Barockhaus Weißenfels

Barockhaus Weißenfels: Überraschende Funde beim Innenausbau

Weissenfels - Im Zentrum wird Kleinod durch Privatinitiative gerettet. Das Dach ist bereits eingedeckt. Beim Innenausbau werden überraschende Funde gemacht.

Von Holger Zimmer 05.08.2017, 14:00

Dass er noch Reichtümer in dem alten Barockhaus an der Ecke Klosterstraße/Marienkirchgasse findet, hatte André von Grzymala (52) nicht gedacht. Es waren dann auch keine Goldmünzen, aber vier alte gläserne Fotoplatten aus der Anfangszeit der Fotografie, die letztlich nur mit Gold aufzuwiegen sind. Sie zeigen Bilder vom Ersten Weltkrieg an der Westfront.

Mit seiner Frau Bernadette (47) kaufte er vor drei Jahren die Ruine mitten im Weißenfelser Stadtzentrum. Das Ehepaar hatte sich vor allem wegen der zwei Kinder vor Jahren am Ortsrand von Wengelsdorf niedergelassen. Sie stammt aus dem Harz, er aus dem Vogtland. Der Nachwuchs sollte in Ruhe aufwachsen können, doch der hat das elterliche Zuhause längst verlassen und Grzymalas wollen wieder näher ran ans städtische Leben mit seinen kulturellen Angeboten. Denn in Wengelsdorf selbst gibt es derzeit nur noch einen Zahnarzt.

Barockkomplex hinter dem Rathausin Weißenfels

Sie suchten an verschiedenen Ecken in Weißenfels und hatten auch die alte Pfeffermühle am Stadtpark ins Auge gefasst. „Doch die ist ja in noch schlimmerem Zustand“, sagte André von Grzymala. Da sieht der Barockkomplex hinter dem Rathaus doch etwas besser aus. Aber was will das bei einem Gebäude heißen, das seit 1984 leer gestanden hat? Es hatte reingeregnet, so dass erst mal eine Notsicherung stattfinden musste.

Mauerbalken und Dachsparren waren teilweise morsch und Grzymala berichtete von einer Begehung, als plötzlich ein Teil der Decke heruntergekommen war. Eins zu eins wurden die Balken ersetzt und dort angeschuht, wo das fast 300 Jahre alte Holz noch in Ordnung war. Inzwischen ist das Dach komplett mit Biberschwänzen gedeckt. Kleinteilige Fenster sind auf der Hofseite eingebaut worden.

Wände stehen in tristem Grau da

Die Form hatte das Ehepaare im Delitzscher Schloss bei seinen vielen Fahrten zur Ideensuche gesehen und nachbauen lassen. Draußen verbreiten die Mauern noch jenes trostlose Flair, das sie mit dem Verfall der Innenstadt gespeichert haben. Die Wände stehen in tristem Grau da, allein die barocke Gliederung und verschiedene Schmuckelemente sind vom einstigen Glanz übrig.

Auch drinnen muss noch viel getan werden. Der Sandstein bleibt sichtbar, ebenso die Lehmwände, die noch stehen. Sie Stufen der Treppe werden ebenso aufgearbeitet wie deren Brüstung. Oben entstehen drei mit Holz ausgekleidete Besucherzimmer auch für die Kinder. „Sind wir dort fertig, geht es in der ersten Etage und im Erdgeschoss weiter.“ Die Schaufenster werden verschwinden, aber jene barocke Verkaufslade aus Sandstein soll wieder eingebaut werden, durch die früher die Geschäfte abgewickelt wurden. Das Ehepaar hat keine Eile. Warum auch?

Fotoplatten aus dem Ersten Weltkrieg

André von Grzymala, der sich im Klosterverein engagiert hatte, mag Altes. „Einheimische wissen das oft nicht zu schätzen, aber Auswärtige haben dafür einen Blick.“ Dass in den letzten Jahrzehnten so viel aus der einstigen barocken Blütezeit geopfert worden ist, findet er schade. Aber das sei Vergangenheit. Nun gelte es, das für die Nachwelt zu erhalten, was übrig geblieben ist. Auch in diesem Sinne engagieren sich Grzymalas.

Ist einmal alles fertig, dann sollen die alten Fundstücke zu sehen sein: Die vier Fotoplatten aus dem Ersten Weltkrieg und ebenso ein Brieffragment in französischer Sprache. Sicher haben Grzymalas dann auch Gelegenheit, mit einem Rotwein anzustoßen, der sich noch im Keller angefunden hatte. Er hat in einer alten Flasche mit Glasverschluss die Jahrzehnte überdauert. (mz)