in der Hand hält. Den hat Werner Keck hergestellt. Und dann gab es jenes Buch mit Bismarck-Denkmälern, von dem sich ein Senior schweren Herzens getrennt hat, weil es von seinem Großvater stammt.

Spaß am Zerstören

Ritzmann dachte mit Blick auf die Hütten zunächst an einen, der aus reinem Spaß am Zerstören auf das Gelände vorgedrungen war. Doch angesichts des gezielten Diebstahls von Liebhaberstücken aus der Vitrine sagt er nun: „Das hat eine ganz andere Qualität.“ Er vermutet, dass sich schon im Vorjahr ein Besucher ganz gezielt umgeschaut haben muss. Der Vereinschef denkt, dass hier ein Privatmann seine Sammlung komplettieren wollte. Angesichts der Scherben in der ersten Etage war dann auch klar, wie der Täter eingedrungen ist. Er gelangte über die Fassade auf einen der Balkone und hat eine Scheibe eingeschlagen. „Er muss sehr schlank gewesen sein, damit er überhaupt ins Innere gelangen konnte.“

Gestern haben Joachim Glaß und sein Mitarbeiter Thomas Kaiser die letzten Reparaturen durchgeführt. Immerhin kennt Firmenchef Glaß sich aus, hat er den Turm doch mit Türen und Fenstern ausgestattet. Nun ist von den Schäden nichts mehr zu sehen. Falk Ritzmann hat derweil Anzeige erstattet und sagt: „Ein paar schlaflose Nächte soll der noch Unbekannte schon haben.“ Auf jeden Fall werde man sich etwas einfallen lassen, um künftig Einbrüche zu verhindern und werde Dinge von Wert nicht mehr in den Vitrinen lassen.

Der Saisoneröffnung stehe aber am 17. April - einen Tag nach dem Frühjahrsputz - nichts im Wege. Dann können erstmals in diesem Jahr Besucher von 14 bis 17 Uhr den Blick auf die Stadt genießen. (mz)