Alte Trommelfabrik

Alte Trommelfabrik: Warum herrscht Stillstand beim Projekt Freizeit- und Wellnessoase?

Weißenfels - Weshalb die Weißenfelser Stadtverwaltung der weiteren Modernisierung der geschichtsträchtigen Trommelfabrik einen Riegel vorgeschoben hat.

Von Andrea Hamann-Richter 11.06.2018, 08:08

Die großen Fenster der ehemaligen Trommelfabrik in Weißenfels sind mit Folie abgedeckt und an den Rändern mit Brettern befestigt. Nichts geht mehr auf dieser großen Baustelle. Es herrscht Stillstand beim ambitioniertesten privaten Investitionsprojekt der Stadt: Aus der Trommelfabrik soll eine Freizeit- und Wellnessoase werden.

Der Baustopp erfolgte unfreiwillig, wie die MZ auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung erfuhr. Durch eine Anzeige wurde die Kommune darauf aufmerksam gemacht, dass dort weitergebaut wurde, obwohl das gar nicht genehmigt war. Das war also ein „Schwarzbau“. Dem schob die Bauaufsichtsbehörde einen Riegel vor. Der Eigentümer hatte nämlich nur die Erlaubnis erhalten, einen Teil des Gebäudes abzureißen. „Für das restliche Bauvorhaben wurden bis heute keine Unterlagen eingereicht“, so die Weißenfelser Pressesprecherin Katharina Vokoun.

Trommelfabrik Weißenfels: Anhörung mit dem Eigentümer

Es habe eine Anhörung mit dem Eigentümer gegeben, informiert sie weiter. Als danach keine Unterlagen eingereicht wurden und jegliche Reaktion ausgeblieben sei, verhängte die Stadt den Baustopp, so Vokoun.

Doch wie geht es nun weiter? Der Eigentümer müsse bei der Bauaufsichtsbehörde einen Antrag auf Baugenehmigung und denkmalrechtliche Genehmigung stellen. Dann könne der Baustopp unter Umständen aufgehoben werden. Doch will er das überhaupt? Jalal Doghaim, Geschäftsführer des beauftragten Projektbüros in Leipzig, reagiert auf MZ-Anfragen jedenfalls seit Wochen nicht mehr.

Momentan ist das Haus ein Rohbau. Die alte Fassade ist entfernt und die maroden Fenster und Türen auch. Gaststätte, Café, Veranstaltungsräume, Theater- und Ballsaal, ein Hotel, türkisches Bad mit Sauna-Anlage, Kegelbahn und im Außenbereich weitläufige Gartenanlagen sollten entstehen. Es waren die Visionen des Eigentümers Refat Hadagha, ein Libyer, der in Kanada lebt.

Jalal Doghaim sollte sie umsetzen. Anfangs war von einer Investitionssumme von fünf Millionen Euro gesprochen worden. Die Summe wurde später schnell auf sieben Millionen Euro korrigiert. Schon der Abriss war aufwendiger als gedacht. Allein fünf Monate benötigten die Arbeiter dafür.

Das 1824 erbaute Haus hat viele bewegte Zeiten miterlebt. Ursprünglich war die Trommelfabrik eine Badeanlage. Sie wurde vom damaligen Bürgermeister Oelzen fertiggestellt und bei der Herrenmühlenschleuse eröffnet. Gäste blieben jedoch weitgehend aus. So errichtete der Brauereiunternehmer Gürth dort eine Gaststätte mit einem imposanten Saal.

Dieser wurde 1890 mit dem Namen „Etablissement Bad“ eingeweiht. Später richtete sich dort die Firma Sonor ein und baute hochwertige Musikinstrumente. Nach dem Krieg wurde das Unternehmen enteignet und das Haus verfiel. Jahrelang war die alte Trommelfabrik eine Ruine, die hinter dichtem Strauch- und Baumwerk verschwand.

Bis es von Refat Hadaga gekauft wurde. Es wurden Wände und Decken hineingezogen. Treppen wurden gebaut. Alte und marode Türen wurden angeblich nachgebaut. Die Fensterrahmen der Orangerie wurden eingeschickt und nachgearbeitet. Im Inneren des großen Hauses waren auch bereits Fortschritte sichtbar. Dort wurden Zwischendecken herausgenommen und ein prächtiges Deckengewölbe sichtbar. Die neuen Türen und Fenster sind noch nicht eingebaut. Das ist für jeden zu sehen, der an den Badanlagen spazieren geht.

Im Wintergarten wurde schon aufgebaut. Der Boden ist ausgegossen. Darauf sollten Fußbodenheizung und weitere Schichten kommen. Nur ist es jetzt fraglich, wie es weitergeht. (mz)