„Ich hatte so großes Glück“

Wie eine an Brustkrebs erkrankte Querfurterin anderen nun Hoffnung macht

Silvia Holzapfel bekam vor mehreren Jahren die Diagnose Brustkrebs. Warum sie jetzt eine Selbsthilfegruppe gründen will und wer sie unterstützt.

Von Undine Freyberg 12.10.2021, 15:30 • Aktualisiert: 12.10.2021, 16:10
Silvia Holzapfel will eine Selbsthilfegruppe Brustkrebs gründen.
Silvia Holzapfel will eine Selbsthilfegruppe Brustkrebs gründen. Foto: Undine Freyberg

Merseburg/Querfurt/MZ - Silvia Holzapfel sieht nicht aus wie eine Frau, der man Angst machen kann. Sie ist fröhlich, selbstbewusst und lacht gern. Doch auch bei der 58-Jährigen gab es eine Zeit, als ihr Leben aus den Fugen zu geraten schien. Nur ein halbes Jahr nachdem ihr Mann verstorben war, erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. „Ein Zufallsbefund - beim Mammografie-Screening“, erzählt sie. Dann ging alles relativ schnell. Brusterhaltende OP, Bestrahlung. Das war 2014.

Frauen mit der Diagnose Brustkrebs bräuchten Verständnis und Entlastung

„Ich hatte so großes Glück“, erinnert sich die Krankenschwester, die einst am Basedow-Klinikum tätig war. Ihr Tumor sei zwar etwa zwei Zentimeter groß gewesen, hatte aber nicht gestreut und keine entarteten Zellen gebildet. „Ich bin nicht nur froh, dass er in einem noch frühen Stadium entdeckt wurde, sondern vor allem, dass ich ein so gutes soziales Umfeld hatte, das mir Halt gegeben hat“, sagt die Querfurterin, die mittlerweile seit 2007 als Gesundheitscoach für die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) arbeitet und Versicherte zu chronischen Krankheiten berät.

Frauen mit der Diagnose Brustkrebs bräuchten Verständnis und Entlastung, sagt Holzapfel. „Sie müssen sich vorstellen - man hat Todesangst. Man fragt sich: Wie lange werde ich noch leben? Man weiß nicht wie es weitergehen soll und was man alles regeln muss.“ Erkrankte Frauen bräuchten jemanden, mit dem sie darüber reden können, wie man achtsamer mit sich selbst umgeht, oder was man in traurigen Phasen machen kann, um sich wieder zu motivieren, sagt die 58-Jährige. „Denn man darf nie die Hoffnung verlieren.“

Gynäkologin unterstützt Querfurterin eine Selbsthilfegruppe für Brustkrebserkrankte zu gründen

Als Dank für die Unterstützung, die ihr in der schwersten Zeit entgegengebracht wurde, hat sie sich jetzt entschlossen, etwas zurückzugeben und plant deshalb die Gründung einer Selbsthilfegruppe Brustkrebs in Querfurt, in der sich Frauen austauschen und bei Vorträgen informieren können. „Meine Gynäkologin Cornelia Schmidt unterstützt diese Idee und würde auch die Räumlichkeiten ihrer Praxis in Querfurt zur Verfügung stellen“, erzählt Silvia Holzapfel.

Allerdings müssten die Treffen nicht immer dort stattfinden. Die Gruppe könnte auch Ausflüge unternehmen, oder sich mal zum Kaffeetrinken verabreden. Das Angebot soll sich nicht nur an akut erkrankte Frauen wenden, sondern auch an Frauen, deren erste Diagnose schon Jahre zurückliegt. Holzapfel: „Denn die Diagnose und das Stigma begleiten uns doch immer. Und man weiß nie, wann ein Rezidiv kommt.“ In einer solchen Gruppe könnte man neue Kraft tanken und die Stimmung wieder aufhellen.

Erste Selbsthilfegruppe im Landkreis

Die Querfurterin wandte sich mit ihrer Idee an die Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen, wo sie nun unterstützt wird. Silvana Thomas von der Kontaktstelle ist sehr froh über das Engagement. „Denn eine solche Selbsthilfegruppe gab es im bisher noch nicht.“

Interessentinnen für eine Selbsthilfegruppe Brustkrebs wenden sich an die Paritätische Selbsthilfekontaktstelle unter Telefon 03461/34 18 72 oder 0170/674 78 07, oder schreiben eine E-Mail an selbsthilfekontaktstelle.sk@gmail.com