Burg und Schloss Allstedt

Burg und Schloss Allstedt: Berliner Ritter planen Jugendbegegnungszentrum

Allstedt - Der Verein strebt an das Mitverhältnis in der Vorburg zu verlängern. Die Stadt spielt mit dem Gedanken, das Gebäude eventuell zu verkaufen.

Von Beate Thomashausen 12.10.2016, 09:56

Ein Jugendbegegnungszentrum in der Vorburg von Schloss Allstedt? Wenn es nach den Berliner Rittern geht, dann ist das schon bald Realität. Bislang arbeitet der Verein bereits mit evangelischen Kindergärten zusammen und bietet zum Beispiel Ritterolympiaden und Abenteuerwanderungen an. „Das kann man aber auf jeden Fall noch ausbauen“, sagt Manfred Zielsdorf, einer der insgesamt rund 70 Berliner Ritter. Ob das Jugendbegegnungszentrum einmal Wirklichkeit wird? In Allstedt deuten viele Zeichen darauf.

Derzeit läuft nämlich eine Ausschreibung. Die Stadt Allstedt will die Vorburg veräußern. Ein neues Gutachten sei erstellt worden, so Hauptamtsleiterin Andrea Kögel. Demnach will die Stadt die Vorburg für mindestens 75 000 Euro an den Mann bringen. „Natürlich können die Berliner Ritter da mitbieten“, so Kögel. Indes gibt es gegenwärtig noch keinen einzigen Bieter.

Mietvertrag zwischen Stadt und Verein läuft im Januar aus

Die Zeit drängt, dass Entscheidungen getroffen werden. Der Mietvertrag zwischen Stadt und Verein läuft Ende des Jahres aus. „Wir haben vorsorglich gekündigt“, sagt Kögel. Bei den Berliner Rittern weiß man davon nichts. Hans Dieter Grützner, eines von drei Allstedter Vereinsmitgliedern: „Ich habe auch schon davon gehört, dass man uns gekündigt haben will. Aber wir haben bisher nichts Schriftliches in der Hand.“

Der Ritterorden des Heiligen Erlösers von Mont-Réal möchte gern die Burg Querfurt zu seinem Stammsitz machen. Im vorigen Jahr hatte der Ritterorden schon ein sogenanntes Großkapitel auf der Burg abgehalten. Einen Stammsitz in Deutschland zu haben hat Vorteile: eine feste Postadresse und damit einen Ort, an dem das deutsche Priorat vierteljährlich zusammenkommen könnte oder im Wechsel mit Frankreich und Belgien zum Großkapitel. Außerdem können dort Dokumente eingelagert werden.

Unterstützung bekommt der Ritterorden von der Kommunalpolitik: Landrat Frank Bannert (CDU) erklärte jetzt, er wolle den Wunsch der Ritter unterstützen. Zuvor muss allerdings noch ein Vertrag erarbeitet werden. (mz)

Um die Verwirrung vollständig zu machen: Bürgermeister Jürgen Richter (CDU) äußerte am Telefon gegenüber der MZ, dass es auch zu einer Verlängerung des Mietverhältnisses kommen könnte, falls Allstedt Ende des Jahres noch immer im Besitz der Vorburg sei. Was sehr wahrscheinlich ist. Über welchen Zeitraum der Mietvertrag dann verlängert würde, ließ er jedoch offen.

Zielsdorf ist gern in Allstedt, sagt er, und würde nur ungern die Vorburg wieder verlassen. Angebote anderer Burgen habe es bereits gegeben, sagt er. Aber seit 2010 saniert der Verein Berliner Ritter schon das Vorschloss. Viel Schweiß und mancher private Euro floss, denn auch Förderungen waren dem Verein bislang verwehrt, da es keinen langfristigen Pachtvertrag gibt, den Fördermittelgeber sehen wollen. Dennoch sagt Zielsdorf: „Wir haben bereits ein Drittel des Gebäudekomplexes gesichert, den Innenbereich saniert und renoviert.“ Das lasse man nicht einfach so hinter sich.

Berliner Ritter bieten an, den barocken Saal der Vorburg zu erneuern

Allerdings steht es nicht auf der Agenda des Vereins, die Vorburg selbst zu kaufen. Grützner: „Wir halten daran fest: Wir wollen langfristig pachten und nicht kaufen.“ Schon die Vermessungskosten, die ein Käufer aufzubringen hätte, würden den fünfstelligen Bereich ankratzen. „Und da ist noch nichts investiert“, sagt Grützner.

Offenbar stirbt für einen echten Ritter die Hoffnung zuletzt: Auf der To-do-Liste im Verein steht nämlich jetzt nicht Kopf-in-den-Sand-stecken, sondern weitermachen. Mit der Rettung des barocken Saals im Vorschloss. Dieser befinde sich in einem beklagenswerten Zustand, meint Zielsdorf. Ein bis zwei Jahre, so schätzt er, würde es dauern, wenn die Ritter sich des Saales annehmen würden.

Bislang sei von der Stadt Allstedt nicht gewünscht worden, dass der Verein diese Arbeiten erledigt, sagt Zielsdorf. Dort sieht man die anstehende Instandsetzung auf der Vorburg besser bei Fachfirmen aufgehoben, die man allerdings nicht bezahlen kann. Zielsdorf sieht seine Leute durchaus imstande, die Arbeiten ordnungsgemäß auszuführen. „Wir sind ja nicht Ritter von Beruf, sondern die meisten von uns bringen auch die Qualifikation mit, um solche Bauvorhaben zu stemmen.“

Verein möchte neue Angebote für die Allstedter Jugend schaffen

Ganz allein auf weiter Flur sieht sich Zielsdorf nicht in Allstedt. „Es werden immer mehr Bürger, die sich für uns und unsere Arbeit interessieren, uns mit Spenden unterstützen wie jüngst das Ehepaar Hussels“, freut er sich und hofft, mit den Taten der Berliner Ritter überzeugen zu können. Beinahe fertig geworden ist erst in den letzten Tagen die Waffenkammer der Berliner Ritter. Eine schwere Eisengittertür wartet noch darauf, verbaut zu werden. Schließlich sollen die Schätze der Ritter sicher aufbewahrt werden.

Im Nachbarraum sieht es aus, als ob der Alchemist nur gerade mal eben ein paar frische Kräuter sammelt. Fachliteratur in Biochemie und Medizin steht in den Regalen. „Wir haben auch die Leute in unseren Reihen, die das zu nutzen wissen“, sagt Vincent Zielsdorf stolz. Biochemiker und Ärzte haben sich den Berliner Rittern auch angeschlossen.

Dass in Allstedt dringend Angebote für junge Leute gesucht werden, sei erst jetzt wieder bei der öffentlichen Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten deutlich geworden, stellen Vater und Sohn Zielsdorf fest. „Wir sind bereit, uns einzubringen. Und wir hoffen natürlich, dass unser Angebot angenommen wird.“ (mz)