Straßenmusik ist zurück

Sangerhäuser feiern entspannt bei der Fete de la musique

Von Grit Pommer
Die Barbarossa Pipes & Drums packten für die Fete de la musique in Sangerhausen die Dudelsäcke aus.
Die Barbarossa Pipes & Drums packten für die Fete de la musique in Sangerhausen die Dudelsäcke aus. (Fotos: Maik Schumann)

Sangerhausen - 27 Grad und Sonne satt - der Abend ist wie gemacht für ein Fest unter freiem Himmel. Erst recht für die Fete de la musique, die am Montagabend in Sangerhausen gefeiert wurde. Die Reihe, in der immer am längsten Tag des Jahres die Straßenmusik und die Leichtigkeit des Seins zelebriert werden, ist in diesem Jahr von einer Absage verschont geblieben. In der vergangenen Woche hatten sich die Mitglieder des Vereins „Armer Kasten“ mit Blick auf die rasant fallenden Infektionszahlen in Mansfeld-Südharz kurzfristig entschlossen: Diese Fete de la musique findet statt!

„Straßenmusik lebt ja gerade von der Interaktion zwischen Künstler und Publikum“

Die digitale Variante, in der fünf Städte in Sachsen-Anhalt die Veranstaltung angekündigt hatten, war so gar nichts für den Geschmack von Siegbert Grießer, dem Vorsitzenden des „Armen Kasten“. „Straßenmusik lebt ja gerade von der Interaktion zwischen Künstler und Publikum“, sagt er. Also: „Entweder man macht das gar nicht - oder richtig.“ Innerhalb kürzester Zeit wurde ein Programm für eine kleine Variante aus dem Boden gestampft und kurzerhand das Werbebanner aus dem vorletzten Jahr wieder flott gemacht und an der Marienkirche aufgehängt.

Das Publikum jedenfalls schien nur darauf gewartet zu haben, dass die Kultur in Sangerhausen wieder Lebenszeichen aussendet. Schon vor 17 Uhr füllten sich die Plätze an den Tischen, die an der Marienkirche aufgestellt waren. Und als Frank Handrock mit Banjo und Mundharmonika die ersten Live-Klänge des Abends über den Platz schickte, fühlte es sich fast ein bisschen so normal an wie vor Corona.

Frank Handrock eröffnete.
Frank Handrock eröffnete.
(Foto: Maik Schumann)

Einnahmen über Spenden

Neben Handrock hatten sich auch Gerrard Mahoney, Gerald Hauke, der Elternchor der Kreismusikschule und die Barbarossa Pipes & Drums für Auftritte angemeldet. Allesamt ohne Aussicht auf ein Honorar, denn in dem mehr als einem Jahr kultureller Zwangspause hat auch der „Arme Kasten“ keine Einnahmen erzielen können. Dafür gingen am Montag die Hüte rum - wie das bei Straßenmusikern ja auch üblich ist. Ansonsten genoss man bei Gegrilltem und Wein den ganz besonders langen Abend.

Als nächstes organisiert der „Arme Kasten“ eine Ausstellung mit Werken der Bennunger Künstlerin Ines Buff. Am 20. August soll sie eröffnet werden, kündigt Grießer an. Auch wenn es die erhofften Fördermittel vom Land nicht geben wird. Für die „Geschenkte Stunde“ am Abend vor der Rückkehr zur Mitteleuropäischen Normalzeit hat der Verein auch schon ein Konzert in Planung. Alexandre Zindel singt Folk zu Zithermusik - wenn alles gut geht am 30. Oktober in der Marienkirche. (mz)