Das Mekka der Schütz-Fans

Das Mekka der Schütz-Fans: So begeisterte das Heinrich-Schütz-Musikfest die Besucher

Weissenfels - Für Ilse und Werner Göltzner aus Weimar gibt es am vergangenen Samstag nur ein Ziel: Beide sind glühende Verehrer des Komponisten Heinrich Schütz (1585-1672) und wollen den grauen Oktobertag unbedingt in Weißenfels erleben. „Wir sind zwei, drei Mal im Monat in der Stadt, dann hören wir Musik im Heinrich-Schütz-Haus“, erzählt Ilse ...

Von Andreas Richter 08.10.2019, 10:20

Für Ilse und Werner Göltzner aus Weimar gibt es am vergangenen Samstag nur ein Ziel: Beide sind glühende Verehrer des Komponisten Heinrich Schütz (1585-1672) und wollen den grauen Oktobertag unbedingt in Weißenfels erleben. „Wir sind zwei, drei Mal im Monat in der Stadt, dann hören wir Musik im Heinrich-Schütz-Haus“, erzählt Ilse Göltzner.

Langendorfer Volkschor sorgt für das erste große Hörerlebnis

Zum Auftakt des Heinrich-Schütz-Musikfestes wird die Saalestadt zur Pilgerstätte, zum Mekka für Fans des Barockkomponisten. Mit den Verehrern aus der Klassikerstadt in Thüringen sind am Vormittag trotz regnerischen Wetters gut 60 Leute zum traditionellen Wandelkonzert ins Weißenfelser Zentrum gekommen. Im zweiten Jahr in der Rolle des Schütz mit dem markanten Spitzbart: Veit Richter.

An seiner Seite begleiten die Gästeführer Ute Koch und Uwe Zeigermann die Besucher. Sie als Frau Güldenpenning, die Frau des früheren Inhabers der Hirschapotheke. Er als Weinhändler Otto Loricke, der 1907 eine Weinhandlung im heutigen Heinrich-Schütz-Haus in der Nikolaistraße eröffnet hat.

Gemeinsam führen sie durch die Stadt: Vom Rathaus zu den Kavaliershäusern und in die Marienkirche. Dort sorgt der Langendorfer Volkschor für das erste große Hörerlebnis. Im Kloster am Rosalskyweg vereinen sich die Langendorfer mit dem Teucherner Stadtchor. Eberhard Scheuer vom Bürgerverein Kloster St. Claren entführt kurz in die Gegenwart. Hofft, dass die Vision vom Bildungscampus Wirklichkeit wird und der historische Ort seine ursprüngliche Bedeutung als Bildungsstätte wieder erlangt.

Weißenfelser Posaunenchor sorgt am Schützhaus für Ohrenschmaus

Der Pavillon an der Novalis-Gedenkstätte in der Klosterstraße ist dann zu klein für alle Konzertwandler. Drinnen bringen Barbara Döring und Klaus-Dieter Kilian vom Verein music art Stücke aus dem Musical „Alban und die Königin“ zu Gehör. Hartmut Schmuck spielt auf der Gitarre. Draußen lauscht Reisebloggerin Marion Schäfer der Musik. Sie kommt aus der Nähe von Karlsruhe und besucht in diesen Tagen mehrere Städte der Saale-Unstrut-Region. „Eine wirklich gute Idee, ein solches Wandelkonzert“, findet sie.

Nach einem Halt am Heinrich-Schütz-Haus, dem Alterssitz des Komponisten, endet die rund zweistündige Tour im Geleits-haus in der Großen Burgstraße. Dort sorgt der Weißenfelser Posaunenchor, der den Rundgang am Rathaus eröffnet hat, noch einmal für einen kleinen Ohrenschmaus.

„Wunderbar, ich freue mich das ganze Jahr über auf das Wandelkonzert“, meint Karin Oberreich.

Die 82-Jährige ist aus Apolda nach Weißenfels gekommen. Hier trifft sie auch Ilse und Werner Göltzner wieder. „Wir haben uns beim Schütz-Fest kennengelernt. Jetzt treffen wir uns immer mal wieder“, erzählt die Seniorin, die viele Jahre lang Gäste durch Weimar geführt hat.

Auftritt des weltberühmten Chors im Radio mit gehört

Am Abend des selben Tages sind die Fans barocker Musik wieder da. Beim Konzert des Rias Kammerchors Berlin, der Stargäste der diesjährigen Auflage des Musikfestes, in der Weißenfelser Marienkirche. „Es ist die Gottverbundenheit und Zuversicht der Musik, die mich immer wieder faszinieren“, sagt Werner Göltzner, den die Klänge von Schütz auch durch schwere Momente des Lebens begleitet haben.

Am Abend zuvor haben sie den ersten Auftritt des weltberühmten Chors während der Musiktage in Gera noch im Radio verfolgt. Jetzt sind sie live dabei und erleben vor der Kulisse des gut gefüllten Gotteshauses ihre ganz persönlichen Gänsehaut-Momente. (mz)