Bildung

Bildung: Workshop trainiert gegen Vorurteile

Weissenfels - In einem Seminar erhalten Frauen Tipps, wie sie sich gegen Rassismus wehren.

Von Tobias Schlegel 18.03.2019, 14:00

Dieses Thema beschäftigte vor einer Woche ganz Deutschland. Aus ethischen Gründen hatte eine Kita in Hamburg untersagt, dass Kinder in Indianerkostümen zu einer Faschingsfeier erscheinen. Ist es rassistisch, sich beim Karneval als Indianer zu verkleiden? „Wenn Kinder sich dabei glücklich fühlen, warum sollte man es ihnen dann verbieten?

Thema Rassismus sei einfach zu heikel

Schwierig wird es, wenn man sich mit der Kostümierung über eine bestimmte Gruppe lustig machen will, sagt eine Frau mittleren Alters und dunklen Haaren am Donnerstag in der Weißenfelser Koordinierungs- und Begegnungsstätte in der Marienstraße.

Die Einrichtung und die Migrantinnenorganisation DaMigra hatten zu einem Antirassismus-Workshop für Frauen eingeladen. Die Frau mit den dunklen Haaren ist die Seminarleiterin. Sie möchte unerkannt bleiben, ihren Namen nennt sie deshalb nicht. Das Thema Rassismus sei einfach zu heikel.

Drei Tipps gegen Vorurteile und Rassismus

In dem Workshop geht es darum, Frauen Mut zu machen, sich gegen Rassismus, Mobbing, Diskriminierung und Unterdrückung zu wehren - sei es wegen ihrer Hautfarbe oder Kleidungsstücken wie dem Kopftuch. „Es gibt drei Tipps, die ich Frauen geben kann: Höflich bleiben, um eine Eskalation zu vermeiden, Unterstützung und Hilfe suchen sowie Bildung einholen, um zu erfahren, was meine Rechte sind“, erklärt die Seminarleiterin.

Ein wichtiger Schritt sei es außerdem, Vorurteile in der Bevölkerung abzubauen. „Man sollte nicht alle in einen Sack stecken, sondern jeden Menschen als ein Individuum betrachten“, erklärt die Frau und nennt ein Beispiel, das sie selbst erlebt hat: Bei einem Bäcker wollte sie ein Schnitzelbrötchen kaufen. An der Theke erklärte ihr die Verkäuferin, dass das Schnitzel aus Schweinefleisch besteht. „Das hat mich sauer gemacht“, erzählt sie weiter.

„Ich habe zwar ein südländisches Aussehen. Das heißt aber nicht automatisch, dass ich aus einem muslimischen Land stamme und kein Schweinefleisch esse.“ Sie stamme in Wirklichkeit aus Südamerika und wohnt seit zwölf Jahren in Deutschland. „Und ich esse alles. Ich war wütend über die Äußerung der Verkäuferin, weil sie Vorurteile schürt“, sagt sie. (mz)