Rettig weist Vorwürfe von sich

Konflikt um das „grüne Klassenzimmer“ in Rottleberode schwelt weiter

Bauarbeiten an der Thyratal-Grundschule in Rottleberode sorgten für Kritik. Die Ratsmitglieder fühlten sich überrumeplt, da sie in das Projekt „grünes Klassenzimmer“ nicht eingeweiht waren.

Von Helga Koch
Die Arbeiten am Grünen Klassenzimmer in Rottleberode ruhen vorerst. (Foto: Maik Schumann)

Südharz

Es war absehbar: Der Südharz-Gemeinderat hat am Mittwochabend ohne viel Federlesens zugestimmt, je 6.000 Euro von der Sparkasse Mansfeld-Südharz und ihrer zugehörigen Stiftung anzunehmen. Somit können die schadhaften Skulpturen am Josephskreuz restauriert werden. Doch als es um 45.000 Euro von der Firma Ante fürs Grüne Klassenzimmer und die Fluchtwege für die Grundschule Rottleberode ging, erhitzten sich die Gemüter. Weder Bauausschuss noch Gemeinderat, erinnerte der Ratsvorsitzende Andreas Schmidt (Bürgerliche Mitte Südharz), waren vorm Baubeginn informiert worden.

Nun habe er recherchiert, doch selbst in den Sitzungsunterlagen aus dem Jahr 2012 nichts über ein Grünes Klassenzimmer an der Grundschule gefunden: „Es gibt kein Projekt, das mal beschlossen worden ist - für das Grüne Klassenzimmer.“ Trotzdem sei im März einfach mit den Bauarbeiten begonnen worden. Mehrfach hätten Ratsmitglieder den Bürgermeister auf seine Informationspflicht hingewiesen, so Schmidt: „Sieben Wochen lang habe ich nachgefragt!“ Nur reichten eben „drei dürre Sätze“ nicht aus. Zudem sei die Baustelle nicht ausreichend gesichert. Am liebsten hätte er den Beschluss über die Annahme der Spende vertagt.

Bürgermeister Ralf Rettig weist Vorwürfe zurück

„Die Informationspflicht“, räumte Bürgermeister Ralf Rettig (parteilos) zum wiederholten Mal ein, „das ist an mir vorbeigegangen.“ Die Vorwürfe weise er aber zurück. Denn bei den Ausschreibungen für die Planung der Grundschule habe das Grüne Klassenzimmer sehr wohl eine Rolle im pädagogischen Konzept gespielt: „Es war Bestandteil der Planung“, sei bloß nie fertiggestellt worden. „Die Firma Ante hat sich bereiterklärt, das Grüne Klassenzimmer und die Fluchtwege zu sponsern.“ Das sollte schon vor zwei, drei Jahren passieren.

„Es gehören erst einmal alle Unterlagen transparent auf den Tisch“, forderte Björn Schade (Freie Wählergemeinschaft Schwenda). Sie müssten zuerst im Bauausschuss vorliegen, stimmte Peter Kohl (Uftrunger Liste) zu. In einer Sitzung sei festgelegt worden, erinnerte Christiane Funkel (Bündnis für den Südharz), „dass der Bürgermeister zeitnah die Unterlagen zuschickt“. Das, bot Bauamtsleiter Michael Henze an, würde er gleich am Donnerstag erledigen, sofern er die Genehmigung erhalte.

Konsequenzen gefordert

Rottleberodes Ortsbürgermeisterin Helga Rummel (Bürgervertretung Rottleberode) versuchte ebenfalls zu schlichten: „Es geht um unsere Kinder.“ Ihnen komme doch das Grüne Klassenzimmer zugute, warb sie, und nicht zuletzt helfe die Firma Ante allen 17 Ortsteilen mit Holz. Auch Clemens Ritter von Kempski wollte vermitteln. Die Vorgehensweise sei „aufs Schärfste zu kritisieren“, warf er Rettig vor und forderte Konsequenzen. Trotzdem „müssen wir einen Weg finden, Schaden von der Firma Ante abzuhalten“. Das Ganze bringe das Unternehmen in eine schwierige Situation. Die Firma will ihr Betriebsgelände erweitern, was Uftrungen ablehnt.

Zurzeit, stellte Rettig fest, seien die Bauarbeiten ohnehin unterbrochen und würden erst in den Pfingstferien fortgesetzt. Nach dem Abschluss werde die Firma ihre Leistungen per Rechnungslegung nachweisen, die Gemeinde das alles prüfen und erst dann die Spendenquittung ausstellen. Kämmerer Lars Wiechert gelang es, einen Kompromiss zu finden. Der Gemeinderat stimmte unter Vorbehalt und bei zwei Gegenstimmen zu, die Spende doch anzunehmen. Nun sollen die Mitglieder des Bauausschusses die entsprechenden Unterlagen bekommen und entscheiden, ob sie ausreichen. Am Donnerstag, heißt es, hätten sie vergeblich gewartet. (mz)