Brückenschlag

Brückenschlag: Stiftung mit Werken von Dieter M. Weidenbach auch in Weißenfels?

Weissenfels - Künstler hat 100 seiner Bilder in Russlands größter Privatgalerie gezeigt. Er könnte sich eine Stiftung mit seinen Werken in Weißenfels vorstellen.

Von Holger Zimmer 11.12.2018, 14:45

Eine rote stand inmitten von weißen Rosen vor dem Bild „Das Martyrium der Zarenfamilie“. Deren Tod im Zuge der Revolution jährte sich jetzt zum 100. Mal. Es wurde neben 100 anderen Werken von Dieter M. Weidenbach in der Erarta-Kunstgalerie, der größten Privatsammlung Russlands, bis Ende November gezeigt. Die Geste zur Eröffnung vor dem Zaren-Bild haben die St. Petersburger und ihre Gäste verstanden. Es war nicht das einzige Zeichen, das der 73-Jährige, der in Weimar wohnt, gesendet hat.

Auch sein 22 Meter langes Kolossalgemälde „Totentanz“ war zu sehen. Der Künstler, der 30 Jahre in Weißenfels gelebt hat und der Stadt immer noch verbunden ist, hatte es 1992/93 geschaffen und zum dritten Jahrestag der deutschen Einheit in Saarbrücken ausgestellt. CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl ließ beim Rundgang Bild und Maler links liegen. Im Theater der Stadt diente es dann als Bühnenbild, das bis auf Reste entsorgt wurde. Schadenersatz bekam Weidenbach übrigens nie.

Dieter M. Weidenbach: Der „Totentanz“ hat ihn nicht losgelassen

Der „Totentanz“ hat ihn aber nicht losgelassen. Als er ihn gemalt hat, war von den blühenden Landschaften, die mit der Wende versprochen worden waren, wenig zu sehen. Mit Kohls Ignoranz konnte er leben, doch erst jetzt, mit dem neuen Weimarer Bürgermeister Peter Kleine, wird Weidenbach in Thüringen wieder verstärkt wahrgenommen. Denn er hatte schon andere Zeiten erlebt. Zum Beispiel als er der Stadt 2003 Großherzog Carl Alexander zu Pferde für einen existierenden Sockel überließ. Keine Rekonstruktion zwar, aber immerhin eine nachempfundene Reiterstatue, die aber nach zwei Jahren wieder abgebaut wurde.

Der Künstler spricht von Bürgermeister Kleine als einer völlig neuen Politikergeneration. So verlas er bei der Ausstellungseröffnung in St. Petersburg dessen Grußwort und dieser bat ihn, zum Tag der deutschen Einheit eine Festrede in der Klassikerstadt zu halten. Da zeichnete Weidenbach die Realität der Wende nicht nur in Bildern, wie zuvor sehr oft, sondern auch mit Worten. Und er sagte zur sogenannten Abwicklung ganzer DDR-Industriezweige, dass der Kampf um das goldene Kalb mit dem Hammer- und Sichel-Brandzeichen sehr rasant vonstatten gegangen war.

Dieter M. Weidenbach: „Aufgrund meiner DDR-Herkunft habe ich meine Wurzeln in der russisch-sowjetischen Kunst.“

Vielleicht auch deshalb fühlten sich die Russen in St. Petersburg ganz besonders angesprochen. Und Weidenbach äußerte in einem Zeitungsinterview sogar, dass er doppelt so viel Fläche belegen könne, wie man sie Salvador Dalis Skulpturen zugestanden habe. Es war wie ein nachträglicher Ritterschlag für ihn, der seinen 70. Geburtstag 2015 feiern konnte. Zudem sagt er: „Aufgrund meiner DDR-Herkunft habe ich meine Wurzeln in der russisch-sowjetischen Kunst.“

Dieter M. Weidenbach wurde 1945 in Stendal geboren. Die Familie zog 1950 nach Weißenfels. 1964 machte er das Abitur, studierte in Leipzig und 1967/68 in Moskau. Zwischenzeitlich wechselte er vom Fach Grafik und Buchkunst zu Malerei und Grafik. Ab 1985 lebte er in West-Berlin.
In der Ausstellung „Dionysische Bilder für Alle und Keinen“ zum 175. Geburtstag von Friedrich Nietzsche sind ab 7. Juni 2019 in Schloss Ettersburg von Dieter M.  Weidenbach der Charakterkopf Nietzsches und Bilder zu sehen. Neben Weidenbach stellen 13 weitere Künstler aus. (hz)

Weidenbach schwärmt zudem von der Aufgeschlossenheit der Menschen in St. Petersburg. Vielleicht hat das auch etwas mit dem derzeitigen Embargo zu tun, das er angesichts vieler Gemeinsamkeiten beider Völker nicht gutheißen. Die Russen wollten sich auf keinen Fall abschotten und in Gesprächen wäre auch immer eine Aufbruchstimmung zu spüren gewesen, in der von einer Zeit nach Putin die Rede war. Und würden in Deutschland meist ältere Menschen die Museen besuchen, so treffe man dort vor allem Jugendliche an.

Weidenbachs Wunsch nach Folgeausstellungen

Sie würden die Kunst außerordentlich schätzen. Weidenbachs Wunsch nach Folgeausstellungen unter anderem in Jekaterinburg, wo in der Nähe die Zarenfamilie erschossen worden ist, war aus finanziellen Gründen nicht zu realisieren, was er bedauert. „Und das Interesse an meinen Werken ist zwar groß gewesen. Doch die Reichen haben kaum Interesse an Kunst und Interessenten kein Geld.“

Nach Weißenfels kommt Dieter M. Weidenbach gern. Zwar mischt er nicht mehr im Klosterverein mit, ist aber André von Grzymala verbunden, der auch in St. Petersburg bei der Eröffnung dabei war. Eine Schenkung ans Museum im Schloss sei zwar nicht mehr im Gespräch, schließlich sollten seine Werke nicht im Depot landen, wie er betont. Aber einer Stiftung wäre er nicht abgeneigt, so wie es sie von Neo Rauch in Aschersleben gibt. Außerdem sei er daran interessiert, das Wandbild, das von ihm mal im Zentrum von Lützen angebracht war, zu restaurieren. Das Haus, an dem es sich befand, gehört wieder einem Privatmann und das Werk ist eingelagert worden. (mz)