Buch über den Schlossgarten

Buch über den Schlossgarten : Der verblasste Glanz in Weißenfels

Weißenfels - Das Gelände des ehemaligen Schlossgartens verfällt immer mehr. Der Weißenfelser Otto Klein erinnert nun in einem Buch an einstige Pracht.

Von Andreas Richter 17.12.2017, 08:00

Dass mitten in der Stadt lautlos ein Stück Geschichte stirbt, schmerzt den Weißenfelser Otto Klein besonders. Wie kaum ein anderer beschäftigt sich der Autor und Kunsthistoriker mit der Vergangenheit seiner Heimatstadt. Sein neuestes Buch, das er am Sonnabend im Fürstenhaus vorstellt, erinnert an den einstigen Glanz des barocken Schlossgartens.

„Weißenfels hatte zu Zeiten der Herzöge einen der schönsten Schlossgärten weit und breit“, weiß Otto Klein. Nahezu unvorstellbar angesichts dessen, dass fast das gesamte Areal gegenüber dem Schloss an der Zeitzer Straße heute vor den Augen der Weißenfelser völlig verfällt. In seinem Buch „Der Schlossgarten zu Weißenfels und seine Gärtner“ lässt Klein den längst verblassten Glanz eines herzöglichen Flaniergartens wieder aufleben.

Autor: Ich habe einige wunderbare Entdeckungen gemacht

Dafür hat er akribisch in Archiven in Wernigerode und Dresden, in der preußischen Staatsbibliothek in Berlin und im Weißenfelser Stadtarchiv recherchiert. „Ich habe einige wunderbare Entdeckungen gemacht, die sich heute interpretieren lassen“, sagt Klein, der bereits mehrere Bücher zur Geschichte von Weißenfels veröffentlicht hat.

Klein zeigt eine Zeichnung aus den 60er/70er Jahren des 17. Jahrhunderts, auf der jene Felder und Gärten zu sehen sind, auf denen der herzogliche Schlossgarten entstanden ist. Akribisch hat Klein Vorgänge jener Zeit aufgearbeitet. Berichtet zum Beispiel über einen gewissen Stadtrat Dr. Elias Luja, einen Freund des Komponisten Heinrich Schütz, der seinen kleinen Weinberg als Teil des künftigen Schlossgartens für 170 Gulden verkaufte.

Wie der barocke Garten einst ausgesehen haben könnte? Es war vor allem diese Frage, die Otto Klein bei seinen Recherchen umtrieb. Der ehemalige Lehrer Rudolf Kayser hatte nach der Wende auf der Grundlage alter Pläne aus der Zeit um 1750 eine Rekonstruktion des Gartens angefertigt. „Die Zeichnung lässt die barocke Pracht ahnen, doch ich habe mich gefragt, ob Garten und Gartenhaus wirklich so aussahen“, erzählt Klein.

Fündig wurde er in Wernigerode. Anhand von Skizzen konnte er nachweisen, dass das damalige große Gartenhaus mit diversen Säulen und Figuren noch weit prunkvoller ausgestattet war als bisher angenommen. Der Weißenfelser Barockgarten mit seiner symmetrischen Anordnung, mit seinen Blumen, kostbaren Pflanzen und südländischen Gewächsen ein Klein-Versaille? Irgendwie schon, findet der Historiker, der während seiner Arbeit eine Vielzahl aufschlussreicher Entdeckungen gemacht hat. So etwa Mahnungen von Handwerkern, weil Rechnungen für Teile des Gartenhauses noch nicht bezahlt wurden.

Blick darauf, wie das Gelände gepflegt und genutzt wurde

Wie der Titel verrät, hat sich Klein nicht nur mit der Architektur des einstigen Schlossgartens befasst. Spannend ist ebenso ein Blick darauf, wie das Gelände gepflegt und genutzt wurde. Für die Herzöge war der Garten vor allem ein Ort des Flanierens, der Prozessionen und Maskeraden. Eine Abbildung im Buch zeigt zum Beispiel, wie Herzog Johann Georg im Garten seinen 32. Geburtstag gefeiert hat.

Im Laufe der Jahrzehnte arbeiteten insgesamt acht leitende Gärtner für die Herzöge im Weißenfelser Schlossgarten. Zu jedem einzelnen recherchierte Klein biografische Daten. Bauern und sogar Kinder und Frauen von umliegenden Dörfern seien zu Frondiensten unter Aufsicht der Gärtner verpflichtet worden, weiß Klein.

Mitte des 18. Jahrhunderts nahm auch die Bedeutung des Schlossgartens ab. „Um 1810 war es vorbei mit der barocken Pracht“, weiß Klein. Später wurde das Areal militärisch genutzt, in den vergangenen Jahrzehnten war es dem Verfall preisgegeben. Im Jahr 2000 war das historische Areal kurz wieder in den Fokus gerückt, als sich eine städtische Arbeitsgruppe, zu der auch Otto Klein gehörte, damit beschäftigte. Letztlich jedoch ohne ein greifbares Ergebnis.

››Vortrag zum Buch: 16. Dezember, 16 Uhr, Fürstenhaus (Leipziger Straße). (mz)