Barrierefreiheit in Weißenfels

Barrierefreiheit in Weißenfels: So kommt man hindernisfrei an die Wahlurne

Weißenfels - Zur Stimmabgabe und im Alltag lauern auf Menschen mit Einschränkungen einige Tücken. Welche Lösungen es gibt.

Von Andrea Hamann-Richter 27.03.2019, 09:58

Wie erleben eigentlich behinderte Menschen die anstehende Kommunalwahl im Mai? „Jeder über 60-Jährige hat eine Einschränkung und das ist jeder vierte Einwohner von Weißenfels“, sagt Sandy Scheunpflug. Hinzugerechnet seien dabei nicht die Mütter, die mit ihren Kinderwagen auf viele Barrieren stoßen.

Sandy Scheunpflug hat einen fachmännischen Blick darauf. Sie betreibt den Pflegedienst am Schloss und seit einigen Jahren ist die Frau auch die Vorsitzende des Behindertenbeirates in der Saalestadt. Sie weiß, dass es für Menschen mit Einschränkungen manchmal gar nicht so leicht ist, an die Wahlurne zu gelangen.

„In Weißenfels sind die meisten Wahllokale in öffentlichen Gebäuden und die sind meistens barrierefrei“

„In Weißenfels sind die meisten Wahllokale in öffentlichen Gebäuden und die sind meistens barrierefrei“, sagt sie. Aber gerade auf den Dörfern würden sie meistens in den Dorfgemeinschaftshäusern eingerichtet, und um dort hineinzugelangen, müssten meistens einige Stufen überwunden werden. Aber es gibt dafür Möglichkeiten. „Die Menschen können sich anmelden und dann stehen Mitarbeiter bereit, um ihnen zu helfen, oder es wird eine mobile Rampe aufgebaut“, erläutert Scheunpflug.

Insgesamt hat sich die Frau die Barrierefreiheit auf die Fahnen geschrieben. Ihr Blick ist nicht nur wegen ihres Berufes und ihres Ehrenamtes geschult. Als sie Mutter wurde, habe sie gemerkt, wie viele Hürden es gibt, als sie mit dem Kinderwagen unterwegs war. „In viele Geschäfte bin ich da gar nicht mehr hineingekommen“, erinnert sich Sandy Scheunpflug noch gut.

Barrierefreiheit: Mit dem Bus in Weißenfels unterwegs zu sein, ist kein Problem

Mit dem Bus in Weißenfels unterwegs zu sein, auch zur Wahl, sei aber kein Problem gewesen. Die Haltestellen seien fast alle mit hohen Borden versehen, so dass der Bus dort halten könnte und es keine hohen Stufen mehr gebe. Für Sehbehinderte gebe es Leitsysteme, die in die Böden eingebaut seien. Neue Busse würden zudem so ausgestattet, dass in ihnen Ansagen gemacht werden können, an welcher Stelle der Bus gerade hält, lobt sie.

Es geht freilich nicht nur um die Wahl. Sandy Scheunpflug und die anderen Mitglieder im Behindertenbeirat haben immer einen prüfenden Blick. Beim Markt empfahlen sie, Bänke mit Rückenlehnen aufzustellen und bei den Wasserspielen, die dort eingebaut wurden, dafür zu sorgen, dass keine Rutsch- und Stolperstellen entstehen.

„Ein Mensch im Rollstuhl hat andere Barrieren als ein tauber Mensch“

Doch wie verhält es sich mit dem Geleitshaus-, dem Schützhaus und dem Museum im Schloss? Da gibt es nicht nur eine oder zwei Stufen zu überwinden. Doch was kaum jemand weiß: Besuche können bei der Stadt angemeldet werden. „Dann kommt jemand und hilft“, sagt sie.

Barrierefreiheit hat viele Seiten. „Ein Mensch im Rollstuhl hat andere Barrieren als ein tauber Mensch“, vergleicht Sandy Scheunpflug. Ihr ist es wichtig, dass vor allem auch Beschriftungen sich verändern und den Menschen das Leben erleichtern.

Für sehbehinderte Menschen sind auch Glastüren eine Barriere

Elke Simon-Kuch von der Werbeagentur Simon-Werbung weiß, wovon Scheunpflug spricht. Als ihr Vater an den Augen erkrankte, merkte sie, wie sehr sich sein Sichtfeld verändert. Die Weißenfelserin kaufte Simulationsbrillen, die verschiedene Augenerkrankungen nachempfinden lassen. Diese setzte sie als erstes ihren Mitarbeitern auf, damit sie ein Gefühl dafür bekamen, wie Schrift barrierefrei gestaltet werden muss. Vieles sei leichter lesbar, wenn es nicht in weißer oder grauer, sondern in auffälliger Farbe geschrieben sei, sagt sie und sensibilisiert auch ihre Kunden dafür.

Sandy Scheunpflug kennt das Problem. Für sehbehinderte Menschen seien auch Glastüren eine Barriere - weil sie diese nicht sehen. Mit auffälligen Balken oder mit Folien markiert, würden sie keine Gefahr mehr darstellen. Das wäre wahrscheinlich auch eine passende Möglichkeit, um die Wahllokale noch barrierefreier zu gestalten. (mz)