Rundgang im Ex-Filmpalast

Besuch im Ex-Filmpalast Weißenfels: Erinnerungen und Zukunftspläne für „Gloria“

Weißenfels - Weißenfelser betreten nach vielen Jahren erstmals wieder den ehemaligen Filmpalast. Dort schwelgen sie in Erinnerungen und erfahren von Zukunftsplänen.

Von Andreas Richter 13.11.2018, 06:00

Manchmal kommt das Glück unverhofft. So wie für die Weißenfelserin Heide Weidig. Da ist sie an einem frühen Novemberabend in der Neustadt unterwegs - und sieht eine Menschentraube vor dem ehemaligen Filmpalast „Gloria“. Weil die 74-Jährige eine besondere Beziehung zu dem Bau unweit der Saalebrücke hat, schließt sie sich kurzerhand der Gruppe an.

Viele von ihnen gehören zur Arbeitsgruppe „Neustadt“, die sich um die nicht geringen Probleme im größten Weißenfelser Stadtteil kümmert. An diesem Abend öffnet Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) die Tür des seit rund 15 Jahren leerstehenden ehemaligen Kinos. Das kann er nun auch, denn die Stadt hat jetzt das zuletzt herrenlose Gebäude gekauft und will es in den nächsten Jahren zu neuem Leben erwecken.

Seniorin: „Ich freu’ mich so. Zum ersten Mal seit der Wende bin ich wieder hier drin“

Doch bevor neuer Glanz ins „Gloria“ einzieht, tauchen Heide Weidig und die anderen erst mal in die eher triste Gegenwart ein. Die Seniorin ist aufgeregt. „Ich freu’ mich so. Zum ersten Mal seit der Wende bin ich wieder hier drin“, erzählt sie, während die Gruppe an der vergitterten Luke vorbeigeht, an der früher die Kinokarten gekauft wurden.

Wenig später stehen sie im großen Kinosaal: Bretter liegen kreuz und quer, Kabelreste und Putzwolle, alte Tapeten hängen von den Wänden, Unrat allerorten. Weiter unten, wo einst Umkleideräume und Werkstätten waren, hängt versteckt gleichsam als Sinnbild glanzvollerer Zeiten noch eine alte Krawatte am Nagel. Wenige Meter weiter stapeln sich ausgediente Toilettenbecken.

Gloria in Weißenfels: Zunächst soll das Dach für rund 150.000 Euro komplett instand gesetzt werden

Im Lichtkegel der Taschenlampen wird augenscheinlich, dass die Wiederbelebung des „Gloria“ ein hartes Stück Arbeit wird. Doch der OB ist zuversichtlich. Zunächst soll das Dach für rund 150.000 Euro komplett instand gesetzt werden. Parallel dazu soll Ende des Jahres ein Ideenwettbewerb ins Leben gerufen werden, bei dem die Bürger ihre Vorstellungen einbringen können, was aus dem bekannten Gebäude künftig werden soll. „Wir wollen nichts vorgeben. Wichtig ist, dass Weißenfelser etwas für Weißenfelser machen“, sagt Risch. Und er fügt hinzu: „Ein Kino mit 1.000 Plätzen wird es jedenfalls nicht mehr geben.“

Das weiß auch Heide Weidig. Dabei hat sie so schöne Erinnerungen an diesen Ort. „In den weinroten Plüschsesseln in der Loge habe ich zum ersten Mal geküsst“, schwärmt sie und lässt ihrer Freude über die unverhoffte Reise in ihre Jugend freien Lauf. Und Ideen für eine Zukunft des „Gloria“ hat die gebürtige Weißenfelserin gleich mitgebracht: eine Begegnungsstätte für Vereine, vielleicht ein Lesecafé, aber auf jeden Fall eine Kinobar.

Gloria in Weißenfels: „Es wäre schade, wenn dieses Haus weiter verkommen würde.“

Ehe solche kühnen Visionen wahr werden, dürften allerdings mindestens noch drei bis vier Jahre ins Land gehen, bremst der OB die Euphorie. Die wichtigste Botschaft des Abends allerdings: Mit der Übernahme des Hauses geht die Kommune zugleich die Verpflichtung ein, es vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Auf mindestens vier Millionen Euro schätzt Risch die Kosten für die Ertüchtigung des früheren Kinos, das 2003 nur für kurze Zeit als „Gloria Backside Club“ wieder aufleben sollte. Neben der Dachreparatur soll nun ein Statiker zunächst das Gebäude unter die Lupe nehmen, dessen Innenarchitektur im Wesentlichen erhalten bleiben soll. Die Stadt will sich für die Sanierung des Hauses um Fördermittel bemühen.

Heide Weidig hört’s gern. Nach dem Rundgang ist sie einfach nur glücklich und spricht wohl für alle, wenn sie sagt: „Es wäre schade, wenn dieses Haus weiter verkommen würde.“ (mz)