Alarmübung im Wald

Alarmübung im Wald: Forstarbeiter und Rettungskräfte üben Einsatz

Sangerhausen - Forstarbeiter Rico Gothe liegt am Boden - irgendwo im Nirgendwo zwischen dem Forsthaus Wildenstall und Wippra. Gerade eben hat ihn ein herabfallender Ast am Kopf getroffen. Die Wunde blutet. Forstwirt Rainer Kretzscher übernimmt die Erstversorgung, kümmert sich um den Verletzten. Ein Szenario, wie es tagtäglich passieren kann. Zum Glück ist es diesmal kein Ernstfall, das Ganze ist eine ...

Von Ralf Kandel

Forstarbeiter Rico Gothe liegt am Boden - irgendwo im Nirgendwo zwischen dem Forsthaus Wildenstall und Wippra. Gerade eben hat ihn ein herabfallender Ast am Kopf getroffen. Die Wunde blutet. Forstwirt Rainer Kretzscher übernimmt die Erstversorgung, kümmert sich um den Verletzten. Ein Szenario, wie es tagtäglich passieren kann. Zum Glück ist es diesmal kein Ernstfall, das Ganze ist eine Übung.

Der Landesforstbetrieb Süd erstreckt sich über die Landkreise Harz, Mansfeld-Südharz, den Saale- und Burgenlandkreis sowie Teile des Stadtgebietes von Halle. Er umfasst insgesamt eine Fläche von rund 22 000 Hektar. Holger Koth ist Leiter des Betriebes. Selbst für den Einsatz im Wald gibt es für die Rettungskräfte festgelegte Normzeiten. Der erste Rettungswagen sollte im Ernstfall nach zwölf Minuten vor Ort sein, der Notarzt nach 20 Minuten. Bemerkenswert: Während das Auto des Notarztes mit Allrad ausgestattet ist, fehlt dieser bei den „normalen“ Einsatzfahrzeugen.  (rak)

Die wiederum läuft wie am Schnürchen. Kretzscher fordert telefonisch Hilfe an. Inzwischen ist ein zweiter Arbeiter vor Ort, unterstützt ihn. Während Rico Gothe noch reglos am Boden liegt, macht sich Rainer Kretzscher auf den Weg. Sein Ziel ist ein Rettungspunkt, der sich an der Kreuzung Kohlenstraße/Wildenstall befindet. Hier nimmt er kurze Zeit später den herbeigerufenen Notarzt und die in einem zweiten Fahrzeug ankommenden Rettungssanitäter in Empfang. Gemeinsam geht es zum Verunglückten, medizinische Erstversorgung und der Abtransport des Verletzten folgen. Keine halbe Stunde dauert die Rettung, auch der „Schwerverletzte“ läuft kurze Zeit später bereits wieder putzmunter herum. 

Dennoch: Die Übung hat ihren Zweck erfüllt. Was sofort auffällt: Der Rettungspunkt als zentrale Anlaufstelle für Forstarbeiter wie Rettungsdienst gleichermaßen ist von enormer Bedeutung. 13 dieser Punkte gibt es im Landkreis Mansfeld-Südharz, 113 im gesamten Forstbezirk Süd. „Die Rettungspunkte wurden an übersichtlichen Stellen in den Wäldern installiert. Dort, wo sie stehen, kann mit dem Handy Hilfe angefordert werden. Sie sind in erster Linie auch von Fahrzeugen gut erreichbar“, zählt Holger Koth, Leiter des Forstbetriebes Süd, eine ganze Reihe von Vorteilen solcher Rettungspunkte auf.

Er betont, dass diese Fixpunkte im Notfall eben nicht nur für den Forstarbeiter, sondern auch für Wanderer, Biker oder Crossfahrer von unschätzbarem Wert sein können. Und nicht zuletzt für „Brennholz-Selbstversorger“, die sich ohne passendes Gerät und mit wenige Ahnung Holz im Wald holen wollen, so Koth. Mathias Ruzki, der die Alarmübung am Dienstag als verantwortlicher Notarzt begleitet, ist ebenfalls von der Notwendigkeit der Rettungspunkte überzeugt. „Es ist ganz einfach wichtig, dass es selbst im tiefsten Wald derartige Rettungspunkte gibt. Da brauchen wir nicht lange herumzuirren“, sagt er. Er fügt hinzu: „Noch wichtiger ist, dass wir derartige Übungen machen. Hier ist Zusammenarbeit im Team gefragt.“ Am Ende sind alle zufrieden. Auch der Verletzte. „Alles klar, hat prima geklappt“, sagt Rico Gothe und macht sich wieder an die Arbeit. (mz)