Diorama Weißenfels

Diorama Weißenfels: Reiter wieder fest im Sattel

Weißenfels - Dieter Johansson hat Reparatur an seinem Diorama im Weißenfelser Geleitshaus durchgeführt. Extra angefertigte Ersatzfiguren werden nicht gebraucht.

Von Holger Zimmer 07.12.2016, 12:45

Das Diorama im Weißenfelser Geleitshaus ist repariert. Nicht das große von der Lützener Schlacht, in der am 6. November 1632 Schwedenkönig Gustav II. Adolf fiel, sondern ein kleineres. Es ist anderthalb Meter lang sowie rund 60 Zentimeter breit und hoch. 40 Figuren bilden die Kulisse des Leichenzuges, der den Toten in die Heimat bringen sollte.

Seit Jahren schon waren Dieter Johansson die beiden Pferde, die in die Knie gegangen waren, ein Dorn im Auge. Nun hat der 81-Jährige die Initiative ergriffen, um den Schaden zu beheben. Der Weißenfelser gab zwei Ersatzreiter bei Helmut Peipp in Dresden in Auftrag. Obwohl sich der Zinnfigurenhersteller zur Ruhe gesetzt hat, tat er dem Weißenfelser den Gefallen und stellte zwei schwedische Reiter samt Pferd her. Die hat Johansson dann selbst bemalt. Nach einer Woche war alles fertig, was der Modellbauer mit dem technologisch bedingten Trocknungsprozess der Farbschichten begründet.

Alles ging unproblematischer als gedacht

Doch letztlich ging alles unproblematischer als gedacht. Nachdem sich die Glasscheibe der Vorderseite nicht anheben ließ, konnten alternativ die Schrauben der Rückfront gelöst werden. Und dann stellte sich heraus, dass die Ersatzfiguren gar nicht gebraucht wurden. Denn der Schaden ließ sich ganz unproblematisch beheben und die Vorderbeine der Pferde geradebiegen.

Geboren worden war der Gedanke zum Bau des Dioramas, als das 375. Jubiläum der Lützener Schlacht 2007 bevorstand. 2.000 Arbeitsstunden hat Johansson in mehreren Jahren investiert, bevor das Kleinod seinen Standort fand. Es ist ein guter Platz, wie er findet. Nicht weit entfernt von jenem großen Diorama mit rund 10.000 Zinnfiguren, das sein Lehrer Max Brauer 1931 angefertigt hat, der vier Jahre später auch das in Reichardtswerben zur Schlacht bei Roßbach übergeben konnte.

Brauer war der Zeichen- und Geschichtslehrer von Johansson

Brauer war der Zeichen- und Geschichtslehrer von Johansson. „Er hat mir den Floh ins Ohr gesetzt“, also wesentlichen Anteil an dem Hobby des Weißenfelsers. Dabei ist der Zug mit dem königlichen Leichnam so etwas wie das Gegenstück zu Brauers eher heroischen Kriegsdarstellungen. Von Hause aus ist Dieter Johansson freilich Modellbauer, wie er betont und hat einst unter Anleitung von Max Brauer mit einer kleinen germanischen Wallanlage angefangen.

Der Lehrer sei froh gewesen, dass unter den Rüpeln in der Schule einer war, der sich - wie er - handwerklich engagierte. Später hat Johansson vor allem Schiffsmodelle gebaut. Hunderte seien da zusammengekommen. Heute stehen sie in Flensburg und Hamburg, aber auch in Dresden waren sie in DDR-Zeiten zu sehen, baute er doch viel fürs damalige Armeemuseum.

Küstenpanzerschiff Wespe der kaiserlichen Marine

Panzer, Flugzeuge und Artillerie waren ebenfalls darunter. Und er verweist auf das Küstenpanzerschiff Wespe der kaiserlichen Marine, das ihm bei einem internationalen Wettbewerb eine Goldmedaille eingebracht hat. „Dafür hat mir mal ein General viel Geld geboten.“ Und Johansson erzählt von einem sogenannten Donaumonitor, einem Schiff, das heute in Budapest liegt. Das hat er von allen Seiten fotografiert und detailgetreu nachgebaut.

Nicht überall habe er in DDR-Zeiten bei internationalen Ausstellungen dabei sein können, aber 1970 durfte er dann doch mal zu einem Europawettbewerb nach Mailand reisen. Als gelernter Werkzeugmacher hatte er übrigens mal Technologie studiert. Sein von Lehrer Max Brauer gewecktes Interesse für Geschichte hat ihn aber nie losgelassen. (mz)