Ehrennadel für Lothar Wolff

Ehrennadel für Lothar Wolff: Unbequemer Rastloser engagiert sich überall

Weißenfels - Der Weißenfelser hat die Ehrennadel der Stadt erhalten. Warum sich der Senior immer wieder gern einmischt.

Von Andreas Richter 28.01.2019, 15:02

Wenn Lothar Wolff an den Resten der früheren Ketten- und Nagelwerke in der Neustadt vorbeiläuft, dann empfindet er mitunter schon etwas Wehmut. Immerhin hat der 76-Jährige rund 45 Jahre lang dort gearbeitet. Mitten in der Neustadt, die ihm seit Jahrzehnten Heimat ist. Und weil er sich seit vielen Jahren für die Interessen der Einwohner des größten Weißenfelser Stadtteils engagiert, wurde er jetzt auf dem Neujahrsempfang mit der Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet.

Sich einmischen, auch mal anecken und was Unbequemes sagen, das habe ihn schon immer ausgezeichnet, sagt Hannelore Wolff über ihren Mann, mit dem sie seit mehr als 50 Jahren verheiratet ist. Das war so in der „Kette“, als er zu DDR-Zeiten Vorsitzender der Konfliktkommission war. Oder später, als der gelernte Elektromonteur als Betriebsrat in aufregenden Wende-Zeiten den Umbruch mitgestaltete. „Wir haben oft bis spätabends gesessen und darüber gegrübelt, wie es weitergehen soll“, erinnert sich Wolff.

Lothar Wolff: „Wir haben versucht zu retten, was noch zu retten ist“

1.400 Beschäftigte waren es mal zu DDR-Zeiten. Als Wolff 2006 in den Ruhestand ging, waren es noch etwa 50. „Wir haben versucht zu retten, was noch zu retten ist“, blickt Wolff auf jene Zeit zurück. Mit der Produktion von Spezialnägeln, zum Beispiel für Schiffskettenwerke, haben sie eine Nische gefunden. „Mein Mann musste so manchen Elektroniklehrgang besuchen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben“, erzählt Hannelore Wolff.

Wer gerne mitmischt, der kann auch im Ruhestand nicht wirklich seine Hände in den Schoß legen. „Nur im Garten sitzen und Bier trinken, das hat mir nicht gereicht“, sagt der Weißenfelser über seine Zeit, da er in Ruhestand ging. Und so gehört er zu den Gründungsmitgliedern des Seniorenbeirates der Stadt Weißenfels. Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr oder die ärztliche Versorgung für Senioren, das sind Themen, die Lothar Wolff umtreiben. Da geht er auch schon mal unkonventionelle Wege. Meldet sich etwa zum Vor-Ort-Termin im Krankenhaus an, spricht mit dem Geschäftsführer im Fleischwerk über Lärm- und Geruchsbelastung oder organisiert mit Unterstützung des Schlachthofes ein Kinderfest auf der Allwetterrodelbahn. „Große Reden schwingen ist nicht mein Ding. Ich geh’ lieber an die Basis“, sagt Wolff.

Weißenfelser will in Stadtteil mit hohem Ausländeranteil zum harmonischen Zusammenleben beitragen

In einem Stadtteil mit hohem Ausländeranteil will der Weißenfelser schließlich auch zum harmonischen Zusammenleben beitragen. Deshalb versucht der 76-Jährige in einer Arbeitsgruppe mit anderen Neustädter Bürgern, so manch kritische Situation zu entschärfen. Auf seine Anregung hin sind zum Beispiel für ausländische Mitbürger Hausordnungen in ihrer Heimatsprache entstanden.

Ein ganzer Ordner zeugt mittlerweile vom Engagement des Rastlosen. Und Lothar Wolff, der auch im Umweltausschuss des Stadtrates sitzt, will dranbleiben. Am besten im Stadtrat oder im Kreistag. Denn bei den Kommunalwahlen im Mai will auch der Unbequeme seinen Hut in den Ring werfen. (mz)