Fahrradbauer Mifa

Fahrradbauer Mifa: Neuer Investor plant kleine und feine Produktion

Sangerhausen - Für Werksneubau an der Autobahn gibt es jetzt erste Interessenten.

Von Karl-Heinz Klarner 30.06.2017, 14:00

Die Tür zur alten Produktionshalle des insolventen Fahrradbauers Mifa steht offen. Es ist schummrig. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Doch das könnte sich bald wieder ändern.

Potenzieller neuer Investor will Mifa-Produktion an alten Standort im Sangerhäuser Zentrum verlagern

Nach Angaben von Mifa-Insolvenzverwalter Lucas Flöther gibt es einen Investor für die traditionsreiche Fahrradschmiede, der die Produktion von der Peripherie der Stadt wieder an den alten Standort im Zentrum verlagern möchte. An die Stelle, die für Alteigentümer Heinrich von Nathusius als unrentabel galt. Vor allem die Innenstadtlage und fehlende Möglichkeiten der Erweiterung des Werkes wurden seinerzeit kritisiert.

Das ist jetzt offenbar anders. „Der neue Investor plant mit einer kleinen und feinen Produktion“, sagt Mark Lange von der Standortmarketinggesellschaft Mansfeld-Südharz, die das Gelände im Auftrag des Landkreises Mansfeld-Südharz vermarktet. Der hat das Grundstück seit einer vergeblichen Rettungsaktion der damaligen Mifa Aktiengesellschaft in seinem Besitz.

Lange gibt sich nach einem ersten Gespräch mit dem Investor zuversichtlich, dass die Fahrradproduktion in der Berg- und Rosenstadt nach über 110 Jahren erhalten bleibt. Zudem macht er auf einen weiteren Aspekt aufmerksam. Mit dem Umzug der Fahrradschmiede an den alten Standort wird die neu gebaute Halle am Autobahndreieck der Südharzautobahn A 38 und der A 71 frei. Das biete Interessenten weitere Ansiedlungsmöglichkeiten. „Wir haben in jüngster Zeit vermehrt Anfragen nach solchen Objekten,“ berichtet Lange. Doch der 17 Millionen Euro teure Neubau gehört nicht zur Insolvenzmasse, sondern ist immer noch im Besitz der Familie Nathusius.

Bei Verlagerung der Mifa-Produktion verliert von Nathusius Pächter für neue Halle

Heinrich von Nathusius steht der jüngsten Entwicklung dennoch aufgeschlossen gegen. Immerhin hatte er sich und die bayrische Unternehmerfamilie Puello bis zuletzt um den Sangerhäuser Fahrradbauer bemüht. Doch Insolvenzverwalter Flöther hat sich anders entschieden. „Ich finde es gut, dass es einen neuen Investor für die Mifa gibt, vor allem, wenn die Arbeitsplätze erhalten bleiben“, sagt der 74-Jährige. Dass er mit Verlagerung der Produktion einen Pächter verliert, stört ihn offenkundig nicht. „Die Halle liegt verkehrstechnisch so günstig an der Autobahn, dass wir schnell neue Mieter finden werden“, ist von Nathusius zuversichtlich.

Er könnte die Hallen auch an Logistik-Unternehmen oder andere Industriefirmen verkaufen oder vermieten. Ob dadurch jedoch die Baukosten wieder eingespielt werden können, ist offen. Zudem wurde der millionenschwere Bau zum großen Teil durch Kredite und staatliche Zuschüsse finanziert. Mehr als 900.000 Euro Förderung soll der Unternehmer nun an das Land Sachsen-Anhalt zurückzahlen, weil die zugesicherten 500 Arbeitsplätze nicht erhalten blieben.

Perspektive für verbliebene 130 Mifa-Mitarbeiter

Immerhin scheinen die verblieben 130 Mitarbeiter eine Perspektive zu haben. „Das hört sich alles sehr gut an“, sagt Michael Perner von der Industriegewerkschaft Metall und reflektiert dabei auf ein Gespräch des Mifa-Betriebsrates mit dem neuen Investor. Von dem ist lediglich bekannt, dass er als Zulieferer für die Automobilindustrie agiert und alle Beschäftigten übernehmen will.

Insolvenzverwalter Flöther rechnet in den kommenden Tagen mit dem Abschluss der Verhandlungen. Dann soll das Geheimnis um die Identität des Investors gelüftet werden. Bis dahin hatten beide Seiten Stillschweigen vereinbart. (mz)