Bauarbeiten am Marktplatz

Bauarbeiten am Marktplatz: Diese Sorgen haben die Händler

Weißenfels - Die zweijährige Sanierung des Marktplatzes macht Händler unruhig. Die Sorge, dass Kunden wegbleiben, ist groß. Stadt will vermitteln und unterstützen.

Von Petra Wozny 14.01.2017, 07:00

Großes kündigt sich für Weißenfels an: Ab Februar beginnt die Sanierung des Marktplatzes. Einen Monat darauf wird mit dem Straßenbau in der benachbarten Saalstraße begonnen. In Angriff genommen werden auch die Zufahrten in die Stadt, nämlich die Zeitzer und Leipziger Straße. Alles in allem sollen die Bauarbeiten und die damit verbundenen Umleitungen als auch Sperrungen bis zu zwei Jahre andauern. Umliegende Händler als auch Kunden befürchten Schlimmes.

Wie werden die Geschäfte zu erreichen sein? Lohnt es sich noch, in die Stadt zu fahren? Werden die Geschäfte Umsatzeinbrüche zu verkraften haben? Saniert sich Weißenfels tot? Fragen, auf die die Mitteldeutsche Zeitung vor Ort in einigen Handelseinrichtungen am Marktplatz als auch bei der Stadtverwaltung eine Antwort suchte.

Bereits jetzt steht das Textilgeschäft neben der Sparkassenfiliale leer

Bereits jetzt steht das Textilgeschäft neben der Sparkassenfiliale, betrieben von einem Vietnamesen, leer. Die Umsätze seien in den vergangenen zwei Jahren drastisch zurückgegangen, ist zu hören. Der Inhaber hat Weißenfels den Rücken gekehrt. Stumpfe Fensterscheiben auch am L&T Hausgeräte. Deren Inhaber gab auf, da er kein passendes Personal, wie Elektroniker, um die Geräte aufzubauen, fand. Auch über das Jobcenter habe Mathias Göricke nichts gefunden.

Dicht ist auch der Laden der Lützener Fleisch- und Wurstwaren. „Die Gründe, warum sich die Händler für das Aus entschieden haben, sind also ganz unterschiedlich. Bislang haben sie nichts mit den Bauarbeiten zu tun“, resümiert Roland Kähler, BIWAQ-Projektleiter (Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier) und räumt ein:  „Die Händler werden es während der Marktsanierung in den Jahren 2017 und 2018 schwer haben. In der Innenstadt kaufen viele ältere Menschen ein, die kurze Wege bevorzugen.

Durch die Bauarbeiten wird sich der ein oder andere Umweg nicht verhindern lassen. Kunden müssen dann beispielsweise parallel zum Markt verlaufende Straßen wie die Fischgasse oder die Marienkirchgasse nutzen, was vielleicht nicht den Gewohnheiten entspricht aber auch keinen großen Umweg mit sich bringt. Der Wochenmarkt wird weiterhin stattfinden. Als Platz ist das Areal rund um die Marienkirche vorgesehen. “

In Goldschmiede Fischer gibt es Bedenken

„Ich bin seit 1990 am Markt. Da habe ich schon so einiges erlebt“, sagt Goldschmiedemeister Jens Fischer. „Ich bin nicht frei von Bedenken und hoffe, dass mir die Kunden auch während der Bauarbeiten die Treue halten und es zu keinem Umsatzrückgang kommt.“ Der Markt werde sicher schön und im neuen Outfit die Innenstadt aufwerten. „Sorgen macht mir, dass fast zeitgleich auch die Zufahrten ins Zentrum saniert werden sollen“, zeigt sich Fischer skeptisch.

Fleischerei Osterland bleibt vor Ort

„Der Bäcker ist schon weg, das verunsichert unsere Kunden. Viele fragen, ob auch wir gehen“, meint Angela Langguth, Mitarbeiterin der Osterland Fleischerei. „Wir gehen weder weg, noch raus“, betont die junge Frau. „Wir sind über die Maßnahme nicht erfreut, aber was sollen wir machen. Wir hoffen, dass alles seitens der Stadt und Baubetriebe getan wird, damit unsere Kunden uns auch erreichen“, ist vom Osterland-Geschäftsführer Arnd Helm zu hören.

Imbiss Liebe vermutet Gästerückgang

„Es werden mit Sicherheit weniger Gäste“, rechnet Imbissbetreiber Thomas Liebe. Die Parkplätze auf dem Markt fallen weg. Dies sei für seine Gäste - täglich etwa 150 - schon einmal entscheidend für die Anfahrt. Aufgeben will Liebe nicht, aber „es wird keinesfalls leicht“.

Hörgeräte Steinert hofft auf Hilfe für Behinderte

„Wir hoffen, dass wir nicht abgehängt werden und unser Geschäft während der Bauarbeiten auch von unseren Rollstuhlfahrern und älteren Menschen mit Rollatoren zu erreichen ist“, lenkt der Geschäftsführer des Unternehmens, Hartmut Stahr, den Blick auf den Zugang für ältere und behinderte Menschen.

Taschenmode fühlt sich wohl am Markt

Das Eckgeschäft am Markt gibt es seit fünf Jahren. Es wird betrieben vom Pakistani Shabaz Ahmad. „Klar ist die Angst da“, antwortet seine Frau Yvonne Wappler. „Aber wir werden es überleben. Wir haben für unser Geschäft einen guten Platz am Markt und wollen nicht weg.“

Mode Express Nr. 1 vertraut auf Stammkundschaft

„Ich finde es gut, dass der Markt endlich mal saniert wird“, meint Filialleiterin Heike Schröder. Die Stammkundschaft werde sicher weiter ins Geschäft kommen. Zugänge seien durch die Stadt jederzeit gewährleistet, sei durch die Stadtverwaltung zugesichert worden. „Es nützt doch wenig, wenn hier alle schließen“, resümiert die Händlerin.

Rathaus will Händlern zur Seite stehen

Die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Weißenfels und das BIWAQ-Team stehen im Austausch mit den Geschäftsleuten der Innenstadt. Regelmäßig findet ein Händlerstammtisch statt. Zudem hat sich eine Interessengemeinschaft Innenstadt gegründet. Dort werden mögliche Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadthändler während der Marktsanierung besprochen. Fest steht: Die Geschäftstreibenden müssen etwas unternehmen, sonst bleiben sie auf der Strecke. Das gilt eigentlich immer, aber während der Bauzeit wird es noch wichtiger. Beispiele wie diArt Foto, das Geleitshaus oder Intersport Tischer zeigen, dass sich mit neuen Ideen die Kundenzahlen steigern lassen. Zur Unterstützung der Innenstadthändler plant das BIWAQ-Team zudem, dass auf Antrag beim Ordnungsamt kostenfrei Genehmigungen für die Sondernutzung von Straßen und Plätzen erteilt werden. Die Geschäftstreibenden könnten dann kostenfrei Werbeschilder vor ihrem Laden aufstellen.