1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Stundenlanger Einsatz für das THW: Stundenlanger Einsatz für das THW in Dessau: Baumstamm versperrt Wehr an der Jonitzer Mulde

Stundenlanger Einsatz für das THW Stundenlanger Einsatz für das THW in Dessau: Baumstamm versperrt Wehr an der Jonitzer Mulde

Von Thomas Steinberg 23.03.2021, 06:00
Das THW half, den Baumstamm aus dem Wasser zu holen.
Das THW half, den Baumstamm aus dem Wasser zu holen. Elisabeth Hesse

Dessau-Waldersee - Das Technische Hilfswerk Dessau und die Wasserwacht haben am Sonnabend einen Baum aus der Jonitzer Mulde geborgen.
Der Baum hatte sich Anfang Februar an den alten Eisabweisern vor der Brücke an der Jonitzer Mühle verfangen.

Weil es an geeigneter Technik fehlte, war die Berufsfeuerwehr zuvor mit dem Versuch gescheitert, den Baum aus dem Wasser zu holen, hatte jedoch schon kleineres Treibgut herausgefischt.
Die Aktion war aufwendig, insgesamt waren an ihr 25 Kräfte von THW und Wasserwacht beteiligt, berichtete Jan Krüger vom THW der MZ.

Die Aktion zog sich von 9 bis 13:30 Uhr hin

Die Kräfte von der Wasserwacht hatten den zweigeteilten Stamm, einen so genannten Zwiesel vom Boot aus und auch im Wasser stehend angeschlagen. Ihn im Fluss zu zerlegen, wie das noch in den 90er Jahren gemacht worden war, hatte man zuvor als zu gefährlich verworfen.

Statt dessen wurde der Baum mit einem Seil gesichert und mit einem zweiten mit Hilfe einer Seilwinde ans linke Ufer gezogen. „Der Baum hat allerdings nicht immer gemacht, was wir wollten“, sagte Krüger. Der entwurzelte Riese hatte sich im Wasser noch einmal gedreht. Die Aktion zog sich von 9 bis 13:30 Uhr hin.

Rüdiger Zühlke betreibt mit seinem Bruder ein Kraftwerk an der stromab gelegenen Jonitzer Mulde. Es sei bei der Bergung nicht um den Schutz der beiden Turbinen gegangen, die unter Volllast Strom für etwa 400 Haushalte liefern können.

Entwurzelt wurde der Baum bereits bei höheren Wasserständen in der Mulde vor einigen Wochen

Der Stamm hätte auch weiter stromab treiben und dort Probleme bereiten können, etwa an der Wörlitzer Eisenbahnbrücke.

Entwurzelt wurde der Baum bereits bei höheren Wasserständen in der Mulde vor einigen Wochen. „Sowie das Wasser steigt, löst sich unter der Wurzel irgendwas“, sagte Zühlke. Er hält deshalb das WWF-Projekt „Wilde Mulde“ für einen „riesengroßen Blödsinn“.

Dabei wurden mehrere so genannte Raubäume mit tonnenschweren Betonklötzen gesichert in den Fluss gebracht, um zu untersuchen, wie sich die Strömung verändert und wie das Biotop in ihrer Umgebung. Der vor der Jonitzer Mulde festliegende Baum war allerdings keiner, die vom WWF in die Mulde eingebracht wurden.

Laut Ortsbürgermeister Ehm wäre der Landesbetrieb für Hochwasserschutz eigentlich zuständig gewesen

Auch Lothar Ehm übt grundsätzliche Kritik am WWF-Projekt und behauptete, dessen Mitarbeiter würden sich „laufstark freuen, wenn irgendwo was angetrieben wird“. Als Ortsbürgermeister von Waldersee, einem 2002 beim Hochwasser überschwemmten Dessauer Ortsteil, reagierte er allergisch auf alle Maßnahmen, die nach seiner Ansicht den Hochwasserschutz gefährden.

Er hatte denn auch die Berufsfeuerwehr um Hilfe gebeten.
Nicht klären ließ sich am Wochenende, warum sich der Landesbetrieb für Hochwasserschutz nicht um den angetriebenen Baum gekümmert hat. Laut Ehm wäre der Landesbetrieb eigentlich zuständig gewesen. (mz)