Burgenlandkreis

Burgenlandkreis: Mit Benny auf Streifzug

LANGENDORF/MZ. - Benny ist der Star des Vormittags. Benny heißt genau Ben vom Lauschenberg und ist ein Rauhaarteckel. In froher Erwartung läuft das Hündchen einer Kindergruppe entgegen, die an diesem Herbsttag wie aus dem Bilderbuch im Weißenfelser Ortsteil Langendorf in Richtung Muttlauer Schweiz ...

Von ANDREAS RICHTER 17.10.2011, 18:33

Benny ist der Star des Vormittags. Benny heißt genau Ben vom Lauschenberg und ist ein Rauhaarteckel. In froher Erwartung läuft das Hündchen einer Kindergruppe entgegen, die an diesem Herbsttag wie aus dem Bilderbuch im Weißenfelser Ortsteil Langendorf in Richtung Muttlauer Schweiz wandert.

An einem Tisch mit Baumscheiben, Blättern, Pflänzchen und allerlei anderen Dingen rund um den Wald wartet Armin Deubel. Der 53-Jährige lebt seit mehr als 50 Jahren am Rande des Wäldchens in der Christoph-Buchen-Straße. "Als ich so alt war wie ihr, habe ich die Bäume selbst mit gepflanzt", erzählt Deubel und zeigt auf den Hang unterhalb seines Grundstücks. Inzwischen haben sich Benny und die Schüler der Klasse 4 b der Freien Evangelischen Schule in Weißenfels rund um den Tisch versammelt. Armin Deubel, der seit vielen Jahren ehrenamtlich als Stadtjäger tätig ist, hat die Kinder eingeladen.

Anschaulich erklärt er den Wald, spricht von Herz- und Pfahlwurzlern und erzählt vom "billigsten Forstarbeiter" - dem Eichelhäher. Der nämlich sammelt überall Eicheln als Futtervorrat für den Winter, gräbt sie irgendwo ein, findet aber nicht alle wieder und sorgt so dafür, dass irgendwann neue Pflänzchen sprießen.

"Lernort Wald, das ist ein sehr gutes Angebot", meint Klassenlehrerin Kathrin Uhlig. Eine Kollegin habe es mit ihrer Klasse im letzten Jahr genutzt und weiterempfohlen. Den Unterricht in der Natur findet auch Lea Krüger gut. "Das ist besser als den ganzen Tag im Zimmer zu sitzen", meint die Schülerin und lauscht weiter dem Stadtjäger, der gerade die Bedeutung von Schildern wie "Naturdenkmal" oder "Geschütztes Biotop" erklärt. "Der Wald ist immer was Tolles", schwärmt Max Loose. Fast jedes Wochenende sei er mit seinen Eltern im Wald unterwegs, erzählt er. Und Luk Peisker, der gern in der Natur um Taucha herumstreift, beweist, dass er sich schon gut auskennt. Dass man zum Beispiel das Alter eines Baumes an seinen Jahresringen erkennen kann.

Irgendwann wird es Zeit für eine kurze Wanderung. Denn Jäger Armin Deubel hat im Wäldchen noch einen zweiten Stand aufgebaut. Auf dem Weg dorthin zeigt er den Kindern, welchen Schaden Müllablagerungen gedankenloser Zeitgenossen im Wald anrichten können. Es werde viele Jahre dauern, bis der Unrat dort verrottet, sagt er und appelliert: "Alles, was wir in den Wald mit hinein nehmen und dort nicht hingehört, müssen wir wieder mit hinaus nehmen."

Am zweiten Stand hat Deubel Jagdutensilien aufgebaut, erklärt verschiedene Geweihe und verteilt kleine Broschüren. Dann holt er sein Jagdhorn heraus und lässt hören, wie er ganz ohne Handy die Jäger zum Sammeln rufen kann. Zum Schluss müssen die Schüler und ihr ständiger Begleiter Benny noch einen Hang hinauf kraxeln. Dort steht eine Futterkrippe. Für kurze Aufregung sorgt ein Hase, der verängstigt durch den Wald huscht. "Wenn ihr leiser gewesen währt, hättet ihr den Hasen vielleicht beobachten können", mahnt der Jäger. Und an der Futterkrippe gibt er den Kindern noch mit auf den Weg, gerade im Winter von einer solchen Futterquelle fern zu bleiben, weil die Tiere nur dem vertrauten Geruch des Jägers folgen.

Viel zu schnell geht der Unterricht in der Natur zu Ende. Die Viertklässler machen sich auf den Rückweg. Natürlich nicht ohne Benny. Am Waldrand entdeckt der Hund eine neue Kindergruppe. Schwanz wedelnd läuft er der Klasse 4 a entgegen, die eine lehrreiche Stunde im Wald noch vor sich hat.