Landrats- und Landtagswahl in MSH

Was sich die Sangerhäuser von den gewählten Politikern erhoffen bzw. verlangen

Von Joel Stubert
Symbolbild zur Wahl
Symbolbild zur Wahl (Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/)

Sangerhausen - Tausende Wähler haben am Sonntag ihre Stimmen abgegeben, um neben einem Landtag in Magdeburg auch einen Landrat in Mansfeld-Südharz zu bestimmen. Dabei knüpfen sie ihre Wahl an bestimmte Hoffnungen und Schwerpunkte. Eine Stichprobe auf den Straßen von Sangerhausen ergibt, dass sich die Wähler vor allem eines von den Politikern wünschen, die sie gewählt haben: ihre Versprechen zu halten.

Enttäuscht von der Politik

„Es ist wichtig, dass die Politiker auch nach der Wahl an die Bürger denken“, findet Juritta Ludwig. Es müsse wieder Vertrauen aufgebaut werden. „Das ist aktuell ziemlich weit unten“, sagt sie. Trotz aller Unzufriedenheit müsse dennoch „mit Bedacht gewählt werden“, sagt sie. Sie stelle durchaus eine Politikverdrossenheit fest. „Aber das bringt nichts. Wer nicht wählt, darf auch nicht schimpfen.“ Man müsse über die Themen sprechen. „Das ist in der Politik genau so wie in der Ehe.“

Für Frank Meyer ist die Sache ohnehin eindeutig. „Die Agendas 2030 und 2045 stehen sowieso“, sagt er, Stichwort Klimaschutz. „Wer es umsetzt, ist am Ende egal, das Thema steht.“

Ganz so optimistisch hört sich das bei Rentner Peter Weinert nicht an. „Ich erwarte nichts mehr von der Politik“, sagt er. „Es ist eigentlich schon alles gelaufen.“ Seit Jahrzehnten sei bekannt, dass Politiker vor der Wahl alles versprechen und nach der Wahl Schwierigkeiten beim Einhalten hätten, findet er. Vor allem die Ungleichheit zwischen Ost- und Westdeutschland störe ihn. „Ich bin seit Jahrzehnten enttäuscht“, sagt er. Gewählt habe er trotzdem, per Brief.

„Es braucht größere Bürgernähe, da sehe ich Defizite“

Der Politik wohlgesonnener klingt dagegen eine Frau, die allerdings ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Es ist einfach wichtig, dass sie ihre Versprechen halten“, sagt sie. Ein besonders wichtiges Thema für ihre Wahlentscheidung sei die Wirtschaft gewesen. „Ohne die geht es im Landkreis nicht voran“, sagt sie. Das gelte sowohl für die Entscheidung bei der Landratswahl als auch bei der Landtagswahl. „Es gab insgesamt einige Themen, die mich beschäftigt haben“, sagt sie.

Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Sangerhausen, Helmut Loth, ist ebenfalls auf der Straße unterwegs. „Für mich ist wichtig, dass die Politiker zu ihren Versprechen stehen und das umsetzen, was sie vorher sagen.“ Auf wenn der eine oder andere Politiker dies nicht glauben wolle, so hätten doch einige die Bodenhaftung verloren, findet er. „Es braucht größere Bürgernähe, da sehe ich Defizite.“

Renate Schöttner aus Eisleben hat konkrete Vorstellung, was der Nachfolger von Landrätin Angelika Klein leisten soll. „Junge Leute müssen eine Perspektive haben“, sagt die 83-Jährige. Hierfür sei es wichtig, die Arbeitslosigkeit in der Region zu senken und Menschen stärker an die Hand zu nehmen - ansonsten sei der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet. Auch Geschäfte und Gastronomie müssten gestärkt werden, sagt die Seniorin. (mz)