Ausgrabung in Weißenfels

Bei Bauarbeiten am Weißenfelser Klingenplatz wird alte Stadtmauer entdeckt

Weißenfels - Ab und zu bleiben Passanten am Klingenplatz in Weißenfels stehen und schauen den Bauarbeiten zu - dort wird der Abwasserkanal verlegt. Es geht tief in die Erde: Bis zu vier Metern tief hinab muss sich die Baggerschaufel in die Erde wühlen, weiß die Archäologin Katharina Heilmann aus Halle. Klar, das erregt Neugier. Zumal kurz nach Beginn der Arbeiten plötzlich ein Hohlraum entdeckt wurde. Das scheint das Interesse noch mehr zu steigern. Was könnte sich dahinter verbergen? Wer hat den Keller gebaut? Wer nutzte ihn? Fragen über Fragen tauchen in dem Moment auf, die auf die Schnelle nicht exakt zu beantworten ...

Von Klaus-Dieter Kunick 11.04.2016, 10:42

Ab und zu bleiben Passanten am Klingenplatz in Weißenfels stehen und schauen den Bauarbeiten zu - dort wird der Abwasserkanal verlegt. Es geht tief in die Erde: Bis zu vier Metern tief hinab muss sich die Baggerschaufel in die Erde wühlen, weiß die Archäologin Katharina Heilmann aus Halle. Klar, das erregt Neugier. Zumal kurz nach Beginn der Arbeiten plötzlich ein Hohlraum entdeckt wurde. Das scheint das Interesse noch mehr zu steigern. Was könnte sich dahinter verbergen? Wer hat den Keller gebaut? Wer nutzte ihn? Fragen über Fragen tauchen in dem Moment auf, die auf die Schnelle nicht exakt zu beantworten sind.

Dokumentation für Landesamt

Groß Zeit bleibt nicht, Katharina Heilmann dokumentiert alles - das war’s. Ihre Aufzeichnungen werden im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle aufbewahrt. Der Keller wird mit Erdreich wieder zugeschüttet. Weiter geht’s. Schritt für Schritt reißt der Bagger den Boden auf. Dann, wieder Stopp. Erneut hindern ihn große Quader am zügigen Fortkommen. Kann der Bagger die Steine nicht gleich greifen, sondern streift sie lediglich, qualmt es sogleich aus dem Erdloch heraus. Doch dann, endlich. Eine Mauer zeigt sich im Querschnitt.

Noch steht für die Archäologin nicht mit Sicherheit fest, ob es sich um das Klingentor oder Reste der Stadtmauer handelt. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann man das nicht wissen, da müsste wesentlich mehr freigelegt werden“, erklärt sie. Sie blickt zu den Resten der Stadtmauer, die in den nahe gelegenen Büschen, unterhalb des Schlosses sichtbar sind. „Wenn ich mir allerdings die Mauerstärke anschaue, würde ich fast sagen, dass es sich um das Klingentor handelt“, ergänzt sie. Die Mauerreste, die in der Erde liegen, sind breiter. Von der geografischen Lage her, könnte es also durchaus sein, dass es sich um das Stadttor handelt.

Keller ist jüngeren Datums

Was die Archäologin fast mit Sicherheit sagen könne, ist, dass der Keller jüngeren Datums sei. Denn es wurden Ziegel verwendet, die es im Mittelalter noch nicht gab. Ingo Bach fügt hinzu, dass da, wo Kelleranlagen sind, keine Stadtmauer sein könne, so der ehemalige Leiter des Museums. „In diesem Bereich am Klingenplatz ist es besonders wichtig, den genauen Standort und das Aussehen des Klingentores zu rekonstruieren und zu dokumentieren“, sagt Ingo Bach. Es war das östliche, Richtung Klingenvorstadt und Lützen/Leipzig führende Tor der Weißenfelser Stadtbefestigung.

Doch auch Mike Sachse ist sich zunächst nicht ganz sicher, ob es sich hier um das Stadttor oder die Stadtmauer handelt. Bis Anfang der 1980er Jahre stand noch ein etwa zehn Meter langes Stück Mauer an der Westseite des ehemaligen Standortes des Busbahnhofes in der Promenade (Höhe Verteilerstation der Stadtwerke). Nach reiflicher Überlegung kommt er deshalb zu der Auffassung, dass es sich bei jetzt gefundenen Mauerresten ebenfalls um die Stadtmauer handelt. Um das aber mit absoluter Sicherheit sagen zu können, müsste man die Mauer eingehend untersuchen. Doch die Zeit habe keiner. „Einen Baustopp gibt es nicht“, bestätigt auch Katharina Heilmann.

1546 bis 1553 nutzte Herzog August von Sachsen die Burg Weissenfels als Residenz. Die Burg war durch die häufig wechselnden Belagerungen in keinem guten Zustand. Der Kapitän der Schweden, Daniel Erdmann, gab im Januar 1644 den Befehl zur endgültigen Zerstörung. 1660 ließ Herzog August den Grundstein für ein neues Schloss legen: Das Barockschloss Neu-Augustusburg.

Der Mitarbeiter des Weißenfelser Museums weist jedoch darauf hin, dass es für die Stadt eine extrem wichtige Erkenntnis sei, zu wissen, was hier gefunden wurde. Es sei eine Bestätigung dessen, dass die Stadtmauer tatsächlich hier entlang führte. Was bis jetzt als Vermutung angesehen werden musste, sei damit quasi nun erwiesen. Den Rest der Mauer zu erhalten, sei aber bautechnisch betrachtet, nicht machbar. Über die bestehenden drei Stadttore, dazu gehören das Nikolai-, das Saal- sowie das Zeitzer Tor, sei recht viel bekannt, nicht jedoch über das Klingentor. Rechts davon habe sich noch ein Wassergraben befunden, der in Richtung Francois-Haus floss und als zusätzliche Sicherheit galt. Dass die Mauerreste an der Stelle so tief tief in die Erde ragen, sei darauf zurückzuführen, dass dieses Gebiet einst Überschwemmungsgebiet war. Im Laufe der Jahre sei dort immer wieder Erde aufgeschüttet worden, um bauen zu können. Der Keller, der zu einem Wohnhaus gehörte, sei schon auf den Erhöhungen errichtet worden. Die Suche nach dem Klingentor geht also weiter. (mz)