Ärger über Baustelle in der Großen Kalandstraße

Ärger über Baustelle in der Großen Kalandstraße: Hier kommen kaum noch Kunden

Weissenfels - Die Händler an der Weißenfelser Großen Kalandstraße sind sauer. Seitdem Anfang Mai die Straße zu einer Baustelle wurde, kommen kaum noch Kunden. Jeder Tag ist ein finanzieller Verlust. Die MZ hörte sich bei den Gewerbetreibenden um, wie es ihnen ...

Von Andrea Hamann-Richter 26.05.2016, 06:00

Die Händler an der Weißenfelser Großen Kalandstraße sind sauer. Seitdem Anfang Mai die Straße zu einer Baustelle wurde, kommen kaum noch Kunden. Jeder Tag ist ein finanzieller Verlust. Die MZ hörte sich bei den Gewerbetreibenden um, wie es ihnen geht.

„Ich habe 50 Prozent Einbußen und das mitten in der Saison“, sagt Uwe Pösniger. „Ich kann meine Kunden am Tag an einer Hand abzählen“, macht der Unternehmer für Fahrräder und Zubehör klar. Eigentlich müsse hier im Zwei-Schicht-System auf der Baustelle gearbeitet werden, fügt er hinzu. Das Gegenteil ist aber gerade der Fall. Uwe Pösniger erzählt, dass die Baustelle seit Freitag ruht. Angeblich werde auf Steine gewartet, bevor es weitergeht.

Nicht barrierefrei

Susanne Baldin hat dort ihr Kosmetikstudio. Zum Glück habe sie viele Stammkunden. Eine von ihnen hat sie aber verloren. Die Frau im Rollstuhl schafft es nicht mehr, durch die Baustelle in ihr Geschäft zu gelangen. „Aber die anderen Geschäfte haben mehr zu leiden“, weiß sie. „Wir versuchen, es positiv zu sehen und hoffen, dass dieser erste Bauabschnitt Ende Juli fertig wird und dass es schön wird“, so Susanne Baldin. Wenn nur die Steine endlich geliefert würden, sagt sie.

Einfach zu eng

Für Steffen Dettmar macht es keinen Unterschied mehr, welcher Bauabschnitt gerade dran ist. Er ist mit seinem Geschäft für Baumaschinenhandel und Baubedarf weggezogen. Ihm blieb keine andere Wahl. Voraussetzung für sein Unternehmen ist, dass er regelmäßig Lkw-Ladungen geliefert bekommt und Kunden mit Pkw und Anhänger problemlos parken können. Ihm war schon vorher klar, dass das mit Baubeginn so gut wie nicht mehr möglich sein wird. Es ist einfach zu eng. „Im Oktober hörte ich von den Straßenbauarbeiten als Gerücht“, blickt der Mann zurück. Die Bestätigung kam auf seine Nachfrage von der Stadt. Aber weitere Informationen vermisste er. Zum Beispiel, wie den Unternehmern geholfen wird, damit sie die Zeit überstehen. Also zog er erst einmal schnell mit seinem Unternehmen an die Markwerbener Straße um. Nun muss er vorerst mit den doppelten Kosten an Unterhaltung der beiden Gewerberäume leben.

Entschädigung von der Stadt gefordert

Nur ein Tisch ist im asiatischen Restaurant „Kim“ besetzt. „Seit der Bau Anfang Mai begann, ist das so“, sagt Inhaberin Claudia Stödter. Ihr graut davor, dass die Straßensanierung erst Mitte Dezember fertiggestellt sein soll. Fast das ganze Weihnachtsgeschäft würde den Bach runtergehen. Und das, wo schon jetzt kaum noch Kunden kämen. Woran das liegt, kann sich Claudia Stödter vorstellen. „Parkplätze sind weggefallen. Viele ältere Menschen wollen hier mittags essen. Sie schaffen es zu Fuß nicht. Also bleiben sie weg“, sagt sie. Wenn Kunden mit dem Pkw kommen, stellen sie sich manchmal dahin, wo sie es nicht dürfen. „Sofort bekommen sie Knöllchen“, schimpft die Inhaberin. „Wir sollten eine Entschädigung von der Stadt bekommen.“

Verzögerung der Lieferung der Pflastersteine

Uwe Arps ist mit seiner Seume-Buchhandlung vom zweiten Bauabschnitt betroffen. „Das ist ab dem 25. Juli. Das fällt völlig in den Schulmaterialverkauf hinein“, sagt er.

Die Buchhandlung wird dann tonnenweise mit Material beliefert - von der Großen Kalandstraße aus. „Ich habe mit der Stadt gesprochen. Theoretisch haben wir eine Lösung gefunden. Wie die Praxis aussieht, wird sich zeigen“, sagt er. Während im ersten Bauabschnitt derzeit zwischen Fischgasse und Kleiner Kalandstraße gearbeitet wird, wird im zweiten ab 25. Juli zwischen Kleiner Kalandstraße und Krummer Gasse gebaut und vom 4. Oktober bis 17. Dezember im dritten Abschnitt bis zur Saalstraße.

Es gab tatsächlich Verzögerungen bei der Lieferung der Pflastersteine, teilt die Stadtverwaltung auf MZ-Nachfrage mit. Sie kommen aus China und werden mit dem Schiff geliefert. „Wir haben durch die Verzögerung drei Tage verloren, was aber nicht weiter tragisch und bei Übersee-Lieferungen auch normal ist“, so Pressesprecherin Katharina Vokoun. Laut Informationen sollten die Steine am Mittwoch in Kriechau ankommen, so dass sie am Donnerstag in die Große Kalandstraße gebracht werden können. Dann geht es auf der Baustelle weiter. Natürlich sei die Park-Situation schwierig. Im Baustellenbereich gilt absolutes Parkverbot. Gegen ein Ein- und Aussteigen werde nicht vorgegangen, aber es dürfe nicht geparkt werden, so die Pressesprecherin weiter.

Es gibt noch einige verbliebene Parkplätze, informiert sie. Zum Beispiel vor dem Bestattungshaus. Diese dürfen genutzt werden. Den Kunden der Gewerbetreibenden – im Besonderen vom Restaurant Kim – empfiehlt die Stadt, die Parkplätze Promenade, Brauhausgasse, Baulücke Leipziger Straße und Markt zu nutzen. Am 1. Juni gibt es für die Gewerbetreibenden einen Händlerstammtisch , wo das Thema sicher noch mal besprochen werde, so Katharina Vokoun. (mz)