Bedarf an Familienhebammen

Bedarf an Familienhebammen: Burgenlandkreis als Vorreiter

Weissenfels - Der Bedarf an Familienhebammen in der Region ist unverändert hoch. In Sachsen-Anhalt nimmt das Burgenland dennoch einen vorderen Platz ein.

Von Klaus-Dieter Kunick

Wenn Jessica Henning aus Weißenfels nicht mehr weiter weiß, muss sie nicht verzweifeln - schließlich steht ihr Familienhebamme Petra Busch zur Seite. Gibt es beispielsweise Fragen zur Ernährung und Gesundheit ihrer beiden Kinder oder es bestehen familiäre Sorgen, genau dann braucht die 22-Jährige den Rat der erfahrenen Petra Busch, die einst Krankenschwester erlernte und nun ihren Ruhestand genießt. Aber was heißt schon Ruhestand, Unruhestand wäre wohl eher angebraucht, meint die 63-Jährige, die sich nicht nur um Jessica Henning kümmert, sondern um weitere Familien.

Vor nicht allzu langer Zeit seien das bis zu 16 Familien gewesen, jetzt habe sie das ein wenig reduziert. „Frau Busch hat mir schon beim ersten Kind geholfen, wenn ich Sorgen hatte“, erzählt Jessica Henning. So hätten ihre Kinder beispielsweise Blähungen gehabt, „ich wusste weder ein noch aus“, ergänzt die Mutter.

Es gibt viele Gründe, bei denen die Familienhebamme eingreifen muss

Einmal im Monat versucht Petra Busch bei den Betreffenden zu Hause vorbeizuschauen. „Viele von ihnen sind jung und unerfahren, es kommt oftmals zu Konflikten oder ich begleite sie mitunter zu Behördengängen oder zur Konfliktberatungsstelle“, berichtet sie. Viele Kinder hätten zudem Entwicklungsstörungen, die es gelte, nicht aus dem Blick zu verlieren. Gebe es Defizite, versuche sie, die Kinder in die Frühförderung zu bekommen. Und nicht selten komme es vor, dass Mütter ihre Lehre abbrechen, ein Kind erwarten und Streit mit dem Lebenspartner haben. Es gibt viele Gründe, bei denen die Familienhebamme eingreifen muss. „Auch um geistig Behinderte, die ein Kind bekommen, kümmere ich mich. Ich zeige ihnen unter anderem wie gekocht wird“, sagt die Weißenfelserin. In rund 130 Familien hat Petra Busch seit 2007 „reingeschaut“ und geholfen, in dem Jahr begann sie mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit.

Sieben Familienhebammen im Burgenlandkreis

Doch Petra Busch ist nicht allein. Waren es 2013 nur zwei Familienhebammen, sind es mittlerweile im Burgenlandkreis sieben Frauen, die helfen: Zwei in Zeitz und Umland, vier in Weißenfels, Hohenmölsen und Umland, eine in der Region Naumburg und Umland (siehe Grafik). In Kürze, teilt die Kreisverwaltung mit, ist der Einsatz einer weiteren Familienhebamme für den Naumburger Bereich vorgesehen. Das kostet selbstverständlich Geld. Viel Geld sogar. Für 2016 beträgt die Förderhöhe für das Netzwerk „Frühe Hilfen“ und das Projekt „Familienhebammen“ seitens des Bundes insgesamt 105.000 Euro. Mit den Familienhebammen wurde ein Stundensatz von 42 Euro vereinbart, die Personal- und Fahrtkosten beinhalten. Die Vergütung der Familienhebammen erfolgt auf Honorarbasis, die bisher aus den Fördermitteln vollständig gedeckt werden konnte.

Abschluss als Hebamme oder Kinderkrankenschwester notwendig

Grundsätzlich ist ein Abschluss als Hebamme oder Kinderkrankenschwester notwendig. Darauf aufbauend sind Zusatzqualifizierungen erforderlich. Bleibt die spannende Frage, wie viele Familienhebammen bräuchte der Landkreis eigentlich, um flächendeckend noch besser agieren zu können? „Aufgrund der hohen sozialen Belastungsfaktoren der Region ist der Bedarf an Familienhebammen unverändert hoch“, räumt Pressesprecherin Ursula Weise ein. Die Familienhebammen werden in stark belasteten Familien mit unterschiedlichen Problemlagen tätig. Dazu zählen beispielsweise eine gestörte Eltern-Kind-Beziehung, Suchtprobleme, Gewalterfahrungen, Verdacht auf Kindesmisshandlung und Vernachlässigung oder auch Überforderung und psychische Belastungen. Fest steht aber auch: Mit sieben oder acht Familienhebammen hat der Burgenlandkreis eine positive Entwicklung genommen. Im Vergleich zu anderen Kreisen Sachsen-Anhalts nimmt er einen vorderen Platz ein.

Für Landrat Götz Ulrich (CDU) steht fest: „Familienhebammen stehen am Anfang aller Bildungsbemühungen. Sie haben einen leichten Zugang zu jungen Eltern, die früh Unterstützung benötigen, weil die eigenen Familien dies nicht leisten können. Daher sind sie so wichtig.“ Sie helfen frühzeitig, die richtigen Weichen für die Neugeborenen zu stellen. Die Betreuung der Familienhebamme kann bereits in der 16. Schwangerschaftswoche beginnen und sich bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes fortsetzen.

(mz)