Fußball

Westerhausen: Warum der Stau Verbandsligisten nicht aufhält

In der Meisterrunde war Verbandsligist SV Westerhausen am Mittwoch beim BSV Ammendorf gefordert. Wie das Spiel ausgegangen ist.

Von Detlef Liedmann 12.05.2022, 19:15
Victor-Ramon Roldan-Arias (links)im Zweikampf mit Tony Saul.
Victor-Ramon Roldan-Arias (links)im Zweikampf mit Tony Saul. Foto: Detlef Liedmann

Ammendorf/MZ. - Mittwochabend halb sieben im Ammendorfer Stadion der Waggonbauer. Die ersten Röster auf dem Grill sind verzehrfertig. Auf der Tribüne sorgt das Erscheinen von Ralf Minge, Sportdirektor des Halleschen FC, für Gesprächsstoff unter den noch wenigen Zuschauern. Minge holt zwei Würstchen. Für sich und Lutz Schülbe, den Präsidenten des BSV Ammendorf. Ohnehin gibt es noch nichts zu sein, obwohl schon längst Zeit fürs Warmmachen ist. Doch auf dem Rasen herrscht gähnende Leere. Denn Verbandsligist SV Westerhausen ist nach einem Unfall inmitten von Halle in die Staufalle geraten.

Halbe Stunde später angepfiffen

Geschadet hat es den Fußballern aus dem Harz nicht. Als das Spiel 19.32 Uhr, gut eine halbe Stunde später als geplant, beginnt, entwickelt sich sofort eine temporeiche Partie der Meisterrunde, an deren Ende Westerhausen mit 1:0 den Platz als Sieger verlässt. Ohne Flutlicht würde man kaum noch die Hand vor den Augen erkennen. Aber so ist der Torschütze gut auszumachen. Einmal mehr hat Denis Neumann seine individuelle Klasse bewiesen. Nach einem Befreiungsschlag des werdenden Vaters Erik Brahmann setzt sich Neumann im Eins-zu-Eins gegen Marcel Keitel durch und trifft links unten (84.). „Klar war das von Denis klasse gemacht, aber den Sieg hat sich natürlich die ganze Mannschaft verdient“, sagt Trainer Marco Wagner. Und: „Wir hätten zur Halbzeit mit einem Tor Vorsprung führen müssen, vielleicht sogar mit zwei.“ Doch Lucian Victor de Souza Bonfim hat gleich zwei gute Chancen nicht genutzt. Erst in der 19. Minute, als er aus kurzer Entfernung, aber schwieriger Situation, das Tor knapp verfehlt (19.), dann nur die Latte trifft (31.). Und Victor-Ramon Roldan-Arias, der auf der rechten Außenbahn Tony Saul fast Knoten in die Beine spielt, haben ebenfalls nur wenige Zentimeter gefehlt (22.).

Das wir das Tempo nicht halten können, war klar.

Marco Wagner, Trainer SV Westerhausen

„Dass wir bei den Temperaturen das hohe Tempo nicht werden halten können, war uns klar“, so Coach Wagner, der in der zweiten Halbzeit ein ausgeglichenes Spiel analysierte. „Wir hatten mehr Ballbesitz, aber Ammendorf gute Konterchancen.“ Das Kuriose an der Partie: Mit ihr wurde bereits die Rückrunde im Kampf um die Meisterschaft eröffnet. Das Hinspiel steht noch aus, war am 3. April vom Staffelleiter abgesetzt worden: Stichwort Corona. Nachholtermin ist Freitag, 27. Mai, einen Tag nach Himmelfahrt. Der Fokus liegt jetzt aber erst mal auf diesem Samstag, wenn ab 15 Uhr der SV Dessau 05 auf dem Wolfsberg gastiert. An das Hinspiel haben die Westerhäuser keine so guten Erinnerungen. Es endete 1:1. „Dessau hat bisher zwei Punkte geholt, davon einen gegen uns. Das schmerzt natürlich, weil uns die verlorenen zwei Punkte fehlen“, so Wagner. Deshalb müsse am Samstag ein Sieg her. „Aber ein Selbstläufer wird das nicht“, weiß der Trainer. Denn die Muldestädter verfügen seiner Meinung nach über eine Reihe starker Individualisten, die jeder Mannschaft das Leben schwer machen können. „Wir müssen jetzt die Köpfe frei und die Beine locker bekommen“, sagt Wagner. Er brauche auf dem Platz elf Mann, die sofort Vollgas geben. Und da müsse er genau schauen, wer in Frage komme. „Marcelo Franceschi muss ich unbedingt eine Pause geben. Sonst verletzt er sich noch schwer und fällt dann länger aus“, erklärt der Trainer eine scheinbar schon getroffene Entscheidung. Eine andere Entscheidung steht indes aus, und zwar zum Einspruch der Westerhäuser zu ihrem Spiel gegen Elster (1:2).

Entscheidung steht aus

Elster hatte einen Spieler aufs Feld geschickt, dessen Nummer nicht im Spielbericht notiert war. Das ist vier Wochen her. Warum eine Entscheidung so lange dauert, kann sich niemand erklären. Zudem macht das Gerücht die Runde, Weißenfels wolle nun doch aufsteigen, obwohl der SSC nicht für die Oberliga gemeldet habe. Till Dahlitz, Mitarbeiter Spielbetrieb des Nordostdeutschen Fußballverbandes, erklärte auf MZ-Nachfrage: „Es gab eine Ausschlussfrist, die am 4. März um 15 Uhr endete. Eine Nachmeldung ist nicht mehr möglich.“ Der SSC Weißenfels ist also raus, wenn es um den Aufstieg geht.