„Ein Muskelspiel der Stadtverwaltung“

„Ein Muskelspiel der Stadtverwaltung“: Mäharbeiten behindert? Streit um 15 Findlinge

Langendorf - Die Stadtverwaltung Weißenfels hat im Ortsteil Langendorf 15 Findlinge entfernt. Warum das Vorgehen für großen Unmut im Dorf sorgt.

Von Meike Ruppe-Schmidt 29.05.2019, 05:00

Sie waren eine Augenweide und ein hübscher Blickfang für viele Menschen: Große Findlinge, die vor rund 15 Jahren überall im Weißenfelser Ortsteil Langendorf aufgestellt worden sind. Jetzt sind die tonnenschweren Felsbrocken plötzlich wie von Zauberhand verschwunden. „Die Stadtverwaltung hat sie einfach entfernt“, sagt Langendorfs Ortsbürgermeister Horst Ziegler (parteilos) empört. Was ihn besonders ärgert: „Wir als Ortschaftsrat wurden nicht einmal über die Maßnahme informiert.“

Warum man seitens der Stadt Anstoß an den Steinen nahm? „Die Felsen haben die Mäharbeiten unserer Mitarbeiter behindert“, erklärt Dominik Schmidt, Fachbereichsleiter Städtische Dienste. „Denn ringsherum konnten keine Flächenmähgeräte benutzt werden, sondern man musste mit Freischneidern arbeiten.“ Warum das nach 15 Jahren jetzt zum Problem wurde? „Unsere Mitarbeiter haben sich schon seit längerer Zeit darüber beschwert“, so Schmidt.

„Wir wollten ihnen eine Arbeitserleichterung verschaffen.“

„Wir wollten ihnen eine Arbeitserleichterung verschaffen.“ Außerdem sei es beim Mähen immer wieder zum Steinschlag gekommen. Und: „Die Felsen am Teich in Wiedebach wurden zur Gefahr für die Bäume, unter denen sie platziert waren. Denn mit ihrem Gewicht haben sie das Wurzelwerk geschädigt, wie eine Prüfung vom Sachgebiet Baumschutz ergab.“ Und so wurden die insgesamt 15 Findlinge, die außerdem noch in der Goethestraße, Am Hochheim und weiteren Stellen in der Ortschaft verteil waren, mit einem Traktor entfernt.

Ärgerlich für Ziegler: „Die Findlinge waren noch vor unserer Eingemeindung in die Stadt Weißenfels extra mit Hilfe eines Förderprogramms zur Verschönerung unseres Ortes finanziert und aufgestellt worden“, erklärt er. Ziegler selbst hatte damals als Bürgermeister in Langendorf die Geschicke gelenkt. „Die Steine wurden nach Abstimmung mit den Bürgern und den Anwohnern an ihre jeweiligen Stellen verteilt. Das war eine gemeinschaftliche Entscheidung.“

Granitbrocken haben nicht nur optischen Zwecken gedient

Die großen Granitbrocken haben aber nicht nur optischen Zwecken gedient. Sondern auch zur Verkehrsberuhigung. Am Hochheim wurden sie auf die Einbuchtungen der Straße gestellt, um die Geschwindigkeit der Fahrer zu drosseln. „Nun werden die Autos einfach über die Rabatten fahren“, befürchtet Ziegler. Seine Forderung: „Wir verlangen als Ortschaftsrat, dass die Steine allesamt wieder zurück an ihren Platz gebracht werden.“

Im Moment lagern die Felsbrocken auf dem Schulgelände in Langendorf. Sie wieder zurück an ihre angestammten Plätze bringen, gestaltet sich jedoch schwieriger als ihre Beseitigung. Schmidt: „Da sie nun einmal entfernt wurden, haben die Steine ihren Bestandsschutz verloren. Um sie erneut in den Verkehrsbereich legen zu können, ist eine Genehmigung nötig.“ Von Seiten der Stadt wolle man nun jeden Stein im Einzelfall prüfen.

„Das ganze Vorgehen ist ein Muskelspiel der Stadtverwaltung“, schimpft Ziegler. Und er kündigt an: „Wir werden uns das allerdings nicht gefallen lassen. Denn wenn die Stadtverwaltung ohne Rücksprache mit uns einfach macht was sie will, wofür sind wir im Ortschaftsrat dann noch da?“ (mz)