Riesenbärenklau

Riesenbärenklau: Giftpflanze breitet sich wieder in Riestedter Flur aus

Riestedt/Sangerhausen - Für Beseitigung im Rahmen der Gefahrenabwehr sind Grundstückseigentümer zuständig.

Von Karl-Heinz Klarner 15.07.2017, 07:00

Norbert Schramm streckt vorsichtig die Hand aus und zeigt auf die weißen Dolden des Riesenbärenklau. Nur nicht anfassen, lautet die Devise, denn „Stalins Rache“, wie die Pflanze auch landläufig im Volksmund genannt wird, ist giftig. Berührungen können bei Menschen zu äußerst schmerzhaften Quaddeln und Blasen führen, die nur schwer wieder heilen. „In ein paar Tagen fällt der Samen aus, dann ist die ganze Arbeit des vergangenen Jahres fast schon wieder umsonst“, befürchtet der passionierte Jäger und Naturfreund und lässt einen besorgten Blick über den Sachsgraben zwischen Riestedt und der Kreisstadt Sangerhausen schweifen.

Agrargesellschaft Riestedt bekämpfte 2016 gemeinsam mit Landkreis und Jobcenter den Riesenbärenklau

Schließlich war 2016 die Agrargesellschaft Riestedt mit Unterstützung des Jobcenters und des Landkreises in einer groß angelegten Aktion gegen die „Einwanderer“ vorgegangen. „Dafür haben wir auch eine Aufwandsentschädigung erhalten, denn das gehört eigentlich nicht zu unseren Aufgaben. Jetzt stecken wir mitten in der Ernte und könnten das gar nicht leisten“, sagt Torsten Wagner von der Agrargesellschaft.

Nunmehr droht sich der Samen des Bärenklau zu verbreiten. Dabei ist die Staude nicht nur giftig, sondern auch eine so genannte Neophyte, also eine Pflanze, die nicht in diese Region gehört. Wo sie wächst, ist auch kein Platz für andere.

Angesichts einer rasanten Ausbreitung der Pflanzen war die Naturschutzbehörde des Landkreises Mansfeld-Südharz im letzten Jahr nicht nur in Riestedt gefordert. Auch entlang der Helme waren Helfer mit Schutzkleidung unterwegs, um sie zu bekämpfen. Doch das Projekt ist im August vergangenen Jahres ausgelaufen. Dafür ist kein Geld mehr da.

„Wir sind nur für die Schutzgebiete zuständig“, sagt Landkreissprecherin Michaela Heilek und zeigt das eigentlicher Problem auf: „Eine generelle Regelung zur Bekämpfung gibt es in Sachsen-Anhalt nicht.“ Deshalb sieht sie das Land in der Pflicht. Doch im Umweltministerium in Magdeburg sieht man das völlig anders. „Dafür sind wir nicht zuständig“, sagt Sprecherin Petra Franke. Denn für eine generelle Bekämpfung gebe es keine naturschutzrechtliche Grundlage. Für die Beseitigung im Rahmen der Gefahrenabwehr seien die Grundstückseigentümer zuständig. Entscheidend dabei sei, dass die Maßnahmen konsequent und kontinuierlich bis zur Ausrottung durchgeführt werden und nicht nur sporadisch.

Hallenser Insitut bekommt Geld für Bekämpfung der Pflanzen

Unterdessen handelt das Unabhängige Institut für Umweltfragen in Halle. Die dort angesiedelte Koordinierungsstelle für Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts geht gegen die giftigen Pflanzen vor. „Wir haben dafür von der Europäischen Union Geld bekommen“, begründet Christoph Rosche von der Koordinierungsstelle das Engagement. So sei eine Landschaftspflegefirma beauftragt worden, unter anderem den Riesenbärenklau entlang der „Bösen Sieben“ in der Lutherstadt Eisleben zu Leibe zu rücken. „Wir können jedoch nur punktuell etwas tun, für mehr reicht das Geld nicht aus“, sagt Rosche mit dem Hinweis, dass es eine eindeutige Regelung zum weiteren Umgang mit den invasiven Pflanzen geben müsse.

Das sieht auch Norbert Schramm nicht anders. Denn allein in der Riestedter Flur hat er drei Stellen entdeckt, an denen „Stalins Rache“ wieder verstärkt auf dem Vormarsch ist. Immerhin kommt jetzt Hilfe. „Wir Schauen uns das an und wenn Pflanzen auf städtischem Territorium stehen, werden wir sie auch beseitigen“, verspricht Sangerhausens Ordnungsamtsleiter Udo Michael. Allerdings weiß er auch, dass ihm die Hände gebunden sind, wenn der Bärenklau auf einem privaten Areal wächst. „Die Eigentümer des Grund und Bodens sind zwar gehalten, die Pflanzen zu beseitigen, aber zwingen kann man sie nicht“, beklagt auch Michael fehlende Vorgaben. (mz)