Die Botschafterin

Diana Ruppe aus Riestedt ist Deutschlands erste Elsbeerkönigin

In dieser Rolle will die Forstingenieurin auch über ihre Branche aufklären.

Von Grit Pommer 26.09.2021, 14:00
Diana Ruppe aus Riestedt ist Deutschlands erste Elsbeerkönigin.
Diana Ruppe aus Riestedt ist Deutschlands erste Elsbeerkönigin. Foto: Maik Schumann

Riestedt/MZ - Sie ist 25, kommt aus Riestedt und ist Deutschlands allererste Elsbeerkönigin - beim Waldtag am Wil-denstall hat Diana Ruppe jetzt die Krone überreicht bekommen, die sie zur offiziellen Vertreterin einer bisher noch wenig bekannten Baumart macht.

Dabei gibt es die Elsbeere auch hier in der Region schon seit etlichen Jahren. Bei Pölsfeld existiert sogar eine ganze Plantage dieser Baumart, die in den Dürrejahren seit 2018 eine völlig neue Bedeutung erlangt hat. Gehört sie doch zu jenen, die mit Trockenheit relativ gut zurechtkommen. Deshalb finden sich unter den Setzlingen, die im Zuge des Waldumbaus in der Region aufgeforstet werden, immer wieder auch kleine Elsbeeren.

Die neue Elsbeerkönigin indes soll nicht nur eine charmante, sondern auch fachkundige Botschafterin des Themas sein. Deshalb fiel beim Verein „Unser Wald“, der die neue Hoheit aus der Taufe gehoben hat, die Wahl auf Diana Ruppe. Denn sie ist nicht nur Mitglied im Verein, sondern auch beruflich im Wald unterwegs. Die Riestedterin arbeitet als Funktionsingenieurin im Betreuungsforstamt Naumburg des Landeszentrums Wald.

Das Forstamt betreut die Bestände privater Waldbesitzer zwischen Freyburg und Zeitz. „Da sind an den Hängen auch einige Elsbeeren zu finden, manche sind bis zu 120 Jahre alt“, erzählt Ruppe. „Man muss sie ein bisschen rauspflegen, aber der Förster dort hat ein gutes Händchen dafür.“

Die Elsbeere, die kalkhaltigen Boden braucht, komme mit Trockenheit fast noch besser klar als die Eiche. Zur Leitbaumart werde sie deshalb nicht werden. „Aber man kann immer mal ein schönes Stämmchen dazwischen haben“, sagt Ruppe. Wie man überhaupt versuche, beim Aufforsten auch einiges an Obstgehölzen wie Speierling und Kirsche mit reinzubringen.

Die neue Königin ahnt, dass sie in Sachen Elsbeere in ihrer bevorstehenden Amtszeit erst mal einiges an Aufklärungsarbeiten zu leisten haben wird. Die Baumart mit ihrem besonders harten, schön gemaserten und rötlich schimmernden Holz sei bisher kaum jemandem ein Begriff. „Wenn überhaupt, dann haben die Leute schon mal was vom Elsbeerschnaps gehört“, sagt Diana Ruppe und lacht.

Informieren will sie aber sehr gern, sieht darin sogar ihre Hauptmission als grüne Hoheit. „Mir geht es darum, eine Botschafterin der Forstwirtschaft zu sein. Zu erklären, was wir eigentlich machen und warum wir es tun“, sagt sie. Denn gerade in letzter Zeit, so jedenfalls ist ihr Eindruck, habe diese Branche einen eher schlechten Ruf. Jedenfalls in den Großstädten, wo mancher Forsten mit Raubbau am Wald gleichsetze.

Für Diana Ruppe war als Schülerin nach einem Praktikum im Forstbetrieb in Obersdorf schnell klar: Das wird ihr Beruf. Nach dem Abi studierte sie Forstwissenschaften an der Fachhochschule in Erfurt. Was den Forst von der Landwirtschaft unterscheidet - das Denken und Arbeiten in sehr langen Zeiträumen - ist gerade das, was sie begeistert. Wenn man heute etwas in den Wald pflanzt und pflegt, wird es erst in zwei bis drei Generationen geerntet. Genau so, wie man heute erntet, was vorherige Generationen gepflanzt haben.

Vielleicht wird man ja im 22. Jahrhundert von der Renaissance der Elsbeere im mitteldeutschen Raum sprechen. Und von der Wahl der allerersten deutschen Elsbeerkönigin im Jahr 2021.