Graffitiprojekt

Die bunte Welt der Neustadt

Weißenfels - Schule im Stadtteil besuchen Kinder aus 18 Nationen. Jetzt sprühten sie gemeinsam Graffiti.

Von Klaus-Dieter Kunick 27.05.2017, 10:00

Bildlich gesprochen ging es in den vergangenen Tagen an der Neustadtschule in Weißenfels kunterbunt zu. Dahinter verbirgt sich ein dreitägigen Graffitiprojekt unter dem Namen „Toleranz zeigt Farbe“, an dem sich rund 50 Schüler der 9. und 10. Klasse beteiligten. Und so „bewaffneten“ sich die Schüler unter anderem mit verschiedenen Farbspraydosen und legten los. Um das richtige Gefühl zu bekommen, durften sie zunächst ihren Vornamen an die Turnhallenwand von außen besprühen.

Finanziell unterstützt wurde das Projekt mit 3.500 Euro vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“, bestätigte Jörg Pribil von der Koordinierungs- und Fachstelle, dessen Träger der Internationale Bund ist.

Tatkräftig zur Seite stand den Schülern zudem Hausmeister Christian Ehrentraut. „Dass die Tafeln am Schulzaun weiterhin hängen bleiben dürfen, ist der Wohnungsgesellschaft WVW in Weißenfels zu verdanken“, erklärte Schulsozialarbeiterin Kristin Scharf.

Ist das schwierig? „Nicht unbedingt“, sagt Niklas Fehler. Der 17-Jährige aus Lützen räumt ein, dass man zunächst probieren muss, bevor es ernst wird. „Man sollte schon ein Händchen dafür haben“, ergänzt er und fügt lässig hinzu: „Alles Übungssache.“ Auf alle Fälle mache es Spaß. Sich auszuprobieren, sei eine wertvolle Erfahrung. Den jungen Leuten steht Graffitikünstler Marko Engelmann aus Leipzig zur Seite. Was genau wird hier gefördert? „Die Gemeinschaft“, bringt er es auf den Punkt. „Es geht um Respekt und Toleranz, die wir stärken wollen“, erklärt er.

Dass das Projekt genau an dieser Bildungseinrichtung richtig angesiedelt ist, kann Kristin Scharf untersetzen: „25 Schüler aus 17 fremden Nationen, verteilt auf mehrere Klassen, lernen an der Neustadtschule“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Inklusive der einheimischen deutschen Kinder sind es 18 Nationen - und damit die „halbe“ Welt - an der Neustadtschule vertreten.

Zum Weißenfelser Graffitiprojekt gibt es von Schülern nur positive Rückmeldungen

Doch wer nun glaubt, dass diese Konstellation zu größeren Konflikten führt, der irrt. „Wir verstehen uns“, ist beispielsweise von Pierre Werner (15) aus Tagewerben zu erfahren. Er und weitere Schüler gestalten gerade eine der sechs Tafeln - sie sprühen die Flaggen von mehreren Ländern auf, aus denen deren Schüler kommen, so unter anderem aus Indien, Polen, Kasachstan, Nigeria oder aus Afghanistan sowie aus Ungarn und Vietnam.

„Von allen Schülern, die sich am Projekt beteiligten, gibt es bis jetzt nur positive Rückmeldungen“, erklärt Kristin Scharf. Schülerin Yasmin Winke aus Reichardtswerben macht ebenfalls begeistert mit: Das Herz, das sie auf der Tafel sprühte, soll alle 17 Nationen umfassen. „Das Projekt ist uns wichtig, es zeigt, dass wir alle friedlich zusammenleben können“, erzählt die 17-Jährige. Kunstlehrerin Silke Tepper sieht das Ganze ebenfalls positiv. Lehrer wie Schüler hätten das Projekt gut aufgenommen.

Doch es wurde an den drei Tagen nicht nur gesprüht, sondern auch fotografiert. Wie man das gut anstellt, das vermittelte den Schülern der Fotodesigner Knut Müller aus Halle. „Wir lernen Wissenswertes über das Fotografieren“, berichtet Jasmin Vu (16) aus Hohenmölsen. Ihr mache das ausgesprochen viel Spaß. Denn bisher habe sie bei Fotos mit ihrem Handy lediglich „draufgedrückt.“ Jetzt sei ihr Blick für ein gutes Fotomotiv geschult worden. Die Graffiti-Tafeln, die im Außengelände zu sehen sind, werden zum Schluss per Foto dokumentiert. Die besten 50 Fotoaufnahmen sollen später im Kunst- und Kulturtreff „Brandsanierung“ in Weißenfels gezeigt werden, berichtet Silke Tepper. (mz)