Dokumente des Wandels

Dokumente des Wandels: Neue Ausstellung zum Wende-Herbst vor 30 Jahren

Weißenfels - Eine kleine, aber feine Fotoschau erinnert im Weißenfelser Museum an den Wende-Herbst vor 30 Jahren. Was Besucher zur Eröffnung bewegt.

Von Andreas Richter 09.09.2019, 13:00

In einer großen Halle stapeln sich Kartons mit gerade produzierten Schuhen, die keiner mehr haben will. In der Friedrichsstraße wird ein Trabant am Kranhaken auf einen Lkw gehievt. Zwei Motive einer Fotoausstellung, die am Donnerstagabend im Weißenfelser Museum eröffnet wurde.

Es sind 30 Schwarz-Weiß-Motive des Weißenfelser Fotografen Peter Lisker, die an die Zeit des großen gesellschaftlichen Umbruchs erinnern, der vor drei Jahrzehnten auch die Saalestadt erfasst hat. Da ist der Untergang der Schuhindustrie, die bis zur Wende die Stadt geprägt hat. Da ist die Zeit, in der plötzlich Westprodukte den Markt überschwemmen und Waren aus dem Osten keinen Pfifferling mehr wert zu sein scheinen.

„Wir haben uns damals etwas getraut, waren irgendwo zwischen Legalität und Illegalität“

Da ist aber vor allem ein gewaltiger Aufbruch. So gehen in Weißenfels kurz vor Öffnung der innerdeutschen Grenze am 7. November 1989 mehr als 6.000 Menschen auf die Straße. Peter Lisker, der heute 54-jährige Fotograf der Mitteldeutschen Zeitung, ist Teil des Widerstands. „Wir haben uns damals etwas getraut, waren irgendwo zwischen Legalität und Illegalität“, erinnert sich Lisker.

Bis zur Wende ist der gebürtige Weißenfelser beim Schuhkombinat „Banner des Friedens“ angestellt, verliert dann wie so viele seinen Job und ist forthin als freier Fotograf tätig. Bei den Demonstrationen für die neue Freiheit ist er dabei. Ein Foto weckt besondere Erinnerungen: Da stellen Männer in der Dunkelheit Kerzen auf eine Mauer des damaligen Gebäudes der Staatssicherheit in der heutigen Beuditzstraße.

Wie aus dem Staatsbürgerkunde-Unterricht Gesellschaftskunde wurde

Auch beim heutigen Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen-Anhalt, Maik Reichel, ruft die Ausstellung Erinnerungen wach. Im Wende-Herbst war er Zwölftklässler an der Goethe-Oberschule, erlebte mit, wie aus dem Staatsbürgerkunde-Unterricht Gesellschaftskunde wurde und plötzlich viel freier diskutiert werden durfte.

Der heutige Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) lässt ebenso die alten Fotos auf sich wirken. Als die Nachricht vom Mauerfall kam, habe er gerade den Karneval in Borau mit vorbereitet, erinnert er sich. „Das größte Glück ist, dass damals alles friedlich verlaufen ist“, sagt er zur Eröffnung der Ausstellung vor zahlreichen Gästen im Museum.

Ergänzt wird die Fotoschau mit Videosequenzen

Ergänzt wird die Fotoschau mit Videosequenzen des heutigen Kulturmanagers des Landkreises, Johannes Kunze. Dort zu sehen vor allem Aufnahmen aus der Innenstadt, die auf spezielle Weise veranschaulichen, wie sich Weißenfels in den vergangenen 30 Jahren verändert hat.

Die Fotoausstellung ist bis zum 10. November im städtischen Museum in der Zeitzer Straße zu sehen.

››Öffnungszeit des Museums im Schloss: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr; ab Oktober 10 bis 16 Uhr (mz)