Amerikanerin in Wolfsberg

Amerikanerin in Wolfsberg: Wie Kinder beim Kochen Vokabeln pauken

Wolfsberg - Karin Holden lässt heute kochen. Lässig lehnt die Frau mit den kurzen, rot-braunen Haaren und dem knalligen Lippenstift über ihrer Küchenzeile und sieht zu, wie Buttermilch, Salatblätter und Hackfleisch auf bunte Schüsseln und Pfannen verteilt ...

Von Lucas Wölbing

Karin Holden lässt heute kochen. Lässig lehnt die Frau mit den kurzen, rot-braunen Haaren und dem knalligen Lippenstift über ihrer Küchenzeile und sieht zu, wie Buttermilch, Salatblätter und Hackfleisch auf bunte Schüsseln und Pfannen verteilt werden.

Ein kleiner, brauner Hund schaut neugierig durch die angelehnte Tür, wo drei Paar Kinderschuhe stehen. „Das ist nicht meiner“, erklärt Karin Holden, als sie ihn streichelt. „Der gehört den Nachbarn, ist aber ständig bei mir.“ Und dann wuselt die kleine, quirlige Person auch schon wieder quer durch die Küche und landet im offenen Wohnzimmer.

Schultaschen und Hefte liegen verstreut - alles in Englischer Sprache. Sie gehören den kleinen Köchinnen, die gerade bei Holdens am Herd stehen, denn samstags schmeißen sie hier die Küche.

Amerikanerin Holden zog von Florida nach Wolfsberg

„Ich habe ihnen alles beigebracht, was sie wissen müssen“, sagt Holden. „Mittlerweile muss ich kaum noch helfen.“ Wenn sie spricht, in einem ganz klaren Hochdeutsch, deutet nichts auf ihre Herkunft hin. Karin Holden lebt noch nicht lange in Wolfsberg, die Harzidylle haben die Amerikanerin und ihr britischer Mann erst kürzlich gegen die Strände Floridas eingetauscht. Hier haben sie ein eigenes Häuschen mit kleinem Garten.

„Und das hier ist der Ersatz für meine Enkel, die weit weg sind“, sagt die 66-Jährige mit einem Schwenk über die drei Mädchen in der Küche: Jassi, Joline und Charleen kommen einmal pro Woche zu ihr. In der Küche sprechen sie nur Englisch und im Anschluss wird im Wohnzimmer geübt.

„Lernen durch ausprobieren, sage ich immer“, meint Karin Holden. „Wir verknüpfen einfach das Nützliche mit der fremden Sprache.“ Cooking in English, nennt die Wahl-Wolfsbergerin das. Mal gibt es mexikanische Taccos, mal Chinesisch und manchmal auch Spaghetti und am Essenstisch werden Vokabeln geübt.

„Eigentlich kennen wir schon alles, was es im Haushalt gibt, auf Englisch“, erzählt Joline (9). Als dasselbe dann im Unterricht dran kam, konnten sie und ihre Zwillingsschwester Charleen mitreden. „Wir kannten ja schon alles von Karin.“

Nein, eine Lehrerin sei sie nicht, sagt Holden und lacht. „In Florida war ich Innenarchitektin, aber wer braucht so etwas schon im kleinen Wolfsberg?“ Jetzt genießt sie mit ihrem Mann Clive den Ruhestand.

Holden stammt ursprünglich aus Deutschland

Sie stamme ja aus Deutschland, nur sind ihre Eltern schon vor über 50 Jahren mit ihr ausgewandert, berichtet sie. „Und im Alter wollte ich einfach zurück.“

Alles sei ein wenig anders im Harz, bekennt sie. „Mit den Mädchen will ich gesund kochen. Darauf legen Deutsche ehrlich gesagt mehr Wert als Amerikaner.“ In Schalen liegt frisches Obst und Gemüse, auf dem Regal reihen sich Gewürzdosen ein. „Es ist schwer, auf dem Dorf, die exotischen Zutaten zu finden, die ich gewohnt bin“, weiß die Küchenchefin. „Für Koriander muss ich bis Leipzig fahren.“ Endlich ist das Mittagessen fertig. Die zehnjährige Jassi holt das Geschirr aus dem Schrank. „Deutsche Küchen sind viel kleiner“, bemerkt Holden dabei.

Immer samstags lässt sie ihre Eltern am Mittagstisch allein, erzählt Jassi. „Dann komme ich zu Karin, um zu lernen. Und sonntags bin dann oft ich diejenige, die ihre Familie bekocht. Das macht mich stolz.“

Und auch Karin Holden lächelt zufrieden, als sie beobachtet, wie die drei Mädchen, die sie einst im Wolfsberger Freibad kennengelernt hat, munter auf Englisch schwatzen - als wäre es ihre Muttersprache. „Leider kann ich bei mir zu Hause nur mit wenigen Kindern kochen“, sagt sie. „Aber spätestens nächstes Jahr wollen wir ins Gemeindehaus gehen und dann können die Mädchen noch Freunde einladen.“ (mz)