Dorfleben

Dorfleben: Wie Wolfsberg dem demografischen Wandel begegnet

Wolfsberg - Karin Holden hat gekocht. Die Schüsseln unter den Arm geklemmt, macht sie sich auf den Weg zum Nachbarhaus. Sie wohnt direkt am Feldrand, der Blick fällt auf die schräg am Hang liegende Ortschaft, die flatternden Fahnen am Mast vor ihrem Haus zeigen die Stationen ihres Lebens: Bayern, die Vereinigten Staaten, Großbritannien und jetzt Wolfsberg. Die Deutschamerikanerin ist angekommen. Hier, im kleinen Sangerhäuser Ortsteil, fühlt sie sich zu Hause. „Mein Mann Clive und ich haben uns bewusst für das Dorfleben in Deutschland entschieden“, sagt die 66-Jährige. „Hier haben wir eine Gemeinschaft gefunden, die gut ...

Von Lucas Wölbing

Karin Holden hat gekocht. Die Schüsseln unter den Arm geklemmt, macht sie sich auf den Weg zum Nachbarhaus. Sie wohnt direkt am Feldrand, der Blick fällt auf die schräg am Hang liegende Ortschaft, die flatternden Fahnen am Mast vor ihrem Haus zeigen die Stationen ihres Lebens: Bayern, die Vereinigten Staaten, Großbritannien und jetzt Wolfsberg. Die Deutschamerikanerin ist angekommen. Hier, im kleinen Sangerhäuser Ortsteil, fühlt sie sich zu Hause. „Mein Mann Clive und ich haben uns bewusst für das Dorfleben in Deutschland entschieden“, sagt die 66-Jährige. „Hier haben wir eine Gemeinschaft gefunden, die gut funktioniert.“

Wolfsberg stellt sich den Veränderungen

Wolfsberg hat sich wie viele andere Orte auch in den letzten Jahrzehnten verändert. Die Bevölkerung ist zurückgegangen, Arbeitsplätze in der Nähe fehlen, die Gemeinde hat ihre Eigenständigkeit eingebüßt. Trotzdem gehört das Dorf nach Ansicht des Landesheimatbundes (LHB) zu den Kommunen im Land, die sich diesem Wandel tapfer gestellt haben.

„In Wolfsberg gibt es wohl einen sehr starken sozialen Zusammenhalt zwischen den Bürgern, der vieles abfedert“, meint Projektreferentin Ulrike Dietrich mit Blick auf die ehrenamtliche Organisation, die den Ort am Laufen hält. Für den LHB handelt es sich deshalb um eines von drei Musterbeispielen im Landkreis, die im Rahmen einer „Sommerharzreise“ besucht werden. Auch Hainrode und Benndorf sind dabei - oder besser gesagt: die großen Vereine dieser Dörfer.

„Das Dorfleben liegt dieser Tage wieder im Trend“, sagt Dietrich. „Menschen nehmen oft auch berufliche Hürden in Kauf, um ihrem Heimatort treuzubleiben. Wir fragen, warum das so ist.“ Demografischer Wandel - immer wieder schwebe dieser Begriff, wie sie findet, über den kleinen Ortschaften. Doch von Überalterung will in Wolfsberg niemand etwas hören.

Viele junge Familien ziehen nach Wolfsberg

„An jungen Familien mit Kindern haben wir regen Zuzug“, schätzt Ortsbürgermeister Udo Lucas (CDU). „Doch auch unsere ältere Generation arbeitet aktiv mit.“ Dass Wolfsberg so ein attraktiver Wohnort ist, erklärt er sich vor allem durch die Arbeit des Feuerwehr-Dorfgemeinschaftsverein, der zahlreiche Bürger einspannt.

Hier gibt es ein Schwimmbad, zwei Tennisplätze und eine Bücherei mit mehr als 1.000 Bänden. „Alles wird nur durch Ehrenamtliche gestemmt“, bemerkt Lucas. Selbst Neuankömmlinge wie Karin Holden sind schnell Teil dieses Gefüges geworden. „Jeder leistet hier seinen Teil zum Erhalt der Gemeinschaft“, findet sie. Auf eigene Initiative hin habe sie mit Kindern aus dem Ort einen Englisch- und Kochkurs gestartet. „Ich glaube, das macht das Dorfleben erst aus“, sagt sie. „Wir profitieren voneinander.“ (mz)