Mifa-Nachfolger produziert mehr Räder

Mifa-Nachfolger produziert mehr Räder: Sachsenring will 200 Mitarbeiter beschäftigen

Sangerhausen - Mifa-Nachfolger Sachsenring aus Sangerhausen produziert mehr Fahrräder

Von Joel Stubert 22.01.2019, 12:21

Gute Nachrichten für den Fahrradstandort Sangerhausen. Sachsenring-Chef Stefan Zubcic will in diesem Jahr weitere Mitarbeiter einstellen. Das bestätigte er im Gespräch mit der MZ. Zubcic sieht beim Mifa-Nachfolger in Sangerhausen noch „freie Kapazitäten“. „Wir wollen zur Jahresmitte mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigen.“

Strafzölle für chinesische E-Bikes

Einen Hauptgrund sieht er in den Entwicklungen auf dem Weltwirtschaftsmarkt. „Wir profitieren von den Anti-Dumping-Zöllen“, sagt Zubcic. Auf chinesische E-Bikes werden Strafzölle erhoben, das wiederum macht den Standort Sangerhausen interessant, so dass die Nachfrage nach hier produzierten Rädern steige. „Diese Zölle sind fix auf fünf Jahre“, sagt Zubcic. „Und wir sind ein Profiteur davon.“ Die Anti-Dumping-Zölle wurden im vergangenen Sommer zur Probe eingeführt und nun von der EU fest beschlossen. Sie sind eine Reaktion darauf, dass China jahrelang E-Bikes unter den Herstellungskosten auf den Weltmarkt „geworfen“ hat, um Marktanteile zu gewinnen.

In diesem Jahr wolle man 200.000 Räder in Sangerhausen montieren. „70 bis 80 Prozent davon sollen E-Bikes sein“, so Zubcic. „Wir wollen wachsen.“ Wie viele Räder der Fahrradbauer im vergangenen Jahr gebaut hat, wollte Zubcic auf Nachfrage nicht verraten. 2017 und 2018 seien schwere Jahre gewesen und man hoffe, dieses Jahr endgültig den Umschwung zu schaffen.

Langfristige Beschäftigung als Unternehmensziel

Dafür auch ausreichend Mitarbeiter in Sangerhausen und Umgebung zu finden, sieht Zubcic nicht als Problem. Bisher habe man sie auch gefunden und die enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur erleichtere die Suche. „Ich bin guter Dinge, alles zu realisieren“, sagt der Chef der Sachsen Bike Manufaktur GmbH. Aber es sei durchaus nicht ganz einfach, neue Arbeitskräfte in den Spezialistenfunktionen wie im Bereich Engineering oder Produktmanagement zu finden, ergänzt er. „Unsere Unternehmensstrategie ist es, langfristige Beschäftigungen zu realisieren“, sagt Zubcic. „Bisher haben wir keine Leiharbeiter eingestellt“, sagt er. Die Flexibilität bei der Produktion solle vielmehr über Arbeitszeitkonten hergestellt werden. Als letzter Schritt sei aber auch nicht auszuschließen, dass man Leiharbeiter und ausländische Arbeitskräfte einstelle, so Zubcic.

Großauftrag aus der Schweiz

Zuletzt hatte Zubcic, der die ehemalige Mifa Anfang 2017 ohne Aufträge und mit 135 Mitarbeitern übernommen hatte, bereits aufhorchen lassen. Im vergangenen Jahr waren bei Sachsenring bereits wieder 185 Mitarbeiter angestellt. Im Herbst erst wurde bekannt, dass Sachsenring Bike einen Großauftrag aus der Schweiz erhalten hatte. Der E-Bike-Hersteller My-Stromer lässt die Modelle ST3 und ST5 in Sangerhausen fertigen, die in Europa und den USA verkauft werden sollen. Dabei handelt es sich um Premium-Produkte: ST5 wird für 9.500 Euro verkauft. Dadurch hatte man im vergangenen Jahr schon einige Neueinstellungen vorgenommen. „Wir haben in den vergangenen Monaten 35 Kollegen eingestellt“, hatte Werkleiter Matthias Herold im Herbst gesagt.

(mz)