Die Wut der Retter

Die Wut der Retter

Weißenfels - Egal ob Polizisten, Jäger, Mitarbeiter vom Ordnungsamt, Feuerwehrleute und Rettungskräfte: Sie alle klagen über den zunehmend rauen und aggressiven Ton ihnen gegenüber.

Von Klaus-Dieter Kunick 20.05.2017, 06:00

Egal ob Polizisten, Jäger, Mitarbeiter vom Ordnungsamt, Feuerwehrleute und Rettungskräfte: Sie alle klagen über den zunehmend rauen und aggressiven Ton ihnen gegenüber. Nach Angaben von Katharina Vokoun, Pressesprecherin der Stadt Weißenfels, müssen sich Rathausmitarbeiter regelmäßig Sprüche oder Beschimpfungen wie „Warum kontrollieren Sie hier?“, „Abzocker!“, „Habt ihr nichts Besseres zu tun?“ oder „Ich würde es mal mit Arbeiten versuchen“ an hören.

Auch die Mitarbeiter im Innendienst seien am Telefon beleidigendes Worten ausgesetzt. „Bei besonders gravierenden Beleidigungen wird Strafanzeige bei der Polizei erstattet“, so Vokoun. 2016 waren es zwei Anzeigen. Hintergrund seien meistens Verwarnungen im ruhenden Verkehr, also beispielsweise Falschparken. „Hier fehlt bei manch einem die Einsicht für das Fehlverhalten.“ Generell sind Außendienst- und Innendienstmitarbeiter der Stadtverwaltung in Deeskalation geübt und routiniert. „Unser Ziel ist, das Ganze in einem sachlichen Gespräch zu klären“, fügt sie hinzu.

Stadtjäger Deubel: „Es ist eine Verrohung der Gesellschaft festzustellen“

Doch oftmals bleibt es nicht nur bei Worten - es folgen Taten: Widerstand gegen Polizeibeamte. Im Revierbereich Burgenlandkreis haben sich die Fälle zwar leicht verringert, aber dennoch liegen die immer noch auf einem hohen Niveau. So gab es im Jahre 2014 insgesamt 44 erfasste Fälle von Widerstand, im Vorjahr stehen 39 zu Buche.

„Es ist eine Verrohung der Gesellschaft festzustellen“, weiß auch der Weißenfelser Stadtjäger Armin Deubel zu berichten. „Bedrohungen, grobe Beleidigungen und selbst Gewalt wird mir angedroht, das gehört mittlerweile zur Tagesordnung. Auch andere Waidmänner können das bestätigen“, ergänzt er. „Ich versuche, immer ruhig zu bleiben, setze auf Verständnis und versuche freundlich rüberzukommen“, berichtet der Stadtjäger.

Und auch Jürgen Koschel von der Unteren Jagdbehörde, der seit 30 Jahren als Jäger unterwegs ist, stellt einen zunehmend aggressiven Ton fest. Aber längst nicht alle Bürger würden pöbelhaft reagieren, ergänzt er. Mit vielen könne man durchaus ordentlich reden. „Alle sind doch unterwegs, um zu helfen und zu retten. Da sollte man ihnen mit mehr Achtung und Respekt begegnen“, fordert der Weißenfelser Stadtjäger.

Fehlende Rettungsgasse: „Warum nimmt man nicht 2.000 Euro wie in Österreich“

Ähnlich schlimme Worte müssen auch die Kameraden der Feuerwehr hinnehmen. „Was uns da mitunter erwidert wird, ist nicht mehr feierlich“, berichtet der Teucherner Stadtwehrleiter Kai Virchow. „Sätze wie ,Ihr habt doch einen am Schwimmer!’ müssen wir aushalten oder man zeigt uns gar den Vogel“, sagt er. „Wir machen das doch nicht aus Langeweile, wir sind alle ehrenamtlich im Einsatz“, so der Wehrleiter. Er habe in seinen 24 Jahren Dienst bei der Feuerwehr festgestellt, dass der aggressive Ton gegenüber den Wehrleuten von Jahr zu Jahr steigt.

„Die Kameraden ärgern sich darüber, aber sie lassen sich dennoch nicht entmutigen“, so Virchow. Krasse Töne müssen die Wehrleute unter anderem hinnehmen, wenn sie auf Autobahnen unterwegs sind. Dann hindert sie am schnellen Vorankommen zumeist die fehlende Rettungsgasse. Sich den Verursacher zu notieren, bringe nichts, solange nur 20 Euro Strafe fällig werden. „Warum nimmt man nicht 2.000 Euro wie in Österreich“, fragt Virchow.

Und genau das bleibt in Sachsen-Anhalt nicht ungehört: „Noch vor dem Sommer wird ein neuer Bußgeldtatbestand in das Brandschutzgesetz eingefügt“, erklärt Rüdiger Erben. „Solche Verstöße können dann mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro geahndet werden“, ergänzt der SPD-Landtagsabgeordnete und Innenexperte. (mz)