Dosenmarathon in Weißenfels

Dosenmarathon in Weißenfels: Geflüchtete Syrerin sammelt für die Tafel

Weißenfels - Als Lubna Hayatleh von Syrien nach Weißenfels kam, wurde sie herzlich aufgenommen. Mit dem Dosenmarathon möchte sie anderen helfen.

Von Tatina Trakis 10.01.2018, 13:31

Beim Dosenmarathon geht es nicht nur um die Dose. „Hauptsache haltbar sollten die Lebensmittel sein,“ erklärt Lubna Hayatleh, die hinter der derzeitig laufenden Spendenaktion steckt.

Die 32-jährige Weißenfelserin kam im September 2015 nach Deutschland. Zuvor flüchtete die Palästinenserin allein aus Syrien. Dort wurde sie geboren und hatte ihr bisheriges Leben verbracht. Ihr Anglistik-Studium in Damaskus konnte sie aufgrund des Krieges im Land nicht beenden.

Aus Syrien geflohen: Lubna Hayatleh kümmert sich um minderjährige Flüchtlinge

Nach ihrer Ankunft in der Saalestadt im Jahr 2015 lebte sie zuerst in einer Gemeinschaftsunterkunft am Südring. Im folgenden Jahr machte sie einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Weißenfels. Inzwischen hat die junge Frau eine eigene Wohnung und arbeitet als Erzieherin im Kinder- und Jugendhaus. Hier kümmert sie sich um minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung nach Deutschland gekommen sind.

Dosenmarathon in Weißenfels: Lubna Hayatleh will etwas zurückgeben

Ein Freund und Arbeitskollege habe sie auf die Idee für den Dosenmarathon gebracht, da er an einem ähnlichen Spendenprojekt in Leipzig beteiligt ist. Hayatlehs Motivation: „Etwas zurückzugeben,“ erklärt sie. An ihre Anfangszeit in der Saalestadt erinnere sie sich gerne. „Ich habe so viele neue Menschen kennengelernt. Und so viel Unterstützung erfahren dürfen,“ sagt sie.

Ihr sei es wichtig, allen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Deshalb habe sie sich mit ihrer Idee für die Sammelaktion an die Tafel in Weißenfels gewandt. „Dort sagten sie auch direkt, dass haltbare Lebensmittel immer gebraucht werden,“ so Hayatleh.

Dosenmarathon in Weißenfels: Bis wann und wo Spenden abgegeben werden können

Mit ins Boot holte sie die Initiative Engagiertes Weißenfels. In der Koordinierungsstelle in der Marienstraße können noch bis zum 15. Januar Konservendosen und andere unverderbliche Lebensmittel abgegeben werden. „Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Menschen Geld auf ein Spendenkonto überweisen,“ so Hayatleh. Vom Erlös werde sie dann einen Großeinkauf für die Aktion machen. Die Lebensmittel sollen dann am Ende gesammelt der Weißenfelser Tafel überreicht werden.

Sie denke zudem darüber nach, einen Verein zu gründen, um noch weitere Aktionen wie diese auf den Weg zu bringen. „Es gibt so viele Bereiche, wo geholfen werden kann,“ sagt die Weißenfelserin. Sie nennt als Beispiele die Arbeit mit Tieren oder Kindern.

Dosenmarathon in Weißenfels: Lubna Hayatleh packt Dinge an

Es wird deutlich: Lubna Hayatleh packt Dinge an. Der Dosenmarathon sei zwar ihre erste eigene Aktion, wie sie sagt. Allerdings engagiert sie sich seit ihrer Ankunft in Weißenfels ehrenamtlich. So hilft sie zum Beispiel auch anderen Geflüchteten bei Behördengängen oder Arztbesuchen, indem sie beispielsweise für sie übersetzt.

Direkt von Anfang an die deutsche Sprache zu lernen, sei für sie selbstverständlich gewesen. Einer ihrer vier älteren Brüder lebt inzwischen in den Niederlande. „Manche Sachen verstehe ich, wenn er etwas auf Niederländisch sagt. Die Sprachen ähneln sich,“ sagt Hayatleh und lacht.

Die Mutter sei in Syrien geblieben. Das bereite ihr Sorgen. „Meine Heimat ist dort, wo meine Mutter ist,“ sagt sie. Ihr Wunsch: „Dass sie ebenfalls hierher kommen könnte.“ In Weißenfels hat Hayatleh einen bunt gemischten Freundeskreis und sich ein soziales Netzwerk aufgebaut. Ob sie sich vorstellen könne, hier zu bleiben? „Ja“ sagt die junge Frau. Sie fühle sich hier wohl. (mz)

››Spenden können auch auf das „Spendenkonto Dosenmarathon“ bei der Sparkasse Burgenlandkreis überwiesen werden.

Unter der IBAN: DE72800530001141315870.