Forstexperten prüfen Ziegelrodaer Wald

„Es muss unbedingt etwas gemacht werden“

In den Revieren Ziegelroda und Lodersleben sind Forstexperten unterwegs, die die grüne Lunge analysieren. Sie liefern auch Planvorschläge für die nächsten Jahre.

Die Forstssachverständigen Michael Schwarz (vorn) und Peter Winkler führen Zählungen und Messungen durch. Foto: Anke Losack

Ziegelroda - Johannes Brodowski ist umgeben von Bäumen. Er schaut sich um, mal in die Höhe, mal gen Boden, mal in die Ferne. „Wir befinden uns in einem mehrschichtigen Eichenmischbestand, vermutlich entstanden aus Pflanzung“, beschreibt der Referendar, der kurz vor dem forstlichen Staatsexamen steht, die Teilfläche an der Wendelsteiner Straße im Forstrevier Ziegelroda. Er analysiert anhand seiner Beobachtungen unter anderem die Qualität und Vitalität der Bäume.

In Sachsen-Anhalt muss alle zehn Jahre eine Forsteinrichtung durchgeführt werden

Über ihre Größe sagt er: „Sie müssten 31 oder 32 Meter hoch sein.“ Michael Schwarz misst mit einem speziellen Gerät nach, kommt dabei auf 33 Meter. Er und sein Kollege Peter Winkler, beide Forstsachverständige, müssen bei ihrer Untersuchung exakt vorgehen. Sie sind beauftragt, sehr genaue Zahlen und Daten über den Waldzustand sowie daraus abgeleitete Planvorschläge an den Landesforstbetrieb zu liefern.

In Sachsen-Anhalt muss alle zehn Jahre eine sogenannte Forsteinrichtung durchgeführt werden. „Das schreibt das Landeswaldgesetz vor“, erklärt Wolfhardt Paul, der zuständige Sachgebietsleiter vom Landesforstbetrieb. Für die Forstexperten ist es ein wichtiges Instrument, um eine geregelte und nachhaltige Waldbewirtschaftung umzusetzen.

Bäume zählen und messen

Der Landesforstbetrieb führt die wissenschaftliche Untersuchung in Zusammenarbeit mit externen Forstakademikern durch. Für die Reviere Ziegelroda und Lodersleben sind Michael Schwarz und Peter Winkler beauftragt. Seit ein paar Tagen sind sie in der Region unterwegs, um die Bestände zu analysieren. Dafür wenden sie spezielle Mess- und Stichprobenverfahren an. Eins ist zum Beispiel die Winkelzählprobe. Systematisch verteilte Punkte im Wald werden gewählt und von dort aus mit Hilfe eines Gerätes Bäume gezählt und vermessen.

Formeln und Rechenprogramme ermöglichen dann, daraus weitere wichtige Ergebnisse wie den Vorrat eines Bestandes zu ermitteln. Auf der circa fünf Hektar großen Teilfläche an der Wendelsteiner Straße, wo die Sachverständigen gerade stehen, reiche eine Messung nicht aus, meint Michael Schwarz. „Da muss ich sechs oder sieben machen.“

Mit Daten mit Analyse der Forstexperten wird Planvorschlag für die nächsten zehn Jahre erstellt

Sein Kollege Peter Winkler ergänzt: „Wir wollen den Bestand gut abbilden.“ Ihm zufolge haben sie die Vorgabe, die Ergebnisse mit zehn Prozent Genauigkeit liefern zu müssen. Die nächsten drei bis vier Monate werden die Sachverständigen mit den Untersuchungen zum Ziegelrodaer Forst beschäftigt sein.

Die Daten, die sie sammeln, müssen in eine Datenbank eingegeben und ausgewertet werden. Darauf aufbauend wird ein Planvorschlag für die nächsten zehn Jahre erstellt. Da steht zum Beispiel drin, wie viele Festmeter Holz nach waldbaulicher Notwenigkeit oder Gesundheitszustand genutzt werden könnten. Es sei ein Vorschlag, von dem auch nach oben oder unten abgewichen werden kann, je nach Bedürfnis, sagt Peter Winkler. Für die Revierförster ist es allemal ein gutes Hilfsmittel für ihre Planungen.

Referendar Johannes Brodowski anaylsiert den Baumbestand auf einer Teilfläche im Ziegelrodaer Forst.
Fotos: A. Losack

Forstexperten prüfen den Ziegelrodaer Wald: „Es muss unbedingt etwas gemacht werden“

Adrina Hecht, die Forstleiterin vom Revier Ziegelroda, erhofft sich von den Experten Meinungen und Erfahrungen, wie zum Beispiel mit einer Teilfläche an der Kohlenstraße weiter verfahren werden soll. Es handele sich um eine Rauchschadfläche, erklärt sie. Der Qualm vom Kaliwerk Roßleben sei hier einst durchgezogen. Die Buchen hier sind geschädigt und von schlechter Qualität. „Es muss unbedingt etwas gemacht werden“, sagt die Revierleiterin und fügt an: „Für mich ist die Frage, welche lässt man stehen.“

Ich würde die vitalen Bäume stehen lassen, egal was für eine Qualität sie haben.

Peter Winkler, Forstexperte.

Schlussendlich sei es die Entscheidung von Adrina Hecht, was auf der Fläche passiert, sagt Wolfhardt Paul vom Landesforstbetrieb und macht auf einen positiven Aspekt in diesem Bestand aufmerksam: „Der neue Wald ist hier schon da. Für die Eibe scheint es ein guter Standort zu sein.“ Vögel haben Baumsamen auf der Fläche verstreut, so dass ein natürliches Nachwachsen von Bäumen dort stattfindet. (mz/Anke Losack)