Schlendernd durch die 1960er

Schlendernd durch die 1960er: Film ab - eine Zeitreise in nur 20 Minuten

Westerhausen - Heimatforscher Werner Körner setzt alte Fotos zu einem Rundgang durch das Westerhausen der frühen DDR zusammen. Wie die Videos entstanden sind.

Von Benjamin Richter

Planstraße, Schulstraße und Altes Amt sind den Westerhäusern, besonders den alteingesessenen, wohlbekannt. Durch die Gassen des Dorfs lädt Heimatforscher Werner Körner jetzt zu einem Spaziergang der etwas anderen Art ein: Ins Jahr 1960 will er seine Gäste mitnehmen.

Man muss nicht das Haus verlassen

Für diese Zeitreise muss man - gerade bei ungemütlichem Wetter praktisch - das Haus nicht verlassen, denn sie findet im Internet, auf dem Videoportal Youtube, statt. In zwei knapp 20-minütigen Filmchen, die Körner in den vergangenen Monaten aus historischen Fotos etwa aus dieser Zeit zusammengesetzt und mit selbst eingesprochenen Erklärungen sowie dezenter Musik unterlegt hat, schlendert der Zuschauer so zwischen Trabis, Bauern- und Fachwerkhäusern und einer Autoschlange vor der Gurkeneinlegerei Kühne den sehenswerten Fleckchen des Ortes entgegen.

Material sprengt Video

Die verwendeten Fotos, erklärt Körner, der auch dem örtlichen Heimatverein vorsitzt, stammten aus den Sammlungen von rund 30 Leuten. „Ich habe die brauchbarsten herausgesucht“, schildert er. Schnell habe er erkannt, dass das Material ein Video, dessen Länge bei rund 20 Minuten liegen sollte, sprengen würde. „Länger sollte es nicht dauern, sonst lässt die Aufmerksamkeit nach.“

Auf der anderen Seite wollte er die einzelnen Bilder nicht kürzer als jeweils zehn Sekunden zeigen, „sonst kann man sie gar nicht erfassen“. Somit war klar: Er würde zwei Teile erarbeiten. Dann ging es ans Kolorieren, denn ungefähr 90 Prozent der Fotos hätten ihm nur schwarz-weiß vorgelegen, erörtert Körner. „Mit der Fotografie war es 1960 noch nicht ganz so weit her“, gibt er zu bedenken.

Um das umfangreiche Bildmaterial zu strukturieren, knöpfte sich der Hobby-Historiker eine Landkarte von Westerhausen vor und markierte darauf alle Häuser, von denen er Fotos hatte. Dann habe er eine Route festgelegt, auf der die Punkte nacheinander abgeschritten werden - so dass es in den beiden Videos so aussehe, als ginge man zu Fuß durch die Straßen, beschreibt Körner.

Das steckt eine lebendige Vergangeheit dahinter

So führt Teil eins die Zuschauer von der Westerhäuser Hauptstraße und dem Kleinen Feld bis zum Moorteich, während der zweite Teil eine Strecke vom Plan bis zum Wolfsberg nachzeichnet.

Aus dem Dorf habe er zu den zwei Videos schon reichlich Rückmeldung erhalten, ergänzt der Heimatforscher. Mancher habe sich gewundert, was für eine lebendige Vergangenheit hinter dem 2.000-Seelen-Örtchen liege. Andere seien erstaunt gewesen, wie heruntergewirtschaftet einige Gebäude zu DDR-Zeiten gewesen waren - etwa jene auf dem Hof des ehemaligen Rathauses, an deren Stelle heute die Grundschule Westerhausen steht.

Die DVD ist bald erhältlich

In den kommenden Wochen will Werner Körner die Videos, die bislang jeweils rund 2.000 Mal auf Youtube angeklickt wurden, auf DVD brennen und auf diese Weise auch den älteren Dorfbewohnern ohne Internetkenntnisse zugänglich machen.

„Die brauchen dann bloß noch den Knopf zu drücken - und Film ab!“, sagt der Ruheständler. Der Preis solle dann zwischen zehn und zwölf Euro liegen und dazu dienen, die auch im Corona-Lockdown weiterlaufenden Kosten des Heimatvereins zu decken.

Unterdessen ist der zweigeteilte virtuelle Rundgang, der Bürger und Gäste unter anderem auch zum Gasthof im Steinholz, zur alten, inzwischen ersetzten Brücke über den Zapfenbach und zu mehreren Aussichtspunkten mit bemerkenswertem Blick auf den Königstein führt, nicht Werner Körners letztes Projekt.

Auch zur 1.050-Jahr-Feier der Gemeinde Westerhausen, die 1987 begangen wurde, hat der Vereinschef zwei Videos fertiggestellt und am Montag und Dienstag hochgeladen. Sehr viele Stunden habe es gedauert, sie aus einzelnen Fotos zusammenzufügen, berichtet der Westerhäuser - jedoch habe man in den vergangenen Wochen ohnehin wenig anderes unternehmen können. „Winter, Schnee und Corona haben auch etwas Gutes“, stellt er fest.

******************************************************

Die Videos sind im Internet auf der Seite des Heimatvereins, unter www.westerhausen-heimat.de/westerhausen-in-videos, zu finden. (mz)