Bibliothek Weißenfels

Bibliothek Weißenfels: Zu wenig Platz für Bücher

Weißenfels - Die Weißenfelser Einrichtung in der Klosterstraße ist zu eng und nicht behindertengerecht.

Von Andreas Richter 10.05.2017, 05:00

Die Weißenfelser Stadtbibliothek hat an ihrem jetzigen Standort in der Klosterstraße keine Zukunft. Zu dieser Erkenntnis gelangt eine im Auftrag der Stadt erarbeitete Studie der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK), die jetzt erstmals öffentlich vorgestellt wurde.

Dass die städtische Einrichtung mittlerweile vor allem ein akutes Raumproblem hat, machte die jüngste Sitzung des Kulturausschusses mehr als deutlich. Gedrängt hockten die Mitglieder zwischen den Regalen der Bibliothek und lauschten den Erkenntnissen der beiden Vertreter der HTWK.

Bibliothek Weißenfels: Für die Präsentation der Medien knapp 250 Quadratmeter

„Hier kann man keine qualitativ anspruchsvolle Bibliotheksarbeit durchführen“, sagte Andrea Nikolaizig von der Fakultät Medien. Eine Aussage, die sie unter anderem an einer Zahl festmachte: Während in Weißenfels für die Präsentation der Medien knapp 250 Quadratmeter zur Verfügung stehen, sind es in einer vergleichbaren Stadt wie Halberstadt mehr als 1.700 Quadratmeter.

In letzterer Einrichtung ist damit reichlich Platz , um die Anforderungen an eine moderne Bibliothek von heute erfüllen zu können. „Die Bibliothek ist längst kein reiner Ausleihort mehr“, sagte Nikolaizig. Vielmehr sollte sie ein Zentrum der Kommune sein, ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs.

Bibliothek Weißenfels: Alles andere als behindertengerecht

Davon allerdings ist in Weißenfels - unabhängig vom Platz - eine ganze Bevölkerungsgruppe von vornherein ausgeschlossen. Denn die Einrichtung, die man erst über eine relativ steile Treppe erreicht, ist alles andere als behindertengerecht. Ein Dilemma, auf das eine 84-jährige Weißenfelserin erst jüngst in einem Brief an Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) aufmerksam gemacht hat.

Und auch Stefanie Maiwald, seit Februar 2016 Leiterin der Weißenfelser Bibliothek, lässt keine Gelegenheit aus, um auf die akuten Probleme der Einrichtung aufmerksam zu machen. Dabei hat sie im Rahmen der begrenzen Möglichkeiten seit Anfang 2016 durchaus bereite einiges in die Weg geleitet. So wurde der Medienbestand aufgefrischt, Bücher, die nicht mehr dem Zeitgeist entsprochen haben, aussortiert.

Bibliothek Weißenfels: Wo aber liegt die grundsätzliche Lösung?

Wo aber liegt die grundsätzliche Lösung? Unmissverständlich geht aus der Studie hervor, dass ein Umzug mittelfristig unausweichlich ist. Nur wohin? Einigkeit herrscht darin, dass eine Bibliothek als Treffpunkt der Bürger in das unmittelbare Zentrum des Ortes gehört. Einige theoretisch mögliche Varianten hat die HTWK untersucht.

Öffentlich nannte Ronald Scherzer-Heidenberger von der Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften der HTWK nun mehrere Standorte, die mittlerweile aussortiert wurden. Dazu gehören das ehemalige Kino „Gloria“ in der Merseburger Straße und das alte Kloster. In beiden Fällen müssten die vorhandenen riesigen Gebäude mit unvertretbar hohem Aufwand umgebaut werden.

Grundstücksfragen in Weißenfels - hinter verschlossenen Türen diskutiert

Während später über weitere Möglichkeiten - vor allem wegen ungeklärter Grundstücksfragen - hinter verschlossenen Türen diskutiert wurde, brachte der Mann von der Hochschule zuvor noch eine interessante Variante in die öffentliche Debatte ein: einen Neubau auf dem Areal der jetzigen Kaufhalle an der Promenade. Spätestens nach dem Abschluss der Sanierung des gesamten Straßenzuges ist der Einkaufsmarkt aus städtebaulicher Sicht ein Missstand ersten Grades. Seit Jahren wird nach einer Alternative für eine Verkaufseinrichtung im Zentrum gesucht.

„Das ist eine interessante Variante“, sagte der städtische Kulturamtsleiter Robert Brückner - nicht ohne zugleich auf die Bremse zu treten. „Wir sind am Anfang eines Weges“, sagte er zur Suche nach einem zukunftsfähigen Standort für die Weißenfelser Bibliothek. Neubau oder Nutzung eines vorhandenen Gebäudes - allein das sei noch nicht geklärt. Ebenso wenig wie die Finanzierung der Baumaßnahmen. „Es wäre mein Wunsch, dass wir in den nächsten fünf Jahren eine Lösung finden“, sagte Brückner vorsichtig. (mz)