Kriminalität im Wandel

Drogen, Cyberkriminalität und Co.: Wie sicher lebt es sich in Mansfeld-Südharz?

Drogen, Enkeltrick und Personalnot bei der Polizei waren unter anderem Thema bei der Veranstaltung rund um die Sicherheit im Kreis. Der Polizeichef sprach über neue Aufgaben, die die Ermittler bei ihrer Arbeit in Mansfeld-Südharz sehen.

Von Frank Schedwill 13.05.2022, 17:15
Die Sicherheit in Mansfeld-Südharz war Thema bei einer Veranstaltung im Sangerhäuser Rosarium.
Die Sicherheit in Mansfeld-Südharz war Thema bei einer Veranstaltung im Sangerhäuser Rosarium. (Foto: Jens Büttner/zb/dpa/Symbolbild)

Hettstedt/Eisleben/Sangerhausen/MZ - Die Polizei in Mansfeld-Südharz steht in den nächsten Jahren vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen. Das sagte Tino Böttger, der amtierende Leiter des Polizeireviers, am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung zur „Inneren Sicherheit“ im Glashaus des Rosariums Sangerhausen, zu der die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung eingeladen hatte. Das Forum konnte vor Ort und im Internet verfolgt werden.

Zunahme von Internet-Betrugsmaschen

Böttger nannte zum einen die demografische Entwicklung mit einer älter werdenden Gesellschaft sowie neue Formen von Kriminalität, bei der auch die Globalisierung eine Rolle spiele. Er erinnerte an die wachsende Kriminalität im Internet und an Betrüger, die beispielsweise mit dem Enkeltrick oder ähnlichen Maschen immer wieder insbesondere ältere Menschen abzocken.

Für den Enkeltrick müsse man nicht in Mansfeld-Südharz vor Ort sein, sondern es reiche dazu ein Callcenter irgendwo auf der Welt, sagte der Kriminaloberrat. Dazu komme das mittlerweile oftmals unkalkulierbare Verhalten von Drogenkonsumenten. Die Polizei müsse dem etwas entgegensetzen. Dafür benötige sie Personal.

Personalnot bei der Polizei

Eine ganze Reihe Stellen innerhalb der Polizei seien in der Vergangenheit aber „abgeschmolzen worden“. Im Gegenzug gebe es mehr Aufgaben, erinnerte er beispielsweise an die vielen Corona-Demos, die die Polizei absichern musste. Viele seiner Kollegen gingen zudem in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Und die Einstellungszahlen seien nicht so, wie man sie sich wünschen würde.

„Wir fahnden deshalb nicht nur nach Verbrechern, sondern auch nach neuen Kollegen“, sagte Böttger. Generell lebten die Menschen in Mansfeld-Südharz aber in einer relativ ruhigen Region, verwies der Polizeichef auf die vor einigen Wochen veröffentlichte Kriminalstatistik. Demnach ist die Zahl der Straftaten auch dank der guten Arbeit der Ermittler deutlich gesunken.

„Die Sicherheit in Mansfeld-Südharz ist sehr hoch“, sagte Böttger. Gehe man von der sogenannten Häufigkeitszahl aus, also der Zahl der Delikte je 100.000 Einwohner, gebe es in MSH die wenigsten Straftaten im gesamten Bereich der Polizeiinspektion Halle, die außer für Mansfeld-Südharz, für den Burgenlandkreis, den Saalekreis und die Stadt Halle zuständig ist.

Straftatbestände in Mansfeld-Südharz unter dem Landesdurchschnitt

Auch liege Mansfeld-Südharz - was Straftaten anbelangt - deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Landesinnenministerin Tamara Zieschang (CDU) verwies auf die Anstrengungen des Landes, mehr Polizisten einzustellen und deren Ausstattung zu verbessern.

„Wir wollen die Polizeistrukturreform vollenden.“ Dazu gehörten 7.000 Polizeibeamte im Land. Im Moment sei man bei etwas mehr als 6.000. „Wir haben also noch einen Weg zu gehen“, so Zieschang. Sangerhausens CDU-Stadtrat Thomas Klaube, der auch Stadtwehrleiter ist, sprach die Feuerwehr und deren Nachwuchssorgen an.

Mehr Aufklärung in Sachen Drogen gefordert

Außerdem treibt Klaube das Thema Rauschgift um. Er sei Vater eines bald neunjährigen Jungen und habe Angst, dass dieser künftig auch mit Drogen in Kontakt komme. Er habe den Eindruck, dass es viele mittlerweile als normal ansehen, dass 14- oder 15-Jährige Drogen wie Marihuana konsumierten.

Böttger riet zur Aufklärung. „Das ist das A und 0“, sagte er. Junge Leute müssten die negativen Folgen der Substanzen kennen. Cannabis sei eine Einstiegsdroge. Härtere Drogen wie beispielsweise Crystal Meth führten schnell in die Anhängigkeit und zu gravierenden Schäden. Deshalb befürworte er keine Freigabe von Cannabis, wie sie die Ampelkoalition in Berlin plant.

In den gut eineinhalb Stunden wurden von den etwa zehn Gästen im Glashaus weitere Themen angesprochen - bis hin zum Rettungsdienst oder Zivilschutz. Nur war die Liveübertragung auf Youtube so schlecht, dass das Bild stockte und die Redner streckenweise nicht zu verstehen waren. Für die wenigen Zuschauer, die wie der Autor dieses Textes das Forum im Netz verfolgten, war es so anstrengend ihnen zu folgen.