Archäologie

Archäologie: Funde wie ein Fünfer im Lotto

Riestedt/MZ/sro. - Die archäologische Betreuung der Baustelle Mansfelder Straße in Riestedt brachte gleich mehrere aufsehenerregende Funde. Für die zwei außergewöhnlichsten Gegenstände bemühte Olaf Kürbis, betreuender Archäologe des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt, einen Experten, um sie einordnen zu können. "Es sind zwei verzierte Knochentäfelchen, wie sie in der Brettchenweberei benutzt wurden", erläutert der Archäologe Björn ...

21.08.2003, 16:45

Die archäologische Betreuung der Baustelle Mansfelder Straße in Riestedt brachte gleich mehrere aufsehenerregende Funde. Für die zwei außergewöhnlichsten Gegenstände bemühte Olaf Kürbis, betreuender Archäologe des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt, einen Experten, um sie einordnen zu können. "Es sind zwei verzierte Knochentäfelchen, wie sie in der Brettchenweberei benutzt wurden", erläutert der Archäologe Björn Schlenker.

Der Knochenexperte kennt solche Objekte aus dem Landesmuseum von Baden-Württemberg. Im mitteldeutschen Raum kennt Kürbis keine vergleichbaren Funde. "Sie sind übrigens in einem sehr guten Erhaltungszustand", sagt er. Für den Grabungszeichner Heinz Noack war dieser Fund "wie ein Fünfer im Lotto". Die Knochentäfelchen kamen in der Nähe des Ratskellers aus einer rund 70 Zentimeter unter der Straße liegenden Schicht zutage.

Die dabei als Begleitfunde aufgetretenen Keramikscherben, stammen aus der Kaiserzeit und lassen auch auf das Alter der verzierten und durchbohrten Täfelchen schließen: rund 1 800 Jahre. Schlenker schätzt diese Knochentäfelchen als "museal" ein. Vielleicht finden sie einen Platz in der neuen Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle.

Dorthin hatte Riestedt schon einmal ein Exponat geliefert. Es war ein Teil eines Eisenschmelzofens, den der verstorbene Bodendenkmalpfleger Rudolf Allmann entdeckt hatte. Auch bei den Grabungen in den vergangenen Wochen kamen wiederholt Reste solcher Schmelzöfen ans Tageslicht. Bei der Begutachtung der Funde war Olaf Kürbis besonders von Mantelresten eins Ofenoberteils begeistert, mit denen man die Art des Aufbaus und den Durchmesser rekonstruieren kann. Sogar bei den Keramikscherben und den Tierknochen gibt es außergewöhnliche Funde: Einmal handelt es sich um die Scherbe eines römischen Importgefäßes aus der Terra-Sigillata-Produktion. Es kam möglicherweise über Handelswege in das freie Germanien und bis in unsere Gegend. Bisher sind aus dem Mansfelder Gebiet erst vier Funde dieser Art bekannt. Ein außergewöhnlich großer Zahn ließ den Archäologen Kürbis ebenfalls stutzen, dann sagt er: "Auf den ersten Blick würde ich meinen, es handelt sich um den Eckzahn eines Bären."

Während der Bergungsarbeiten war neben dem Grabungszeichner auch der ortsansässige Bodendenkmalpfleger Frank Philippczyck oft dabei und konnte sich über seinen ersten Metallfund, eine Nadel, freuen. Zusammen mit den vielen Keramikscherben, Verhüttungsresten, Schlackestücken und Knochenfragmenten wird sie im Fundmagazin des Landesamtes für Archäologie in Halle künftig ihren Platz finden.