Stadtbad Sangerhausen

Stadtbad Sangerhausen: Nach Umfrage: Mehrheit für großes Becken

Sangerhausen - Geht es nach den E-Mail-Schreibern, die sich an der Umfrage zur Zukunft des Sangerhäuser Stadtbads beteiligt haben, ist die Entscheidung klar: Eine deutliche Mehrheit, nämlich 16 von 22 Einsendern, wollen die bisherige Wasserfläche von 1.700 Quadratmetern auch nach einer Sanierung des denkmalgeschützten Bades ...

Von Frank Schedwill
Bei diesen Temperaturen lässt es sich im Stadtbad Sangerhausen aushalten. Wie wird das Bad in Zukunft aussehen?

Geht es nach den E-Mail-Schreibern, die sich an der Umfrage zur Zukunft des Sangerhäuser Stadtbads beteiligt haben, ist die Entscheidung klar: Eine deutliche Mehrheit, nämlich 16 von 22 Einsendern, wollen die bisherige Wasserfläche von 1.700 Quadratmetern auch nach einer Sanierung des denkmalgeschützten Bades behalten.

„Sechs haben sich ganz konkret für eine Verkleinerung positioniert.“ Das sagte Oberbürgermeister Sven Strauß (SPD) am Montagabend in einer Sondersitzung mehrerer Ausschüsse des Sangerhäuser Stadtrates.

Solarenergie gewünscht

Deutlich sei zudem herauszulesen, dass die Umfrageteilnehmer gern eine Spaßrutsche in dem Bad hätten und, dass das Wasser mit Solarenergie aufgeheizt werden soll, um eine längere Badesaison zu ermöglichen.

Aber auch die Erneuerung des Kinderspielplatzes oder eine „separate FKK-Liegewiese mit Duschen“ wurden neben vielem anderen angeregt. Strauß sagte: „Die eingesandten Vorschläge waren teilweise von viel Fachwissen geprägt.“ Das habe ihn sehr überrascht.

Wie das Bad aber künftig konkret aussehen soll, ist weiter unklar: Denn anders als angekündigt, wurde in der Sitzung nicht über einzelne Vorschläge beraten. Die angekündigte Prioritätenliste mit Gestaltungsideen für den Umbau gab es auch nicht.

Stattdessen ging es in den zweieinhalb Stunden um Formalien, wurden erneut Grundsatzreferate gehalten oder bekannte Standpunkte ausgetauscht. Die Diskussion drehte sich dabei teilweise so im Kreis, dass Stadträte und eine ganze Reihe der zehn Bürger, die zu der Sitzung gekommen waren, vor deren Ende nach Hause gingen.

Möglichst viel Fläche

Wenn aber der Eindruck nicht trügt, scheint sich mittlerweile unter Stadträten mehrheitlich die Ansicht durchgesetzt zu haben, dass beim Umbau des im Bauhausstil errichteten fast 90 Jahre alten Bades möglichst viel Wasserfläche erhalten werden soll.

Die von der KBS und Strauß bisher favorisierten vier kleinen Becken mit insgesamt 800 Quadratmetern Wasserfläche reichen vielen nicht. Auch Strauß sagte in der Sitzung: „Je größer das Becken bleiben kann, desto besser.“

Allerdings, das bestätigte das Stadtoberhaupt, sind die 50-Meter-Bahnen des Stadtbades nur 49,83 Meter lang. „Es fehlen 17 Zentimeter.“ Die Stadt habe mit verschiedenen Methoden nachgemessen.

Laut Harald Oster (FDP), der immer wieder Schwimmwettkämpfe in dem Bad angeregt hatte, ist das aber kein Problem. Wettkämpfe könnten trotz der zu kurzen Bahnen stattfinden. Nur könnten eventuell geschwommene Rekorde nicht in Rekordlisten eingetragen werden.

Oster plädierte in der Sitzung dafür, zu den insgesamt vier Millionen Euro, die aus einem Bundesprogramm und von der Stadt zur Verfügung stehen, weiteres Geld aus anderen Fördertöpfen einzuwerben.

Er könne sich die Sanierung des Stadtbades als Modellprojekt in Sachen Denkmalschutz und Umwelt vorstellen. „Wir müssen das Bad attraktiv machen und dürfen es nicht nur als Kostenfaktor sehen.“

Er legte drei Skizzen vor, wie seiner Meinung das Bad künftig aussehen könnte. Die Entwürfe hat zum Teil das Büro von Wolfgang Hein, einem Architekten erarbeitet, der Vizepräsident des Deutschen Schwimmverbands ist. Er war kürzlich mit Stadträten im Stadtbad. Konkret diskutiert wurde aber auch über diese Varianten am Montagabend nicht.

Kosten im Auge behalten

Reinhard Windolph wiederholte den CDU-Vorschlag, die Wassertiefe in den Becken, dort wo es möglich ist, zu verringern, um Kosten zu sparen. Dann müsse nicht soviel Wasser umgewälzt werden. Arndt Kemesies (SPD) plädierte dafür, das Stadtbad „als Familienerlebnis“ auszubauen, um mehr Besucher anzulocken.

Olaf Wüstemann, Chef des Badbetreibers KBS, sagte zu den Vorschlägen, man könne so gut wie alles planen. Allerdings müsse irgendwer das bezahlen. Auch die Betriebskosten dürften nicht aus den Augen verloren und die Besucher mit den Eintrittspreisen nicht überfordert werden.

Wie das Stadtbad künftig aussehen wird, das soll nun mit Hilfe eines Planerwettbewerbs entschieden werden. Bislang gibt es dafür folgende vage Vorgaben: Das Bad soll über einen Kleinkind-, Nichtschwimmer- und Sprungbereich sowie ein Wettkampfschwimmbecken verfügen, die nicht näher definiert sind.

Außerdem dürfen die Investitions- und Betriebskosten des sanierten Bades die der bislang vorliegenden kleinen Beckenvariante nicht wesentlich überschreiten. Deren Planer hatten die Kosten mit etwa 4,3 Millionen Euro angegeben. Die jährlichen Verluste des sanierten Bades mit 800 Quadratmetern Wasserfläche würden nach ihren Berechnungen 215.000 Euro betragen.

Demnächst wird sich wahrscheinlich auch der neue Stadtrat mit dem Thema befassen: Denn bisher war ein Architektenwettbewerb geplant. Der sei aber zu aufwendig, langwierig und teuer hieß, es.

Der Beschluss soll deshalb geändert werden. Außerdem sind Sondersitzungen des Rats oder des Bauausschusses im Gespräch. Am 5. September muss Strauß den Badumbau beim Fördermittelgeber in Berlin in einem ersten Gespräch vorstellen. (mz)