Für Hilfe in der Not

Verein Soziokultur sucht in Sangerhausen Partner für sein Projekt „Notzugang“

Der Verein Soziokultur sucht in Sangerhausen Partner, die ihre Räume über einen Notzugang für Menschen öffnen, die schnell Hilfe brauchen.

Von Grit Pommer
Ein Aushang an der Tür kennzeichnet  die Notzugänge
Ein Aushang an der Tür kennzeichnet die Notzugänge (Foto: Grit Pommer)

Sangerhausen/MZ - Manchmal ist es ganz einfach, jemandem zu helfen, der dringend Hilfe braucht. Diana Wozny erinnert sich an eine Episode aus der Zeit, als das Begegnungszentrum Oase seine Räume noch am Marktplatz hatte. „Da kam im Winter eine ältere Dame rein, die einen verwirrten Eindruck machte“, erzählt sie. Die Frau habe nicht mehr gewusst, wo sie ist und wie sie nach Hause kommen soll. Wozny bot ihr einen Stuhl an, machte ihr einen Tee und nach und nach habe die Frau sich dann erinnert, dass sie gerade nach einer OP aus dem Krankenhaus nach Hause gebracht worden war. Sie lebte allein, hatte kurz nach draußen gehen wollen und sich dann verirrt.

Zuflucht für Menschen in Not

Es gibt viele Gründe, warum jemand Hilfe brauchen kann. Aus medizinischen Gründen. Weil man die Tasche verloren hat. Oder auch - besonders dramatisch - weil jemand verfolgt oder angegriffen wird. „Wenn man sich nicht sicher fühlt, ist es gut, wenn es schnell einen Ort gibt, wo man reingehen kann“, sagt Wozny, die ehrenamtlich in der Oase mitmacht.

Mit dem Projekt „Notzugang“ will der Verein für Soziokultur in Sangerhausen möglichst viele Räume finden und kennzeichnen, in denen Menschen im Notfall Zuflucht finden können, sagt der Vereinsvorsitzende André Röthel. Das Projekt, das bis zum Ende des Jahres aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert wird, habe schon im vergangenen Jahr begonnen, dann aber wegen Corona monatelang auf Eis gelegen. Jetzt nimmt der Verein den Faden wieder auf.

Anders als bei der Aktion „Noteingang“, die vor etlichen Jahren auch in Mansfeld-Südharz lief und Zuflucht speziell bei rassistischen und faschistischen Übergriffen bieten sollte, ist das neue Projekt deutlich weiter gefasst. Jeder, der Hilfe sucht, soll sie hinter den Notzugängen finden.

Ehrenamtliche Helfer für Nothelfertelefon gesucht

Außer an der Oase hängen die farbigen A5-Schilder mit dem Notzugang-Logo in Sangerhausen bisher schon am Polizeikommissariat, an der Sparkasse und an den Jugendzentren Buratino und Happy Go, sagt Röthel. Man wolle aber möglichst viele weitere Partner finden, nicht zuletzt unter den Geschäftsleuten in der Innenstadt. Wer nicht selbst über einen Raum verfügt, könne trotzdem helfen. „Wir suchen auch für die Oase ehrenamtliche Helfer, die wir über ein Nothelfertelefon mit einbinden können“, sagt Röthel.

Denn ein erster Fall, in dem sich zwei Mädchen an den Notzugang am Kornmarkt gewendet hatten, habe gezeigt, dass es mitunter sehr aufwändig werden kann, Hilfe zu organisieren. Prinzipiell sei jeder zum Helfen verpflichtet, wenn jemand in Gefahr ist, erklärte Steffi Schwan, Pressesprecherin des Polizeireviers Mansfeld-Südharz, die der Verein zur Vorstellung des Projekts mit eingeladen hatte. Schwan weiß aber auch, dass man eine solche Zivilcourage „vom Herzen her wollen“ muss.

Wichtig sei es zudem, Kinder durch Training stark zu machen und auch Eltern in die Lage zu versetzen, schnell und richtig zu reagieren, wenn ihr Kind Opfer von Angriffen wird. Der Verein Soziokultur will das Projekt im kommenden Jahr fortsetzen und dann auch auf Eisleben und Hettstedt ausdehnen, kündigte André Röthel an.