Traumhafte Verbindungen zwischen zwei orten

Kirchengemeinde Obhausen engagiert sich seit 60 Jahren für Menschen mit Behinderung

Die Kirchengemeinde Obhausen pflegt seit mittlerweile 60 Jahren eine enge Verbindung zu einer Einrichtung für behinderte Menschen in Neinstedt im Harz.

Von Anke Losack 28.09.2021, 09:30
60 Jahre Patenschaft Kirchenmitglieder Obhausen und Behinderte aus Neinstedt
60 Jahre Patenschaft Kirchenmitglieder Obhausen und Behinderte aus Neinstedt Anke Losack

Obhausen/MZ - Alles begann mit einem Ausflug des Mütterkreises im Sommer 1961. Die kleine Reisegruppe der Kirchengemeinde Obhausen besuchte damals die Neinstedter Anstalten im Harz, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Wieder zurück zuhause ging den Muttis wohl so manches durch den Kopf. „Sie hatten viele Menschen gesehen, denen es nicht so gut ging, die nicht so gesund waren wie ihre eigenen Kinder“, weiß Silvia Rosenhahn, Vorsitzende des Beirates der Kirchengemeinde Obhausen, zu berichten.

Sie fügt stolz an: „Sie hatten die geniale Idee, eine Freundschaft zu beginnen.“ Genau diese währt zwischen der Kirchengemeinde Obhausen und den Neinstedtern seit nunmehr 60 Jahren. Mit einem großen Fest wurde das Jubiläum kürzlich in Obhausen gefeiert.

Patenschaften wurden ins Leben gerufen

Schon damals, 1961, wurden Patenschaften ins Leben gerufen. Eine solche pflegt zum Beispiel die 85-jährige Isa Hemmler aus Obhausen mit Helmut Obst. „Das ist eines unserer Diamantpärchen“, sagt Rosenhahn, die eine lange Liste von Personen aus beiden Orten aufzählen kann, die eng miteinander verbunden sind.

Isa Hemmler gehörte damals dem Mütterkreis an. Sie war 25, fuhr mit in den Harz, in die Einrichtung in Neinstedt. „Es hat uns allen dort gut gefallen und daraus hat sich das dann entwickelt“, erzählt die 85-Jährige. Immer zu Weihnachten ließen die Paten den Neinstedtern Pakete zukommen und erfüllten ihnen damit kleine Wünsche. „Helmut hat sich immer einen Kalender gewünscht“, erzählt Isa Hemmler. Außerdem gab es einmal im Jahr ein Treffen. So hat der 79-jährige Helmut Obst manches Mal bei den Hemmlers zu Mittag gegessen oder saß mit an der Kaffeetafel.

Silvia Rosenhahn von der Kirchengemeinde Obhausen leitete die Andacht in der Kirche St. Johanni anlässlich des 60-jährigen Jubiläums.
Silvia Rosenhahn von der Kirchengemeinde Obhausen leitete die Andacht in der Kirche St. Johanni anlässlich des 60-jährigen Jubiläums.
Anke Losack

Es sei eine traumhafte Verbindung zwischen Menschen aus beiden Orten entstanden

Im jeweiligen Jahr darauf fuhr die Obhäuser Gemeinde gemeinsam nach Neinstedt. „Da waren oft unsere Kinder mit“, berichtet Isa Hemmler. So ist auch ihr Sohn Bernd in die freundschaftliche Verbindung zu den Menschen in Neinstedt mit reingewachsen. Helmut Obst sei von den Begegnungen immer begeistert gewesen, sagt die 85-Jährige und bedauert, dass er aus gesundheitlichen Gründen nun nicht mehr sprechen kann.

„Selbst wenn er jetzt nicht mehr mit Isa schnattert wie ein Wasserfall, so weiß er aber genau, dass er sich hier wohlfühlt, sonst wäre er heute nicht hier“, meint Silvia Rosenhahn. Überhaupt sei eine traumhafte Verbindung zwischen Menschen aus beiden Orten entstanden, freut sie sich. Bis vor einigen Jahren war es üblich gewesen, so Rosenhahn, dass die Neinstedter einmal im Jahr einen tollen Tag bei ihren Gastfamilien in Obhausen verbringen. Dann wurde aber umgeschwenkt.

Pfarrgarten fand das diesjährige Fest zum 60-Jährigen Jubiläum der engen Freundschaft statt

Sie begründet: „Wir wollten unsere Freundschaft mit vielen Menschen feiern, bei einem großen Fest an einem schönen Ort.“ Und so stiegen in den vergangenen Jahren schon große Partys etwa bei der Freiwilligen Feuerwehr in Obhausen, beim ortsansässigen Hundesportverein, im Strandbad oder im Pfarrgarten der Kirchengemeinde.

In jenem Pfarrgarten fand auch das diesjährige Fest zum 60-Jährigen Jubiläum statt. Die Kirchengemeinde konnte dank vieler Helfer und Sponsoren eine schöne Feier mit einigen Attraktionen auf die Beine stellen. Zuvor hatte Silvia Rosenhahn eine emotionale Andacht in der Kirche St. Johanni geleitet. Dabei ist auch an diejenigen gedacht worden, „die uns in den 60 Jahren begleitet haben und nicht mehr unter uns sind.“

Bilder und Videos erinnern an viele schöne Momente der vergangenen sechs Jahrzehnte. Viele weitere Jahre dieser freundschaftlichen Verbindung zwischen Obhäusern und Neinstedtern sollen noch folgen und viele weitere schöne Momente hinzukommen, wünscht sich Silvia Rosenhahn.